Shadowrun | Sigorsky

Das Bild ist nicht von mir, sondern von Katea von Deviantart.com

MEMLOAD::: Zu Hause fiel die Tür mit einem sanften magnetischen Seufzer ins Schloss. Vor ihm erwachte das Konzerncondo zum Leben, während hinter ihm das leise Trommeln zuschnappender Bolzen durch den Vorraum rieselten.

Aus dem Badezimmer schwoll das Geräusch einlaufenden Wassers. Irgendwo begann ein perfekt frisiertes Trideogesicht, die Nachrichten anzusagen. Sein Komlink rutschte geräuschlos über den Couchtisch, den er ohne dem Trid einen Blick zu schenken passierte. Vor ihm öffnete sich der Altar der Hausbar, spreizte die Türschenkel wie eine Geliebte. Weißes Licht, Nebel von Eis, klirren von Würfeln im Glas, schwappen kristallenen Alkohols.

Als er den ersten Wodka unten hatte, fand er seinen Blick in der verspiegelten Rückseite der Bar. Und er sah Scheiße aus. Obwohl, letztlich, alles glatt gelaufen war. Trotzdem: Es war ein hoher Preis gewesen. 62K, die er nicht hatte. Das heißt: 25K hatte er schon, Rücklagen. Für harte Zeiten. Und die Zeiten waren hart.

Klirren von Eis. Der zweite Drink. Glas in zwei Fingern, zwei weitere greifen die Flasche. So ging er zum Sofa und ließ sich fallen.

Ja, es war nochmal gut gegangen. Und trotzdem konnte er sich nicht wirklich freuen. Auf dem Rücken liegend, kramte er in seiner Hosentasche. Fand das scheckkartengroße Fotodisplay, aktivierte es. Zappte durch die Bilder des Tatortes. Hoskowitz tote Augen. Wie er das Betttuch verkrampft festhält. Blut im Gang. Der grübelnde Blick der Hotelmagierin. Zersplittertes Glas. Der Polizeikomissar. Dann: Das Bild, das er gesucht hat.

Das Mädchen war ebenso hübsch, wie es vermutlich tot war. Hoskowitz Tochter. Über sie waren die Erpresser an Hoskowitz herangekommen. Hatten ihn erst dazu gebracht, den Launch des iFive zu verschleppen, dann: ihn zu sabotieren. Schließlich: den Prototypen stehlen zu lassen, direkt unter der Nase von Sigorsky hinweg, dank der Insider-Infos von Hoskowitz.

Hätte er die Beweise von Hoskowitz‘ Verrrat auch dann haben wollenn, wenn er im voraus gewusst hätte, dass dafür dessen Tochter sterben würde? Aber: Niemand hatte es gewusst. Hatte es wissen können. Dass Hoskowitz der Insider gewesen war, der den Bruch möglich gemacht hatte, war ihm, Sigorsky, von vorneherein klar gewesen. Aber es hatte den UCAS-Amerikaner einfach für einen dieser profitgierigen Lurche gehalten, wie sie heute auf jeder Konzernebene sitzen – erst recht bei den überseeischen Besitzungen von SK, seinem Wodkageber.

Er studierte das Foto näher. Es war irgendwo aufgenommen, wo die Sonne schien. Ein Campus, irgendwo. Das Mädchen wirkt sorglos. Nicht wie eines der Opfer auf den Snuff-Videos, welche die Erpresser Hoskowitz täglich auf dessen Komlink geschickt hatten, „damit er wisse, was Leuten so passieren kann, wenn man nicht aufpasst“. Er schob das Foto rüber auf das Trideo-System, ließ das bessere holografische Displaysystem die Szene großziehen.

Da war er: Links im Hintergrund, über der Schulter des Mädchens. Der Ork. Lächelnd. In die Kamera blickend. Den Kopf leicht geneigt, wie zum Gruß – und in der Hand ein langes, dürres Filetiermesser. Derselbe Ork, der vor wenigen Stunden das euleXia Hotel verwüstet hat. Der Hoskowitz getötet hat. Und fast die Schattenläufer, die ihm, Sigorky, die entscheidenden Beweise geliefert hatten.

Jetzt war es aus seiner Hand. Irgendeine SK Abteilung würde irgendwelche Nachforschungen aufnehmen. Aber wohin nachforschen? Hoskowitz – tot. Sein Körper verdreht, die Hand in der blutigen Bettdecke, das Zimmer um ihn zerhämmert von Einschüssen. Das Mädchen – tot. Vermutlich. Der Ork – entkommen. Über Autodächer. Nachdem er aus dem Hotel in der Uhlandstraße auf die benachbarte Westtangente gesprungen war. Die Schattenläufer, die den iFive Prototypen aus dem Flughafen-Ladeterminal gestohlen hatten, aus jenem Trakt, wohin er „versehentlich“ geliefert worden war – tot. In Fetzen geschossen und gesprengt von Russen in Sonderpolizei-Uniformen. Der Partner des Orks, vom Decker (oder wie nennt man sie heute) eine Weile im Fahrstuhl des Hotels festgehalten – weg. Spurlos.

Klirren von Eiswürfeln. Der sechste. Endlich: etwas Ruhe hinter seinen Augen. Keine Spuren. Und kein Geld, sie zu verfolgen.

Das Komlink surrte seine SK-gesponsorte Konzernmelodie. Knotenerkennung. Abheben. „Ja?“. Seine Frage war tonlos. Er erfuhr, was er erwartet hatte. Das mit dem Geld würde klappen. Die Drachin würde dafür sorgen … :::END

Hangout: Café Freder (siehe Metropolis), Saeder-Krupp Konzernzone Tempelhof

Profession: Konzernmann (Leiter SK Sicherheit Flughafen Tempelhof), Schmidt

Kontakt: Alex, Paris, Jill, November

Werte:
Attribute – K 4 | G 3 | R 3 | S 2 | C 4 | I 6 | L 3 | W 2 | ESS 6 | INI 8 | ID 2
Fertigkeiten – Diverse Berufsfertigkeiten 3, Ausweichen 3, Gebräuche 2 (Konzern +2), Maschinenpistolen 4, Wahrnehmung 5, Bewaffneter Kampf 3, Waffenloser Kampf 3
Cyber/Bioware – Keine
Bewaffnung: Mauser Nu8 Maschinenpistole (Angriff 7, Schaden 4K, PB –1, Modus SM, Rückstoß –, Muni 20(s))
Rüstung – Sicherheitsweste (6/4)
Sonstige Ausrüstung – Nach Anlass
Spieltipps – geschäftig, väterlich, besonnen, hasst es im Zugzwang zu sein, tut was nötig ist aber hält Aufwand so gering wie möglich, exzellenter Menschenkenner, lebte in Jugend auf der Straße und kennt das „Old School“ Shadowbiz
Zustandsmonitor – ❏❏❏|❏❏❏|❏❏❏|❏

One thought on “Shadowrun | Sigorsky

  1. […] Team, sozusagen. Auf den er vor allem deshalb hohe Stücke zu halten scheint, weil der das Angebot Sigorskys ablehnte, die Bezahlung für den letzten Run direkt anzunehmen. Was dem SK-Mann einiges Geld […]

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