Generation Z | Prolog

Die überlassen nichts dem Zufall. Die wussten längst, dass ich mich ihnen anschließen würde. Noch bevor sie mich das erste Mal trafen. Es gibt keine Zufälle. Nicht in diesem Krieg. Zufälle kannst du dir nicht leisten. Zufälle bringen dich um.

Ich hab die Adresse eingegeben. Der Cursor blinkt. Fordert mich heraus.

Die haben gesagt: Besuch diese Website, wenn du uns nicht glaubst. Dann wirst du erfahren, dass alles wahr ist. Aber nicht, weil die Wahrheit auf der Website steht. Sondern weil SIE sie überwachen.

Sobald ich auf ENTER drücke und mein Rechner die Site anwählt, bin ich auf IHRER Liste.

Das ist meine private Pille. Rot oder Blau. Will ich es eigentlich wissen? Ich meine: Wer will schon überhaupt irgendetwas wirklich wissen. Ich weiß, dass mein Leben eine Lüge ist. Mein Leben ebenso wie das jedes anderen. Selbsttäuschung ist normal. Es ist unser Rettungsmechanismus. Der Kniff unseres Steinzeit-Hirns, mit Jetztzeit-Problemen fertig zu werden, die Scheiße noch eins zu kompliziert sind. Das liegt in unseren Genen, Mann.

Wir sind die Generation Z, haben die gesagt. Die letzten Menschen, die das Steuer VIELLEICHT nochmal rumreißen können. Denn nach uns, da ist nur noch die Überwachung. Die totale Kontrolle. Nicht nur deiner Daten. Deiner Gene.

Das Leben wird nicht mehr von Zufälligkeiten abhängen. SIE werden das nicht zulassen. Nenn es Eugenik.  Nenn es Transhumanismus. Nenn es Endgame. IHNEN ist es egal, wie du es nennst. Für SIE ist die Zukunft unausweichlich. Nur der nächste Schritt eines langen Marsches. Weil SIE ihn so eingerichtet haben.

Ich hab gegoogelt und gesurft. Hab mir all diese Youtube Videos reingezogen. Inklusive des Vids über die Google Verschwörung. Ich hab mich bepisst vor Lachen über jene Ideen, die einfach nur Stuss waren. Hab über einige andere nachgedacht. Bis ich wieder mehr Bock hatte, Wii zu zocken.

Es gibt so viel zu tun. Ich brauche diesen Mist nicht. Ich weiß, dass die Welt in der Scheiße steckt. Steckte sie immer. Wird sie immer stecken. Nicht meine Schuld. Nicht meine Verantwortung. Ich hab genug Probleme damit, mein eigenes Leben auf Reihe zu kriegen. Obwohl: Probleme hab ich eigentlich keine. Nicht hungrig. Nicht obdachlos. Aber wenn ich zugeben müsste dass ich zu viel freie Zeit habe, würde mir das die Verantwortung aufdrücken. Wofür? Keine Ahnung. Keiner will es wissen. Jeder hält sich beschäftigt. E-Mails checken. Spam löschen. MP3s runterladen. In Foren quasseln. Beleidigt werden. Zurück flamen. Leute ignoren. Avatars basteln. Durch virtuelle Welten latschen. Second Life. World of Warcraft. Durch Online Shops browsen. Billigere Angebote suchen. Für Quatsch den keiner braucht. Quatsch den wir auf Ebay verkaufen können. Um bessere Ratings zu bekommen.

Scheiße, ich klinge wie ein Teenager. Zu alt für diese Scheiße. Erwachsen.

Jetzt gehen die mir auf den Sack. Mit diesem Mist. Wir gegen SIE. Klar. Bullshit.

Also, wer sind SIE? Und die? Wer sind beide? Die, welche mich angesprochen haben, und SIE, über die ich die Wahrheit erfahren soll? Ist das irgend so ein krankes Spiel? Operation Mindcrime in Neuauflage?

Die sagen es mir nicht. Weil die denken, dass ich es selbst sehen muss, um es zu glauben. Wie wir alle. Wir Menschen. Das liegt in unseren Genen. Die haben mir gesagt: Wir könnten dir erzählen was wir wollten. Wenn wir dir sagen würden, was wir herausgefunden haben, klänge das beknackt. Völlig unglaubwürdig. Und du, du würdest dich umdrehen und lachend weggehen. Denn du bist ein Zyniker. Ein Unzufriedener. Ein Skeptiker. Ein Abweichler. Du bist all das, weswegen wir dich angesprochen haben. Du hörst auf gar niemanden. Und das ist gut: Denn so hörst du IHNEN Nicht zu. Aber uns eben auch nicht. Du würdest uns kein Wort glauben. Von Agenten. Schwarzen Männern. Von „Spezialeinsatzkräften“ der Polizei, die immer wieder in den Nachrichten auftauchen, in jedem Land, ohne klare Identifikation. Über Schatten-Ministerien. Schatten-Agenten. Schatten-Polizei. Schatten-Alles.

Nein, du bist zu schlau für uns. Also hast du hier ne Visitenkarte. Mit einer Webadresse. Siehst du? Keine große Sache. Wenn wir einfach nur bestusst sind, tipp einfach http Doppelpunkt Doppleslash und den Rest der Gülle ein, drück ENTER, lies die Site, lach dich schlapp, schalt den Rechner ab, und du wirst nnie wieder von uns hören. Versprochen.

Wenn es keine Schatten-Agenten gibt, wird dich auch keiner verfolgen, und der weiße Van wird niemals kommen. Denn er existiert ja gar nicht. Siehst du? Nix, vor dem man sich fürchten müsste.

Also: Welche Pille darf’s sein?

Die gute Nachricht ist: Das hier ist nicht die Matrix. Und ich bin keine menschliche Batterie, die ihr Leben im Hier und Jetzt nur dahinträumt.

Die schlechte Nachricht ist: Das hier ist nicht die Matrix. Keine Chance, sich auszustöpseln. Und ich habe mein Leben dahingeträumt.

Bis jetzt.

[ENTER]

2 thoughts on “Generation Z | Prolog

  1. Desmond sagt:

    Mir gefällt die Idee wirklich gut. Klingt sehr viel versprechend. Hoffentlich bekommen wir schnell mehr davon *gg*

  2. rabenaas sagt:

    Ich werkele daran, so schnell ich kann. Daneben „muss“ (= will) ich aber natürlich auch die Interessen meiner mitlesenden Shadowrun- und Cyberpunk- und D&D-Leser bedienen, ergo teilt sich meine Zeit etwas auf, und ich komme LÄNGST nicht so schnell voran wie ich möchte. Aber keine Sorge: Mai ist „Generation Z Monat“, wo dieses System Vorfahrt hat. Also sit back and enjoy the show :o)

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