Shadowrun | Berlin: Retroshock

 

zone.jpg

Berlin 2073. Schwarze Zone Pankow, Konradstraße. Im Hintergrund zu sehen die für die Zone typischen "Produktenschilder", die auf kleine Läden, Produktenlager und Destillen in Hinterhöfen, Kellern und Wohnungen hinweisen.

 


Willkommen im 19. Jahrhundert

// Dateiupload von TOLSTOI // 09.10.2073 – 10:00:00

Fast alle Medien, die sich mit der Anarchie in Berlin beschäftigten, thematisierten den Rückfall des Lebens auf eine primitivere Stufe und schufen damit quasi die Mär von Gesetz und Pizzabringdienst als Garanten für „das Leben, wie wir es kennen“. Was hingegen beginnend von den frühesten Berichten der F-Zeit bis quasi offizieller Anerkenntnis der „Berliner Rückbesinnung“ als bewusstem Kulturtrend aus der Ex-Hauptstadt weder verstanden und noch dargestellt wurde, ist, dass dieser Rückfall zwar durchaus geschehen ist, sich aber seit gut 15 Jahren stabilisiert und vor allem: normalisiert hat.

Betrachtet den Post hier als Stub und Overview zu einem Thema, das wir bzw. ich im aktuellen Berlin Upload viel ausführlicher behandeln. Die weitgehende Abwesenheit von matrixabhängigen Strukturen hat seinerzeit entgegen einigem Geflame, was Nakaira dazu im Upload bringt, die anarchistischen Gebiete Berlins weitgehend heil durch den Crash gebracht. Tatsächlich lief das Leben dort – bis zur Konzernblockade – so normal weiter, dass man das wahre Ausmaß des Crash hier gar nicht so wirklich mitbekam (abgesehen von einer großen Plündertour durch die Randgebiete des Konzernsektors, als bei denen und entlang der flutlichthellen Sektorengrenze (dem antianarchistischen Schutzwall) „die Lichter ausgingen“). Seitdem Wifi einfach mal DAS Thema geworden ist, ist auch in der Zone der „Haben Will“ Faktor stärker geworden, und viele vor allem jüngere Leute sind genervt vom statischen Rauschen oder dem völligen Fehlen von Kontakt in manchen Gegenden. Dass es zudem im Osten regelrecht Kieze gibt, die von irgendwelchen revolutionären F-Komitees mit Störsendern förmlich blockiert werden („Wider das kapitalistische Spam- und Spy-Web!“) hat in jüngerer Vergangenheit zu einigen Spannungen geführt. Spannungen, die konzernseitig durchaus geschürt werden, versteht sich.
Konoppke

Mit Ausbruch der Anarchie in Berlin gehörte fast von Beginn an die stadtweite Stromversorgung der Vergangenheit an. Zwar waren die Kraftwerkseigner sehr flink darin, ihre Anlagen zu sichern, eine Grundversorgung konnten aber auch sie nicht aufrecht erhalten. Teilweise lag dies am Zusammenbruch des geregelten Zahlungsverkehrs, teilweise an technischen Tücken wie etwa der Notwendigkeit, in ein Haus hineingehen zu müssen, um ihm den Saft abdrehen zu können.  Eine Weile lang versuchten sich die Energiekonzerne mit Lösungen auf Kiezebene über Wasser zu halten – also jene Teilnetze abzuschalten, wo ein gewisser Quotient von Stromabnehmern, die ihre Rechnung tatsächlich zahlten, unterschritten wurde – teilweise wurde einem auch die Entscheidung abgenommen, da rivalisierende Energiesyndikate massive Sabotage an den Netzen betrieben.

Äh. Irgendwie fehlt mir hier die Info was dann weiter aus den Kraftwerken etc. wurde…
Blitzen

Als klar war, dass der Ofen in Berlin aus ist, haben die meisten Konzerne versucht, ihre Kraftwerke zu plündern und anschließend zu verplomben. Natürlich blieb der Abtransport und die Demontage der Tech nicht unbemerkt und aufgebrachte Berliner versuchten dagegen zu protestieren – dabei kam es dann an mehreren Kraftwerken zu gewalttätigen Ausschreitungen, vor allem nachdem irgendwer Kontingente osteuropäischer Söldner dazu anheuerte die Kraftwerke gewaltsam zu übernehmen. Wieviele Söldner und Sicherheitsleute damals starben, da gehen die Meinungen drüber auseinander. Ebenso dazu, wer wann welches Kraftwerk wie lange hielt und wohin die Tech verschoben wurde. Geht man nach den offiziellen Angaben, verloren die Energiefirmen „alles“ und machten entsprechende Multimillionenforderungen gegenüber den Versicherungen bzw. teilweise der ADL geltend (von wegen Verantwortung für das Fiasko), fest steht aber ebenso dass mehrere Schwerlasttransporte mit Tech unter schwerster Bewachung sauber von den Eignern weggeschafft wurden. Am Ende gingen selbst jene Blocks, die von Energiesyndikaten erobert wurden, nicht mehr ans Netz, da zu viel beschädigt bzw. gestohlen worden war. Die Kraftwerke verfielen danach, dienten auch gerne mal Gangs oder den besagten Söldnertrupps als HQ. Diejenigen Kraftwerke, die dann in Konzerneinflussbereich kamen, wurden kurz begutachtet, nicht rettbar befunden, abgerissen und es wurde neu aufgebaut.
Konnopke

Oder auch nicht. In der Mehrzahl der Fälle fand man es sei sicherer und wirtschaftlicher, das Berliner Netz zu überregionalisieren, d.h. mehr Energie von außen einzuleiten als früher. Ruhr Nuklear lässt es sich trotzdem nicht nehmen einen großen Reaktor zu bauen – in Tempelhof, duh – aber der geht frühestens in 10 Jahren ans Netz. Irgendwas von wegen revolutionäre neue Energietechnik blah blah.
Clipload24

Als dann in den 60ern die Konzerne kamen und die Stadt unter sich aufteilten, kam damit noch lange keine stadtweite Energieversorgung zurück: Wie überhaupt in allen Verwaltungs- und Versorgungsfragen war jeder Konzern zunächst rein auf seine Eigenversorgung bedacht: Die konzerneigenen Gebiete wurden schon davor vom anlageeigenen Kraftwerk bzw. einer Mikrowellenanbindung per Konzernsatellit versorgt – diese Eigenversorgung wurde lediglich ausgebaut und schrittweise dem neuen Konzernwesten angeboten und in Rechnung gestellt.

As said: Mehr dazu im Berlin Upload.
Konnopke

Was sich der Berlinfremde aber als stromlose, postapokalyptische Steinzeit vorstellte – nämlich die Lage der Anarchogebiete seit Zusammenbruch der Gesamtversorgung – hatte für die
betroffenen Zonen (zunächst ganz Berlin, dann nur noch die Ostzone, heute nur noch einige Alternative Gebiete vor allem im Osten, die sich hartnäckig aller Ruhr-Nuklear Verträge erwehren) lediglich folgende Veränderungen gebracht:

Stromversorgung wurde Nahversorgung.

Statt sich darauf zu verlassen, dass Strom aus der Steckdose kommt, haben viele Berliner Wohnkooperativen, Mietsyndikate und Blocksowjets Solarzellen auf dem Dach oder Generatoren im Keller ihrer Häuser installiert. Diese wurden und werden, wo es sie noch gibt, gemeinschaftlich genutzt und ebenso bezahlt.

Wobei „bezahlt“ nicht immer Geld meint. Alternative Paymentsysteme, Tauschhandel, Naturalien und IOUs und so. *schnurr*
DailyFicks

Ich rate Dir GANZ „fix“ Dein Login zu ändern, or else!
Daisy Fix

Schluss mit Überfluss.

Solarzellen haben begrenzte Leistung, Treibstoff getriebene Generatoren sind teuer, also versuchte jeder, seinen Stromverbrauch zu reduzieren. Neben Niedervoltleuchten wurden auch Petroleumlampen und sogar Kerzen wieder „en Vogue“ in Berlin, speziell in den Bars und Kneipen – eine aus der Not geborene Neuerung, die heute als so typisch Berlinerisch gilt, dass daraus quasi eine postanarchistische Lebenseinstellung mit leicht grünem und auch konsumfeindlichen Touch geworden ist.

In dem Sinne begrüßen wir natürlich dass das BERVAG-versorgte Gebiet schrittweise wächst: Je näher der nächste angeschlossene Block, desto weniger weit muss man Kabel spannen um sich einzulöten. *fg*
Volthunter

Jup, finde den Artikel da auch schon nicht mehr ganz up to. Die Osties haben ganz viel nachzuholen, und aktuell scheint mir da eher ne Generation ranzuwachsen denen die Geräte gar nicht genug Strom fressen können. Das Pendel schlägt halt wieder in die andere Richtung.
Frank Furt

Der Wahnsinn hat Methode: Ich hab mir mal von nem Teen in F-Hain auseinanderklamüsrn lassen dass ja nicht er für den Strom zahle, sondern irgendwelche angepassten Konzernwichser, deren Volts er absaugt. Ausgehend von dieser Panne Ruhr-Nuklear Reklame dass Stromdiebstahl massiven wirtschaftlichen Schaden anrichtet sagt er also: Je mehr ich klaue, desto mehr schade ich den Konzernen und dem Corporate Way of Life. Da macht dann auch das mit Markenlabels überhäufte Kid schwer einen auf Sprawlguerilla, dabei findet er es einfach nur cool nen fingergroßen Player an mehrere schrankgroße Boxen anzukoppeln und diese auf Max die Bässe rauswoofen zu lassen.
Plumberjack

Schwer cryo Speek, Atze. Was bist Du, 30er Jahre Gammelfleisch?
Zeelyte

Die große Verdunkelung.

Die Straßenbeleuchtung in Berlin wurde frühzeitig vom Strom abgetrennt, da mit der Berliner Verwaltung auch der Rechnungsempfänger für die öffentliche Beleuchtung fehlte und sich dieses geschlossene Netz überaus einfach und gründlich abschalten ließ (quasi zusammen mit den Ampeln, die eh keiner mehr brauchte). Innerhalb kürzester Zeit fehlte aber nicht nur der Strom, sondern auch die Anlage, die er früher betrieb: Ganze Heerscharen von Metall-, Kabel-, Trafo- und Relaisdieben wühlten sich über Jahre durch die Stadt und raubten alles, selbst das was niet- und nagelfest war.

Warum Vergangenheitsform? Das Klaften geht weiter. Und netterweise bauen jetzt die Konzerne immer wieder neue Anlagen hin. The Circle of Life…
Rujevit

Du sagst es, Bruder.
Svantevit

Natürlich drängten die Konzerne in ihren Sektoren die Dunkelheit schnell zurück – meist sogar mit Flutlichtmasten, die nach wie vor das öffentliche Bild vieler Plätze dominieren (sie, und ihre am Mast verbaute Phalanx von Sniffern, Scannern und Kameras). Erst seit der Einigung nimmt die öffentliche Beleuchtung wieder etwas normalere und weniger nach Kriegszone aussehende Formen an: Ein neues Netz von Beleuchtung ist entstanden, das jedoch vielerorts im Osten noch plötzlich abbricht. Im Ergebnis sind Berliner Nächte in einigen Alternativen Bezirken nach wie vor SEHR dunkel, was natürlich gewissem lichtscheuem Gesindel exzellent in den Kram passt.

Gas, Wasser, Scheiße

Die gleichen Grundprobleme der zusammenbrechenden überregionalen Versorgung treffen auch Gas und Wasser, und wiederum haben sich hier zu F-Zeiten neue Strukturen zur Behebung des Problems entwickelt, die heute im gleichen Maße, wie Regel- und Konzernbezirke zur Normalität finden, wieder verschwinden.

Mom, in Berlin gibt’s noch immer Gasanschluss??
SuperAtario

Aber freilich! Seit sie das große Feld bei … äh … irgendnem russischen Ort ohne Vokale gefunden haben, back in the 20s, hängt Berlin wieder an der Pipeline. Gab Ausfälle im Eurokrieg, aber Immergaz und Co. flicken die Pipe immer wieder und deren Leute halten auch in Berlin das Netz am Laufen. Da sind die Konzerne völlig raus, das sind reine Vory Operations.
MeetTheBeatles

In den Alternativen Bezirken hingegen gibt es vielerorts weiterhin z.B. klassische Wäschereien (oft mit Handwäsche, da menschliche Arbeitskraft in Berlin noch immer billiger als Hi-Tech und Strom ist), geheizt wird noch immer verstärkt mit Briketts (und früher eben leider auch Holz, was viele Berliner Bäume das Leben gekostet hat) und für die Wasserversorgung werden öffentliche Handpumpen, zuweilen hauseigene Motorpumpen und – wenn man es sich leisten kann – Wasser aus Flaschen bzw. Kanistern benutzt.

Wichtiger Satz: In Berlin ist Arbeitskraft billiger als HiTech. Gilt für ALLES!
StufferPlusSklave44

Das massivste Problem in Berlin zu F-Zeiten – und ein Problem, an dessen Spätfolgen Berlin noch lange zu knabbern und Proteus noch lange verdienen wird – stellt die über Jahre nicht ordentlich erfolgte Abfallbeseitigung und die oft schwerwiegende Verseuchung des Wassers durch Schäden in den Abwasserleitungen und „Straßenentsorgung“ von Kloakenabfällen dar. das Alternative Berlin hat trotz aller neueren Maßnahmen dagegen nach wie vor die höchste Cholera-Neuinfektionsrate von allen Städten in Europa (inklusive Venedig!), und in Bezug auf die Kleinkindersterblichkeit nimmt Berlin weiterhin einen unrühmlichen Spitzenplatz ein.

Berliner Abwasserkrieg. Freut euch drauf. Da rummst es nochmal tüchtig.
Karl Eidoskop

So traurig es ist, das festzustellen: Der Wegfall der Gesetze mag zwar aus dem Normalberliner keinen Serienkiller gemacht haben, wie die Medien es immer gerne und reißerisch fabulierten, aber nur zu leicht bewegte es ihn dazu, nachts Müll im Nachbarblock abzuladen, das ausgediente Sofa einfach vor die Wohnungstür zu schieben oder den kaputten Kühlschrank gefüllt mit Plastiksächen voll Hygieneabfällen auf die Straße vorm Haus zu werfen.

Natürlich gab es auch zu F-Zeiten Syndikate, welche den Abtransport der Abfälle anboten: Aber erstens weigerten sich viele Berliner beharrlich, für Müll vor der Haustür zu bezahlen, den Leute aus einem anderen Block dort abgeworfen hatten, und zweitens arbeiteten jene Abfallfuhren auch nach dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit. Und das bedeutete – und bedeutet in vielen Bezirken noch immer – dass sie allzu oft die gesammelten Abfälle nur ein paar Straßen weiter wieder abkippen oder – was noch schlimmer ist – sie werfen sie in Spree, Havel oder Panke. Was immer mit ihnen geschieht: Den Weg zu den Deponien finden sie in den seltensten Fällen.

Was soll mit ihnen schon passieren? Wer immer für das Ausbaggern der Wasserwege zuständig ist holt das Zeug raus und entweder wird es ordentlich entsorgt oder in einem der Jauchekäffer abgeladen.
Der Letzte Eiserne

Rücksichtslosigkeit und Gedankenlosigkeit waren die beiden kritischsten Faktoren im Berliner Leben unter dem Status F. Überall, wo er in der einen oder anderen Form noch gilt.

Advertisements

Shadowrun | Berlin: Reality Check

grenze1.jpg

Berlin. Wo die Erneuerung Berlins voranschreitet, muss das Alte weichen. Im Bild die bereits halb durch Renraku abgerissene Zionskirche im Prenzlauer Berg, dahinter die beleuchtete Baustelle der UCHI Shopping- und Erlebnismall. Links im Bild die (noch) freischaffende Taxi-Riggerin Zoé.


Die Wahrheit zum Status F

// Dateiupload von TOLSTOI // 25.09.2073 – 10:00:00

Über den Status F und die Anarchie in Berlin ist eine ganze Menge geschrieben, berichtet, verfilmt und verbreitet worden. Was viele vergessen, ist allerdings, dass gut 3⁄4 von dem ganzen Material über Berlin pure Fiktion ist: Abgedreht als spannendes Setting für eine Krimiserie oder als grandiose Kulisse für den aktuellsten Horrorschocker über einen Schattenläufer, der zum Serienkiller wurde. Weil eine Stadt ohne Polizei, da kann sich der Württemberger so richtig drüber gruseln. Und Berlin war denen schon immer suspekt.

Das ist doch nix Neues. Das war doch schon seit -Scheiße- dem letzten Jahrhundert so.
Hobbs

Wenn das nix Neues ist, warum kommentierst du es dann?
Fabian454

An sich geht das Berliner Gespenst schon seit weit früherer Zeit um. Schon unter Bayernherrschaft wurde sich über die ärmliche Drecksprovinz voll Sumpf und Sand – und natürlich Raubritter und Zeugs – am Hofe Ludwigs gegruselt.
Der_Ewige_Student

Raubcritter?
Hobbs

RITTER!! D.E.S. bringt zwar einiges durcheinander, aber im Kern stimmt’s schon. Zwischen Berlin und dem Rest Deutschlands klafften schon immer Welten.
Dr.Zonk

Mein absoluter Favorite als mediales Klischee ist die Szene, in welcher der Protagonist des betreffenden Streifens auf der Suche nach Informationen nach Berlin fliegen muss, wo er sich – natürlich im Gore – mit dem elfischen oder orkischen Russen-Schieber trifft, der dann während des Dialoges nonchalant den Servierdeckel lüftet, unter dem dann Freundin, Partner oder Tochter des Protagonisten liegen. Mit ohne Kopf. Oder mit ohne Körper. Je nachdem, ob frei ab 18 oder 12.

Mein zweites Lieblingsklischee ist die unweigerlich danach kommende Autofahrt durch Berlin, wo der Protagonist der Story – natürlich im gepanzerten, Vindicator-bewaffneten Taxi – ganz nebenbei von irgendwelchem „Anarchisten-Abschaum“ (Zitat des Taxifahrers) mal eben mit Lenkraketen beballert oder von Graffitti übersääten Panzern von der Brücke gerammt wird.

Also den Graffitti übersäten Panzer gab’s. Der hat mir auf der Kreuzung Blumberger Damm/Alt Biesdorf die Vorfahrt genommen und meine Karre platt gewalzt!
Gabriel

Hey, Mann, ich hab doch GESAGT, dass es mir leid tut. Das Ding hab ich auf ner Kasernen-Auktion gekriegt – und Fahrschulen für Panzer gibt’s nunmal keine.
Panzerboy

Von deiner Entschuldigung kann ich mir nix kaufen. Aber Danke für Übersendung deines Profils.
Gabriel

WHAT? Oh, [zensiert], ich [zensiert] [zensiert].
Panzerboy

Das Gefährliche an diesen und anderen archetypischen Berlin-Bildern, die sich fast in jedem in Berlin spielenden Streifen finden lassen, ist nicht, dass es sie gibt, sondern dass sie dem Betrachter das Gefühl geben zu wissen, was in Berlin abgeht. Das führt im schlimmsten Fall zu solchen Schwachsinnsbeschreibungen wie im „Deutschland in den Schatten“, das vor einigen Jahren mal im Deutschen Schattenland zum Download lag.

In diesem Post möchte ich in unsortierter Reihenfolge die bekanntesten „Urban Myths“ über Berlin beleuchten und – sofern sich überhaupt ein Körnchen Wahrheit in ihnen befindet – dieses klarstellen. Wer noch umfassender über den Status Quo Vadis von Berlin erfahren will, dem sei der aktuelle Berlin Upload empfohlen. Mein Geseier hier ist quasi eine Ergänzung dazu.

Das Link zum aktuellen Upload ist immer noch broken!
Ghostsoap

Soll ich Dich HAUEN? Ich hab doch gesagt dass der Uploadserver down ist. Am 21. Oktober sollte aber alles wieder funzen. Notfalls spielen wir das File halt über den alten SPIELserver in Essen rein. Sofern Lofwyr langsam mal Dragon Age: Domination durchgezockt hat, heißt das.
Tolstoi

Wenn ein Uploadserver down ist, ist er dann ein Downloadserver?
Spatz

Wenn ein Spatz aus dem Board fliegt und keiner kriegt es mit, wird er dann vermisst?
Tolstoi

[ADMIN MESSAGE: TOLSTOI kicked SPATZ]

Schöner Menschenfressen in Berlin

Der wohl bekannteste „Fakt“ über das Leben in Berlin unter dem Status F ist, dass es in Berlin Restaurants gibt, in denen „legal“ Menschen und Metamenschen als Speise angeboten werden.

Gab es NICHT? *wunder*
GoogleEyes

NEIN!!
Der_Ewige_Student

Am Häufigsten genannt wird hier das Gore in der Schumannstraße, wo es – ich zitiere das DidS – „haarige Orknasen“ und „zarte Filetstücke weiblicher Lenden“ geben soll. Diese Legende fußt wie jede andere ähnlich gelagerte Legende auf der wunderschönen Theorie, dass nur das Bürgerliche Gesetzbuch und der starke Arm des Gesetzes den Menschen daran hindern, zum infernalisch lachenden Nachbarnschächter zu mutieren.

Eine hübsche Ansicht – und nützlich für die rechte Lobby – aber totaler Quatsch.

[VOLUMENÜBERSCHREITUNG. Die folgenden Kommentare wurden in den Thread „Linke Lügen über die rechte Szene“ verwandelt und ins Arachnet gestellt]

Es dauerte ziemlich genau 45 Minuten, nachdem das DidS-File ins Schattenland hochgeladen war, da wurde das Gore – das es tatsächlich gab – von aufgebrachten Leuten gestürmt, die durchaus etwas dagegen hatten, ein Kannibalen-Restaurant in ihrer Nachbarschaft, ihrem Kiez, Bezirk, ihrer Stadt oder auf ihrem Planeten zu haben. Wie sich herausstellte, war die Kannibalismus-Schiene des Gore nur ein „Marketing-Gag“, mit welchem der Inhaber versuchte, eine besonders zahlungskräftige Kundschaft anzulocken. Das fragliche Fleisch – das von den keineswegs überzeugten „Anfragern“ in einem Labor der FU überprüft wurde – war mit Soya durchmengstes Rindfleisch im besten und Rattenfleisch im schlimmsten Falle. Die fraglichen „Körperteile“ waren nur aus Soyamasse nachgeformte Attrappen (made by Cryolan).

[ADLINK UNTERDRÜCKT]

Verdammter Spam
Frogger

Kurz gesagt: Der Inhaber konnte die Sache klarstellen und wurde nicht gelyncht, seine Kunden waren über den „Betrug“ aber so vergrätzt, dass der Laden eine ganze Weile lang am Bankrott herumschabte, ehe eine DeMeKo-Filmproduktionsfirma den Ort als Drehort für Gruselbeiträge über die bösen Anarchisten entdeckte. Danach lief es eine Weile sehr gut – das Gore war auf dem besten Weg, eine gut laufende Touristenfalle mit Gruselfaktor zu werden, ähnlich wie das Schrapnell Mitte der Sechziger. Leider passte es einigen Leuten überhaupt nicht, dass das Gore im Wesentlichen das beste Werbemittel der Antianarchistischen Konzernpropaganda war und der Inhaber sich mit seiner Pseudekannibalismusmarketingnummer auch noch eine goldene Nase verdiente: Eines Morgens jedenfalls machte es „BUMM“ und das Gore war Geschichte. End of Story.

My Car is my Castle

Geht man nach den Informationen aus dem DidS, dann sind Berliner Autos bis an die Zähne bewaffnet und gepanzert, fahren in Schlangenlinien ohne Beachtung irgendwelcher erkennbarer Gepflogenheiten des Verkehrs mit 300 km/h durch die Gegend, dabei beständig beschossen von MGs und Raketenlafetten, die wohl jeder irgendwo zu Hause herumstehen hat (Verdammt! Wo hab ich sie nur hingetan?) um dann, wenn das Auto endlich zerbombt ist, umgehend bei der Niederlassung von EMC einen neuen “rasanten Kleinwagen“ zu erwerben.

[VOLUMENÜBERSCHREITUNG. Die folgenden Kommentare wurden in den Thread „Berliner können nicht Auto fahren“ verwandelt und ins Arachnet gestellt]

Leute, vergesst es! Im ersten Jahr nach Ausrufung des letzten Gesetzes fand in der Tat eine „natürliche Auslese“ statt, die aber weniger mit dem Wegfall der Verkehrsregeln als vielmehr mit massenweisem Autodiebstahl zu tun hatte. Bestimmte bessere Autotypen wurden bestimmt 4, 5, 6 mal gestohlen, ehe diese dann in der Tat bei einem Verkehrsunfall oder einem an einer Autobombe gescheiterten Diebstahlversuch ihr Leben aushauchten. Was in Berlin verblieb, waren durch die Bank solche Schrottkarren, die kein Autohehler auch nur mit dem Arsch angeguckt hätte. Und ein-zwei Luxusschlitten der „Herren der Straße“, bei denen jedem klar war, dass es das Todesurteil bedeuten würde, diese auch nur anzudellen.

Auf dieser Basis hätte durchaus dauerhaft ein geregelter Straßenverkehr stattfinden können (siehe „Schöner Menschenfressen“: Nur weil es keine Politessen mehr gibt, bedeutet das nicht, dass jeder fortan Kinder auf dem Zebrastreifen überfährt). Wenn nicht die Basis des Verkehrs, nämlich Treibstoffversorgung und Straßensanierung, zusammengebrochen wären.

[VOLUMENÜBERSCHREITUNG. Die folgenden Kommentare wurden in den Thread „Kennt eigentlich wer günstige Tankstellen im Osten?“ verwandelt und ins Schattenland gestellt]

[KOMMENTARE/ALL GEBLOCKT. Limitierter Kommentarmodus aktiviert]


Der ganze Text hier wird total vollgemüllt von Leuten, die wo sich gerne reden hören.
Zedd

Die wo?
Der_Ewige_Student

Ja, die wo! Slotte dir mal die neue Duden-Edition, da steht’s drin.
Zedd

Tatsache… Ich geh mich dann mal aufhängen.
Der_Ewige Student

Viel Spaß dabei
Zedd

Mach’s gut!
Lora

War fein mit dir!
Grutz

Vergiss nicht, deinen BuMoNa Piepser abzustellen!
Grummel

Wie ich weiter unten noch feststellen werde, klappte in Berlin unter dem Status F zuletzt die Nahversorgung ganz vernünftig – woran es immer haperte, war die Regelung stadtweiter oder bezirksweiter Angelegenheiten, und da gehörte die Straßensanierung eindeutig dazu. Selbst die Kiezkassen konnten zu keiner vernünftigen Lösung beitragen, da (a) die Finanziers der Straßenreparatur vor Ort gar nicht die primären Nutznießer der Reparatur wären (denn über die Straße fährt ja jeder), da (b) die Zahl der Autofahrer ohnehin in freiem Fall war und (c) da die Straßenbaufirmen aberwitzige Summen für die Arbeiten verlangten, befürchtend, in Berlin dauernd von Raketen beschossen zu werden.

Fassen wir zusammen: Um in Berlin Auto fahren zu können, muss man zum einen ein Auto haben, dass so erbärmlich ist, dass es nicht gestohlen, gekapert oder die Familie entführt wird, um die Herausgabe des Startcodes zu erpressen. Zweitens fallen andauernd Reparaturkosten an für Schäden an Achsen und Federung wegen dem beschissenen Zustand der Straßen. Drittens muss man für die wenigen Straßen, die gepflegt werden, Straßengebühren an die lokale Kiezkasse oder Gang entrichten. UND dann kostet der Treibstoff auch noch leicht das Zehnfache wie im Rest der ADL, da Versicherungen grundsätzlich kein Gewerbe im anarchistischen Berlin abdeckten und die Betreiber der (wenigen) Tankstellen ungeheure Zusatzaufwendungen für ihre Eigensicherung hatten. Und dann soll sich der Berliner Autofahrer auch noch regelmäßig EMC Neuwagen kaufen? Wohl kaum!

Er würde das tun, was er tatsächlich tat, nämlich seine Wege nach Möglichkeit verkürzen (sich. „einkiezen“) und diese verkürzten Wege zu Fuß, mit Taxi, Bus oder Bahn zurücklegen. Ganz so, wie es heute auch immer noch in den alternativen Bezirken Usus ist (und selbst der Konzernwesten legt die alten Gewohnheiten der F-Zeit nur langsam ab). Mehr dazu im Kapitel „Leben und Sterben in Berlin“.

Show and Tell

Zu meinen weiteren Lieblingslegenden zählen die angeblich unter großem Hallo der Menschenmenge stattfindenden öffentlichen Häutungen der Kreuzritter ebenso wie die lispelnden verpickelten Grünen Barden, über die das DidS sagt, es sei in Berlin ein ungeschriebenes Gesetz, dass eine Frau deren Werben nachzugeben habe. Ich weiß nicht, was der DidS-Autor da geslottet hat, ob das ein Horror-BTL war oder doch nur die Teleillustrierte seiner Ma, jedenfalls fällt dieses und vieles vieles mehr in die Kategorie „erst denken, dann glauben“.

Nehmen wir an, an deiner Straßenecke wird jemand gehäutet. Stellst du dich dann hin, kaufst dir eine Tüte gesalzene Orknasen aus dem Gore und applaudierst? Hey, selbst wenn du total abgestumpft sein solltest gegen das Leid anderer, sollte dir klar sein, dass du der Nächste sein könntest. Oder dein Sohn, deine Schwester, dein Pa oder dein Dackel. Das denken sich jetzt so hundert Leute, die da zusammen herumstehen und sechs Typen beim Häuten zusehen und die, da es keine Polizei gibt und keine Gesetze, die Waffenbesitz regeln, alle aus Selbstschutzgründen eine Waffe tragen. Was passiert? Genau das. Nur schneller. Und weil das die Typen mit rotem Kreuz auf dem Shirt wissen, dass das passieren würde (die sind nämlich auch nicht doof) machen sie auch derartigen Scheiß nicht. Oder zumindest nicht öffentlich.

Dito was die Barden angeht: Du bist eine Frau, ein verpickelter Typ lispelt dir die Ohren voll mit einem schief gesungenen Liebeslied und meint, es wäre ungeschriebenes Gesetz, dass du jetzt mit ihm schlafen musst. Machst du natürlich sofort. Nicht! Sondern? Genau! Und das war’s mit dessen Fortpflanzungsplänen. End of Bard’s Tale.

Das Unorganisierte Verbrechen

Das DidS-File behandelt das organisierte Verbrechen nur in Form einer Randnotiz, als stelle dieses keinen nennenswerten Faktor in Berlin dar. Das Gegenteil ist natürlich der Fall. Wenngleich in verwandelter Form.

Es stimmt zwar, dass verschiedene klassische Geschäftszweige des OV sich in Berlin unter dem Status F erledigt haben, weil entweder die Opfer zu bewaffnet waren, um sich weiter einfach so einschüchtern zu lassen, vor allem aber weil es plötzlich Unzählige neue Wettbewerber gab, welche die Marktpreise für Hehlerei, Schiebergeschäfte, Drogenhandel und Prostitution gehörig verdarben. Aber das OV wäre nicht, was es ist, wenn deren Köpfe nicht schnell neue Tätigkeitsfelder entwickelt hätten.

Ein Beispiel hierfür ist die Berliner Kiezleben, ein 2050 gegründeter Versicherungsverein der Jugoslawenmafia. Oder das Kaufhaus Schadow, welches der Russenmafia gehört und vor der „Befreiung“ des Bezirks durch Konzerntruppen Berlins größte Warenhausabteilung für vollautomatische Waffen beherbergte. Die organisierten Banden erkannten schnell, dass sie unter dem Status F letztlich das „legal“ und öffentlich betreiben könnten, was sie zuvor zwar bekannter Maßen, aber eben verborgen durchführten. Aus Schutzgelderpressung wurde Gebäudeversicherung – mit realer Sicherheitsleistung. Aus Waffenhehlerei wurde offener Ladenverkauf – mit dem „guten Namen“ der Verbrechensorganisation als „Qualitätsmarke“ für geprüfte Qualität, im Gegensatz zur No-Name-Hehlerware des anonymen Eckendealers.

Damit sind wir am Ende des ersten Überblicks. Ich könnte zwar noch beleuchten, warum es schon wirtschaftlich totaler Unfug ist, dass in Berlin Magier angestellt werden, um Müll zu beseitigen (die teuerste Müllabfuhr der Welt! Um verfickten SMOG zu verhindern!!! Von Autos, die keiner fährt??), aber ich vertraue darauf, dass diese kurze Erörterung den Blick des Lesers so weit geschärft hat, dass dieser zukünftig die Scheiße selber am Geruch erkennt, die ihm in Files, Artikeln oder Filmbeiträgen präsentiert wird.

Was mich ja immer stört bei dieser ganzen Anarchie-Geschichte ist diese unausgereifte „herrschaftslose“ Idee. Anarchie und Anarchismus sind, auch wenn die Tagesschau das anders auslegen mag, zwei sehr verschiedene paar Schuhe. Entweder haben (oder hatten) wir es hier mit einer organisierten Bewegung zu tun, die klare Vorstellungen von einer (neuen) freieren Gesellschaft hat, mit einem ansatzweise homogenen Modell von Ökonomie und Zusammenleben (Familie, Geschlecht, Status), das zudem eine nachvollziehbare Entscheidungsstruktur ihrer Mitglieder aufweist – geschichtliche Beispiele sind hier vor allem der spanische Anarchismus, die Machnowiki in der Ukraine, Kronstadt in der UdSSR oder auch die Pariser Kommunarden – oder wir hatten es bestenfalls mit Aufständen zu tun, in denen der staatliche Herrschaftsanspruch aufgrund der Kräfteverhältnisse zusammenbricht. Das hier anfallende Machtvakuum wird – zumeist völlig chaotisch – von lokalen Oligarchen oder Ochlokratien (Herrschaft des Mobs) ausgefüllt. Anarchistische Ideen treten allenfalls partiell auf und ohne in eine überlebensfähige Struktur eingebunden zu sein (ähnlich anderer Anarcho-Kommunen). Beim Status Ferlin schien es prinzipiell um Zweiteres zu gehen, allerdings weicht die Polemik dabei ständig ab. Wer kämpft denn da? Anarchisten oder schlichtweg Banden, die ihr Territorium verteidigen? Gab es überhauptein angestrebtes Ideal, das nicht erfüllt werden konnte/kann, oder geht es schlicht um „wer zuerst kommt mahlt zuerst“? Hier wird sich nicht selten widersprochen. Wenn ihr mich fragt, liebe Berliner Anarchos, dann müsst ihr diese Frage für die „Anarcho Zonen“ irgendwie beantworten. Zumal es wesentlich schwerer ist eine Region zu „befrieden“ wenn man nicht nur gegen Menschen, sondern auch gegen eine verankerte Idee antreten muss.
Achso

Fick dich du Arsch! Wir müssen gar nichts erklären.
Bomberman

Die grobe Antwort-Formel, die ich aus der Geschichte des Status F herauslese, lautet wie folgt: Die anarchische Bewegung war zunächst ein „spontanes Ereignis“, das durch das historische Zusammentreffen an sich völlig VERSCHIEDENER Gruppen/Strömungen/Ursachen entstand (hierunter vor allem zu nennen eine starke Deutschland-, Politik- und Konzernmüdigkeit, eine aktive linksintellektuelle Studentenbewegung, die Eurokriege, der Berliner Frühling, die Goblinisierung und die Nacht des Zorns, mehrere Abwanderungswellen „normaler“ Bürger westwärts Richtung Rhein-Ruhr… Die „Aufgabe“ der Stadt seitens der Politik war weniger ein Sieg einer anarchistischen Bewegung, als es der Zusammenbruch und das Versagen der Politik und der Verwaltung war. Es war also kein „echter Bürgerkrieg“, nur „bürgerkriegsähnliche Zustände“, denen die Politik zwischen Eurokrieg, Goblinisierung, Zerfall der BRD und Aufständen auch an anderen Stellen (z.B. Hamburg) schlicht nicht gewachsen war. Nach Aufgabe der Stadt entstand ein Machtvakuum, ohne dass es eine vereinigende Leitidee oder die „Vision“ eines Neuen gegeben hätte. Im Gegenteil gab es und gibt es eine starke NIHILISTISCHE Strömung, die im Erwachen der Sechsten Welt keinen NEUANFANG, sondern eine APOKALYPSE sah. Die Erklärung des „Status F“ durch einige studentische und politische Wirrköpfe wurde deswegen akzeptiert, weil niemand eine bessere Idee hatte und zu viele Gruppen (speziell auch metamenschliche) glaubten, den neuen gesetzlosen Status zu ihrem Vorteil nutzen zu können. Als absehbar wurde, dass dies nicht oder nur bedingt der Fall war, brach die Unterstützung für „das anarchistische Ideal“ (DAS ES NIE GAB IN BERLIN!) endgültig zusammen. Damit entstand eine neue „Berliner Frage“, nämlich die, wer denn bitte Berlin übernehmen und neu aufbauen soll? Die ADL-Regierung will (und kann) es nicht aufgrund der Finanzsituation, die Konzerne haben von einer Gesamtbeanspruchung Berlins ebenso unter Kosten-Nutzen-Aspekten nichts zu gewinnen und picken sich daher „die Rosinen aus dem Kuchen“. Was in Berlin aktuell anarchisch bleibt, ist in Wahrheit nicht anarchisch, sondern einfach nur Ghetto oder Kriegswüste: Die Gebiete, die keiner haben will, die Unsummen bräuchten, um sie wieder in Stand zu setzen, für die keiner zuständig sein will. In diesen sind zwar noch immer Intellektuelle und Utopisten aktiv und die Policlub-Szene blüht, aber eine vereinende Idee gibt es ebenso wenig, wie es sie JE gab. Für die Zukunft der anarchistischen Gebiete zeichnet sich ab, dass diese in Kieze zerfallen werden, zumeist oligarchisch regiert, immer aber in „Themen“/Lebensgruppen zergliedert (z.B. Ork-Kiez, Linkalternativer Öko-Kiez, Künstler-Kiez, Fascho-Kiez). Sämtliche Ordnung, Verwaltung und Lebensorganisation beginnt und endet auf der Kiezebene (wenn überhaupt). Über kurz oder lang werden meiner Ansicht nach externe Kräfte in den Zonen aktiv werden müssen, denn jene Gebiete sind perfekte Brutstätten/Zentren/Drogenlager/Terroristen-Ausbildungsstätten, und sobald Gewalt oder Verbrechen aus den Berliner Ghettos das näher rückende Leben in Normal-ADL-Deutschland erneut stören, MÜSSEN Konzerne und Politik das Übel „an der Wurzel“ endgültig auslöschen. Ob dies dann aber dazu führt, dass die Zonen kontrolliert werden, oder ob das einfach bedeutet, dass im gesetzlosen Raum der Zonen Bedrohungen der ADL-Sicherheit „radikal“ beseitigt werden, bleibt abzuwarten. Mir scheint jedenfalls, dass schon mit der Schaffung der Zonenpolizei 2056, die es ja wenn auch unter anderem Label nach wie vor gibt, der Grundstein dafür gelegt wurde, die Schwarzen Zonen stets soweit unter Kontrolle zu haben, um „Endlösungen“ mindestens auf unbestimmte Zeit hinausschieben und im Idealfall gänzlich vermeiden zu können.
The_Marxist