Blog | Cyberpunk vor 2025 (Rant)

Mittlerweile fand unsere erste halbspontane Cyberpunk 2025 Session statt. Zeit, wieder mal zurückzublicken auf das, was davor war.

Cyberpunk begleitet mich schon seit geraumer Zeit und war für mich eine echte Offenbarung, der seinerzeit von nichts so sehr gefrustet war wie von den gerade erschienenen Regeln über Magieadepten und was meine Shadowrun-Spieler mit ihnen anstellten.

Cyberpunk begann bei uns wie es sich gehört im Jahr 2020. Und der erste Charakter meiner Runde war Siroon „the Judge“ Wellington, ein Extrem-Solo gespielt von Wolfgang (Gruß an dieser Stelle – er ist heute Cop ;) ). Sehr bald stießen weitere Charaktere hinzu, darunter ein Cop von Olaf und der Solo Nameless von Jamal, mit dem ich heutzutage wieder Shadowrun zu zocken begonnen habe.

Gerade Nameless – ein dustertragender Overkill-Solo, wie er im Buche steht und wie Morgan Blackhand kein krasserer ist –
bildet über die Jahre und mehrere Wechsel in der Spielerbesetzung den Anker der Runde. Was für diese gar nicht so gut war, weil Nameless im Zuge der „Remember Me“ Abenteuer-Reihe einige äußerst üble Plots an sich kleben hatte, die auch die ganze Runde in „Mitleidenschaft“ zogen. Allen voran die von Eva gespielte Netrunnerin Blackbird und die von Corinna gespielte Cleo sowie HiStrung. Und auch den guten Tiger-Exotic von Flo wollen wir nicht vergessen.
Cyberpunk ist ein hartes Game. Und an Toten hat es nie gemangelt. So war ein Manko der Kampagne stets, dass neue Charaktere und zum Teil neue Spieler sich in Plotstränge reinwursteln mussten, die über Jahre gewachsen waren.

Eine gewisse Erholung war da dann der Ausbruch des Vierten Konzernkrieges, ab dem sich die Reste der Runde bei OTEC verdingten und einmal „ganz militärischen“, von tieferen Psycho-Plots befreiten Wegen nachgehen konnten. Bald darauf folgte das Mega-Abenteuer Land of the Free, in dem die Charaktere einen Klon von dessen Labor in New York quer durch die USA nach Night City bringen mussten. Ein episches Mega-Roadmovie-Abenteuer, das bestenfalls noch vom „Azsflug“ der Runde ins Death Valley Free Prison getoppt wurde.

Irgendwann geschah das, was vielen Runden geschieht: Die Luft war raus, die Plots hatten Dimensionen angenommen, die auch der SL (ich arme Wurst) nicht mehr überblicken konnte.

Das Spiel wurde nach 2026, dann 2030, dann 2032 vorangebracht und startete neu, mit Sues Ada, Christians Paladin bzw. Spot und Ascasos Maven und später K2. Ebenfalls mit an Bord: Evas Blackbird und Coris Cleo bzw. HiStrung.

Die Ereignisse ab jener Zeit sind recht gut dokumentiert und haben auf dieser Seite von Eva sogar ihr eigenes Zuhause und eine Art Online-Gedenkstein.

Auch die sich im Anschluss entwickelnde Cyb3rpunk Kampagne ist gut dokumentiert, direkt hier im Blog (siehe Projekt: Cyb3rpunk im Menü rechts).

It’s good to be back.  :)

Wie auf der Seite zu sehen ist, bewegten sich die Ereignisse seitdem sehr zügig auf den Steinbrockenkrieg und das „revampte“ Cyb3rpunk-Setting zu, das ihr hier nun vorfinden könnt.

Eine lange Story, die keineswegs zu Ende ist, sondern gerade erst wieder neu begonnen hat.

Cyb3rpunk | Downtown NC Blues 2035

„Ground Zero“ heißt das Bauloch, wo die Arasaka-Zwillingstürme von Night City einst standen. Nicht sehr kreativ, aber auch nicht unzutreffend. Die Bilder des Einsturzes waren sich mit Ausnahme von deren Ursache – 2001 waren es noch von islamistischen Terroristen gesteuerte Flugzeuge, heute haben wir uns zu einem (angeblich) in der Tiefgarage gezündeten Nuklear-Sprengsatz von Cyberterroristen weiterentwickelt – wirklich sehr ähnlich. Staubwolke. Geschrei. Tote. Medienrummel. Ein Millionen-Song. Merchandise. Drei erfolgreiche Movies. Oscarverleihung. TV-Dramen. Das ganze Programm.

Im Allgemeinen stehe ich dem Loch zwiespältig gegenüber. Heute schräg. Ich hocke in meinem Americar Scooter, blicke kurz ins rote Licht des silbernen, zylinderförmigen EBB Credscanners, bezahle per Retina meine Nachos und schicke den Straßenverkäufer seines Weges. Irgendwo hinter mir hupt es. Davon geht der Stau auch nicht schneller weg. Kostet den Hupenden aber 5 eb, wenn er es noch mal macht. Automatisch. Die Warnung dürfte ihm grade eingeblendet werden. Als Scrolltext unter dem TV-Fenster, das bei ihm – wie bei mir, wie bei allen, die kein Preboot-Car fahren – den größten Teil der Windschutzscheibe füllt. Während der Autopilot immer mal wieder schrittchenweise weiterfährt. Mein Scrollbalken warnt mich, dass Nachos nicht gut für mich sind. Aber da ich ja wenig Zeit habe, könne schon ein BioLife PowerBar™ mit Stoffwechselbooster helfen, überflüssige Pfunde erst gar nicht entstehen zu lassen. Eine Nachricht der Temple IG für BioTechnica. Macht das Leben lebenswert.

Ich lese die Werbung schon gar nicht mehr. Im ersten Jahr seit dem Reboot, dem großen Neustart der Wirtschaft und des Lebens nach der EMP Blockade der Orbitalen und dem Ende es Steinbrocken-Krieges, machte es mir noch ziemlich zu schaffen. All die personalisierte, direkt an mich gerichtete Werbung auf den Straßen von Downtown. All die Cams, Scanner und Sniffer, die man bisher nur aus den vornehmen CorpZones der Suburbs kannte. Und die jetzt, wo Night City Central selbst zur CorpZone geworden ist, auch mich erfassen, analysieren und den umliegenden Werbetafeln und Mobiles die für mich passende Botschaft zufiltern.

Ja, durch Downtown zu fahren hat sich definitiv geändert. Ich meine, hey, DT war nie ne schlechte Gegend, aber spätestens Nachts wurde nur zu offenbar, dass die Kontrolle durch die NCPD definitiv ihre Grenzen hatte. Jetzt schmeißt die CorpSec den Laden hier – eine zusammengelegte Truppe früher nach Firmen getrennter Konzernsicherheitskräfte, die häufiger gegeneinander als gegen Outsider und Punks kämpften. Well, nicht mehr. Die Quasi-Befriedung des Wettbewerbs untereinander hat auf Seiten der Corps ungeheure Manpower und Equipment freigestellt, das nun gepoolt und zum Schutz der Kon-Interessen eingesetzt werden kann. Pech, wenn man da den falschen Sponsor hat.

Mein Sponsor ist MallMart Platinum. Nichts Besonderes. Nichts, womit man in bevorzugte Corp Bereiche vorgelassen würde, gewiss nichts, was einem eine gute Stellung, die richtigen Freunde, die wichtigen Connections beschafft. Aber die Platinkarte dieses offenen, das heißt: für jeden gegen einfache Bezahlung zugänglichen Sponsors zeigt zumindest, dass ich regelmäßig mein Abo zahle und somit „geschäftswürdig“ bin. Und das ist das Zauberwort der Nach-2030er.
Surrend setzt sich mein Scooter in Bewegung, verlässt den Stau Richtung Windham Arkologie, beschleunigt auf sagenhafte 25 mph, um sich ebenso surrend in den nächsten Stau einzufädeln. Manche Dinge ändern sich im Center eben nie.
Die Straße, in der ich jetzt voran schleiche, sieht pfuschneu aus. Ist sie auch. In den letzten zwei Jahren wurde in Hochgeschwindigkeit das fortgesetzt, was MegaCon (eigentlich MCG, die Mega Construction Group) – der zentrale Baumulti der Megakons (man beachte das Wortspiel, ha, ha) – schon seit seiner Gründerzeit vorantrieb: Den Totalabriss des alten Night City und die Schaffung der revampten „Metropole der Zukunft“ – alles up to date.

Früher kannte ich hier mal ne nette, kleine Kneipe. Heute kenne ich hier gar nichts mehr, und wüsste auch nicht, was ich zwischen Modeboutiquen, MallMarts und antiseptisch designten Corporate Housing Blöcken zu suchen hätte. Scheiße, selbst die DataTerms kannst du vergessen. Früher, das weiß ich noch, bin ich und die Jungs alle paar Tage mal aus der Zone ins Center gefahren, weil hier die DataTerms funktionierten und diese mit ihrem offenen Netzzugang eine super Infoquelle waren (von der Möglichkeit, über das PrivateNote™ System versteckte Nachrichten an Kontaktpersonen zu hinterlassen, mal ganz zu schweigen).

Heute gehört DataTerm zum Multi Stations Network (msn), und das wiederum gehört zu 100% dem Gobal News Service GNS. Also gibt es nur noch GNS Ware. Auch wenn man es ihr nicht ansieht (und Menüs mit Auswahl von über 300 News- und Unterhaltungs-Channels alleine für Amerika geben einem verdammt noch mal nicht das Gefühl, dass man gerade mit massiver Corp-Gehirnwäsche zugeballert wird. Aber erzählt das mal den Fans von verdeckten pseudo-lieberalen Net54 (=GNS) Stationen wie Pyrate1, Smash!, L33t, FreeVoice oder RebelYell-66). PrivateNote™ gibt es weiterhin. Zur Freude der Schnüffler der Law Enforcement Division (LEDiv), der Domestic Security Agency (DSA) und dem weiterhin gerade im Knotenpunkt NC extrem einflussreichen Center for Disease Control (CDC). NetWatch is everywhere. Die Company scannt, filtert, vergleicht, erstellt NutzerTäterProfile (NTPs bzw. USPs (UserSuspectProfiles)) – und schiebt verdächtige Daten an den jeweiligen ISA-Client oder den interessierten Orbital weiter.

Eben passiere ich einen Truck des Bureau of Relocation (BuReLoc). Auf dem weißen Lack glänzt der Claim im Sonnenlicht: „Building a place for America’s Homeless”. Dass die meisten jener Obdachlosen es gar nicht wären, wenn sie nicht von MegaCon aus ihren nun abgerissenen Wohnungen geworfen worden wären, erwähnt der Claim natürlich nicht. Überhaupt ist das BuReLoc der magische Zauberstab der Ordnungskräfte: Ob es um reale, eingebildete oder offiziell gemeldete (= durch das CDC oder eine andere ISA-Behörde behauptete) Risikoherde der Carbonseuche geht, um Grundstücksspekulation, Urbane Erneuerung oder Abschiebung von Unerwünschten – immer steht das BuReLoc mit Truck (und Gewehr) bei Fuß, das Problem – oft unter Polizeischutz – zu lösen. Was dann mit den Obdachlosen, Illegalen Einwanderern, Unerwünschten, Ausgebrannten, Asozialen und angeblich Carbonkranken passiert? Das will keiner wissen. Ich auch nicht.

Ein Konzerncop blickt zu mir rüber. Ich grüße ihn. Nur keinen Stress in Central NC. Ich knabbere meine Nachos und flippe weiter durch die Kanäle. Checke ab und an die sich selbsttätig öffnenden und schließenden Pop-Ups neben dem TV Window, die mich auf für mich interessante Angebote und Infos der Gebäude, Shops und Malls hinweisen, an denen ich vorbei rolle. Ich entdecke einen Reisebag, der mir gefällt. Schiebe meine MallMart Platinum Karte in den Chipslot des Armaturenbretts, bezahle und geschlichene 15 Meter später legt ihn ein Shop Courier in meinen Kofferraum. Wieder Geld ausgegeben für was, das ich nicht wirklich brauche. Aber die Farbe passt (nicht zufällig) zu meinen neuen Boots, die ich mir vor drei Ecken hab reinreichen lassen.

Ich schalte um auf Handsteuerung. Das Lenkrad schnurrt mir entgegen und rastet mit sounddesigntem „Whump“ ein (eine kleine Melodie spielt dazu). Das TV-Window schließt sich, das letzte Pop-Up warnt mich, dass ab jetzt mein Versicherungsrating wechselt. Die gleiche Nachricht, rot umflammt, erhalte ich noch mal 200 m später, als ich durch den Checkpoint Richtung Outside fahre. Raus aus der Corpzone. „Keine Versicherung für Unfälle, Diebstahl und Beschädigung jenseits dieser Grenze“. Ich weiß.

Der Verkehr stirbt schlagartig. Ich gleite an Baustellen vorbei, dazwischen einzelne Wohnblocks, die in verschiedenen Stadien des Abbruchs sind. Zehn Blocks später bin ich raus aus dem Randbereich und im Outside Sektor, der ehemaligen Zone, an deren frühere Härte und Freiheit wenig erinnert außer den Schrottbergen des ganzen Elektro-Trashs, der durch den satellitengesteuerten EMP-Puls funktionslos wurde. Was ein Geschäft für die Elektroindustrie. Landesweite Verschrottung durchsengter Apparate, TV-Sets, Kühlschränke, Computer, Konsolen, Cyberware. Alles, was während der Blockade grade eingeschaltet war. Angeblich bekamen orbitalfreundliche Konzerne ein Pre-Warning.

Langsam füllen die Straßen hier draußen sich wieder. Nur die Autos sind andere. Alte Schrottmühlen im Nomaden-Stil, robust, unverwüstlich, die Art Karre, denen ein EMP nur die Batterie und ein paar Sicherungen und Servos zerschießen konnte – nichts, was ein Techie nicht wieder hinbekommen würde.

Die Straßen gehören noch immer den Gangs. Die aber backen kleine Brötchen, um nicht die Aufmerksamkeit der Cops – ja, des guten alten NCPD – auf sich zu ziehen. Von der CorpSec aus dem Zentrum vertrieben, haben die Cops ältere, zum Teil sogar aufgegebene Reviere übernommen. Ausgestattet mit Waffen, Fahrzeugen und Überwachungstechnik der vorigen Generation – dem abgelegten Kram der CorpSecs, sozusagen – sind die Cops heute trotzdem besser ausgestattet als je zuvor. Sehr im Gegensatz zu ihren Gegnern, die EMP, Outlawing von Cyber und Waffentech und Xtrem Harassing heutzutage kaum noch vercybert sind. Und deren Bewaffnung sich in Grenzen hält. Vor allem in der Öffentlichkeit.

Ein paar Hoodies stehen auf der Straße und machen vor meiner Karre dicht. Einer kommt an mein Fenster, der Kopf unter einer Kevlar-Kapuze, eine Sonnenbrille mit irgendwelchen Upgrades, Piercing an den Augenbrauen, stemmt die Hände in die Hüften, so dass sich seine Jacke teilt und ich die 9 mm in seinem Gürtel sehen kann. Bestimmt packen 1-2 seiner Jungs auch was Heftigeres. Egal. Ich will mich eh nicht zoffen. Stattdessen greife ich langsam in die Mittelkonsole, hole ein Bündel Scheine raus – Outside ist eh der einzige Ort, wo man Bargeld noch nimmt – ziehe nen Zwanni und geb ihn ihm. Er überlegt, ob er auf Stress machen und mehr fordern soll, checkt meine NeoJacks – Trodes, die ich mir nach dem ReBoot neu zulegen musste – und dazu mein zerfurchtes Gesicht und weiß, dass er es mit nem Old School Punk zu tun hat. „Bones“, Knochen, wie man die paar von uns nennt, die noch im Outside abhängen und trotzdem nicht verhungert aussehen. Er grinst, nimmt das Geld, klopft mit der flachen Hand aufs Dach, sprayt sein Tag auf meine Haube (es wird sich durch in ihm enthaltene Naniten binnen 10 Stunden wieder auflösen) und schiebt ab.

Mit dem Tag auf der Haube bin ich safe vor weiteren Straßenabzockern dieser Gang und theoretisch dessen Tribes. Hängt davon ab, ob das System des Geldtransfers im Tribe funzt oder nicht. Wenn es funzt, geben die Gangs mit viel „Kundschaft“, also die mit Turf nahe der Corpzones und mit Durchgangsstraßen einen Anteil ihrer Beute an alliierte Gangs in ärmeren Gegenden ab. Dafür unterstützen die Gangs im „Hinterland“ ihre Genossen an der Front mit Manpower und Hardware, wenn es einen Turfkrieg mit einem benachbarten Tribe gibt. Meist funzt die Mikroökonomie. Manchmal aber auch nicht. Hängt davon ab, wie alt der Tribe ist und wer ihn managed. Im Falle der East-23rds, die zum Spook Tribe gehören, ist es ein Fixer namens Goosebump, der als verlässlich gilt. Zumindest was die Kontrolle seiner Jungs angeht. Allemal 20 wert. Gut angelegtes Cash.

Tatsächlich durchquere ich drei weitere Hoods der Spooks, ohne angemacht zu werden. Ich parke vorm R/Evolution, nicke dem Gangsta an der Ecke zu, ein Halbasiate, vielleicht von Hawaii, mit Flash-Tattoos an den Armen, dazu sündteure schneeweiße Kitaro Scaves (der lateste Turnschuh-Trend), und ich trete durch die bewusst verschmierte Glastür ins Halbdunkel des in der Hood schwer angesagten Clubs.

Wände und Decke sind mit Trash gestaltet. Gothic meets Giger. Die Kundschaft: schwer LoTek. Keine offene Cyberware. Ist gut gegen die Paranoia. Cyberware bedeutet CorpWare seit dem ´Boot. Speziell was größere Implantate oder ´Borgs angeht.

Eine in die Fußmatte eingearbeitete Waage gibt grünes Licht. Mein Gewicht ist normal. Menschlich. Auf einer kleinen Tanzfläche zur rechten zappeln ein paar Hedz – Musikjunkies, die sich ihre Lieblingsmucke direkt in Gehörimplantat oder Hirn spielen lassen. Und deren Bewegungen demzufolge nichts mit dem sanft wummernden Urban Groove zu tun haben, den die anderen Chiller im Club hören.

Ich treffe Mike – eigentlich MyKey – an der Theke. Sein Kopf ist rasiert – ist grade wieder mal in – sein Kinnbart sauber auf 3 cm gestutzt, der restliche Bart in ein kompliziertes Tribal rasiert (vielleicht ist es auch ein Implantat, ich weiß es nicht und es ist mir auch Wurst, ich will Business machen, nicht ihn poppen). Keys Augen sind cybermäßig versilbert, aber das sind nur Haftschalen. Anti-Scans. Modell IDProtect, entwickelt eigentlich für Celebrities, die mal ungetraced shoppen gehen wollen. Die Augen lässt sich heute kaum noch einer rausnehmen. Ist auch irgendwie krank, wenn man so im Nachhinein drüber nachdenkt. Über einem Spandex-mäßig engen Top mit Cybercrime-Logo trägt er eine offene weiße Flakweste (Alessandro Danté, NY) mit Dutzenden aufgenähten Taschen, dazu schwarze Ra! Baggies mit rotem Hassflasher an der Seite und Nike™ Combat Sneaker mit düster violett leuchtender Sohle. Er hat nen Keé-Knopf seitlich an der Stirn, Kirushi, ein sleekes schwarz-verschromtes Teil mit hastig pulsierender LED, und am Arm trägt er das dazu gehörige Slaveband, ein Handy-Armbanduhr-Computer-Notepad-Multi-Dingsbums, ohne das kaum jemand rumläuft heutzutage.

Außer NeoLudditen und Technikskeptikern, natürlich.

Ich gehöre zu Zweiteren. Schon der Straßenname „Sklavenband“ macht mich misstrauisch. Dass die Dinger so billig sind, trägt nicht zu meiner Beruhigung bei. Wer weiß, welche Nanotech inoffiziell in so nem Ding steckt. Oder welche SpyWare Goodies sich irgendwann nach dem Kauf unfreiwillig aus den Tausenden nützlicher Must-Have Upgrade-Daten runterladen.

MyKey sieht mich und stöpselt sich aus. Schön, dass es Leute gibt, die einen kennen. Wortlos reiche ich ihm eine verbeulte mehrschichtige Metalldose, wortlos legt er Slaveband und Hirnpiece hinein. Man kann heute nicht vorsichtig genug sein. Jetzt können wir reden. Ich weiß, dass Mike mich für einen Spinner hält. Sein Vortrag darüber, dass irgendwelche Nanosender ja ebenso gut in meinen oder seinen Klamotten sein könnten, der Typ neben uns an der Theke ein Snoop sein oder ein Satellit mit Ultrascannern mich auf Schritt und Tritt tracen könnte haben mir ne Woche lang Paranoiaschübe und Alpträume eingebracht. Jetzt habe ich GoEasy™ Tranqpillen von Temple, ich ignoriere, dass er absolut Recht hat, ignoriere ebenfalls, dass ich mir gerade von nem Mega gefertigte, vermutlich süchtig machende Persönlichkeitsveränderer reingedübelt hab, und konzentriere meine Paranoia auf sein Slaveband. Das ist zwar weltfremd, aber so komm ich klar. Ich hab keine Lust zu cracken und irgendwann wild um mich zu ballern, weil ich befürchte mich bei nem Typen, der mich komisch ansieht, mit Hirn-Naniten anzustecken. Brauch ich nicht. ECHT nicht.

„Wie geht’s?“, fragt Mike. „Cryo“, sag ich und bestell mir erstmal nen Frozen Florida und nen Snippet, mein Start in den Abend. „Macht der Job?“ fragt Mike. Ich zucke die Schultern. Fühle mich noch immer schmutzig dabei, nen geregelten Paycheck zu haben, auch wenn’s von ner straßentauglichen Corp wie Stormcrows ist. Gut, dass es meinen Kollegen da ähnlich geht. Die Stormcrows waren noch bis ´33 ein Nomadenrudel. Keine Ahnung von welcher Nation. Die ´Mad Nations sind eh Geschichte. Dann haben sie nen großen Baujob an Land gezogen, die EBM Enklave in Pacifica. Dann wurde wegen irgend einem Scheiß nachverhandelt, Versicherungsänderungen beim Auftraggeber, blah blah, da mussten sie ne Firma werden oder hätten den Job an MegaCon verloren. Jetzt sind sie ne Corp, und MegaCon steht alle Nase lang auf der Matte mit Beteiligungs- und Übernahme-Angeboten. Nicht um Männer und Material geht es in Wahrheit, nur um den EBM Job. Inzwischen ist die Stimmung am Kippen. Zu viele Unfälle, zu viele Lieferschwierigkeiten, Verzögerungen im Bauplan, dementsprechende Verzugszahlungen an den Bauherren, steigende Verpflichtungen, plötzlich unkooperative Banken, das ganze Zermürbungsprogramm. Ich und ein paar andere Ex-Punks arbeiten in der Sicherheit der Stormcrow Inc. In der Abwehr von Sabotage, Anschlägen und Extraktionen. Ein Fulltime Job. Der selten ein Happy End hat.
Das Gute ist: Man hat die Cops auf seiner Seite. Oder ich hab zumindest EINEN Cop auf meiner Seite. Wir haben uns über meine diversen Besuche auf dem Revier kennen gelernt, bei denen ich Anzeige gegen unbekannt im Auftrag der Crows erstattete. Er kann mir nicht helfen, bis ich was Solides in der Hand habe – und selbst dann wird das Verfahren vermutlich eingestellt – aber er fühlt wenigstens mit. Hat früher im Center gearbeitet. Regt sich auf über die CorpSecs, das Zweiklassen-Recht der ISA, die Orbitals, überhaupt alles. Wenn er nicht ne Familie hätte, würde er Guerilla gehen. Sagt er. Glaubt er vielleicht sogar. Und wer weiß, möglicher Weise stimmt’s.

Ich puste den Nebel von meinem Florida und nehme einen tiefen Zug. Downe den Snippet, genieße das cryo-kalte Feuer und lasse nachfüllen. „Wie weit bist du mit der Okano-Sache?“ presse ich hervor, die Phantomhitze noch immer in der Kehle. Mike zuckt die Schultern: „So weit wie letztes Mal. Was erwartest du auch? Du willst nem schlafenden Tiger ins Arschloch gucken, ohne ihn zu wecken. Entweder ich gehe kleine Schritte und schleiche Kilometer weit um die Wahrheit herum – was bedeutet, ich scanne die Daten aus der Zeit, wo Okano bei Arasaka in Ungnade gefallen war, nach dem Klon-Desaster mit Norcross, als er am sprichwörtlichen Fensterplatz saß, oder ich gehe an die Quellen ran, die enger am Puls sind. Und da sind die Chancen gut, auf ne Mine zu latschen.“ Ich weiß, dass er Recht hat. Aber ich weigere mich einmal mehr, die Niederlage gegen „die da oben“ zu schlucken. Erst Recht deshalb nicht, weil Okano SO weit oben – Orbital-oben meine ich – gar nicht ist. Nur eben verdammt nah dran.

Scheiße, Arasaka sah schon mal am Ende aus. Saburo tot bei der Zerstörung der Zentrale, Kei und sein rebellischer Bruder, wie immer der nochmal hieß, tot beim Einsturz der Night City Türme, das Familienvermögen durch den sinnlosen Konzernkrieg gegen Militech irreparabel geschädigt, große Teile der Man- und Hardware vernichtet. Wenn die Arasaka Bank nicht wäre und das alte Netzwerk aus Kontakten in Fernost, wäre der Konzern beerdigt. So wie die von Militech, die jetzt unter dem Namen „American Militech“ alleine durch Waffenproduktionen für die IS Truppen weiterwurschteln. Arasakas Geschichte würde sich nur fortsetzen, wenn ein männlicher Arasaka-Erbe auftauchen würde. Und den hatten gleich eine ganze Reihe Haie wie Okano vor, der letzten Erbin Saburo Arasakas in den sehr realen Schoß zu legen. Der Vorsitz eines Seiji Okano als Chef von Arasaka wäre vorübergehend. Nur, bis der Sohn die Geschäfte übernehmen kann. Aber in 20 Jahren kann viel passieren. Speziell dann, wenn man sich Okanos Geschichte und dessen exzellente Kontakte zur Klonbranche ansieht.

Dass ich überhaupt auf Okano aufmerksam wurde, war eher Zufall. Sein Name war mir durch die Berichte – mehr den Straßentalk, als es so was noch gab – im Zuge des Klonskandals noch irgendwie bekannt. Auf ihn aufmerksam wurde ich jetzt aber durch meine Arbeit für die Stormcrows (ja, gut, die Stormcrw Corporation), zu der u.a. das Durchleuchten von MegaCon und deren Vernetzung mit der Stadtverwaltung, dem Konzernrat und dem kleinen, aber speziell nach dem Ende der Arasaka-Türme ungewöhnlich einflussreichen „Night Club“, korrekter: der Night City Business IG.

Dem „Club“ nämlich gehört neben Kurosawa Kenzo, dem MegaCon Vorsitzenden, auch Okano an. Gelistet zunächst für DMS, dann – überraschend und sans commentaire – wieder für Arasaka, der Firma, die er noch unter Saburo feindlich zu übernehmen versuchte und die ihn – schon damals seltsamer Weise – nicht umbrachte, sondern zu DMS „transferierte“.

Natürlich ist mir klar, dass ich gegen Okano und sein Netzwerk nichts tun kann. Die Zeiten, wo ein Punk mit den richtigen Connections in der Szene und den Medien einen Großindustriellen ins Wanken bringen konnte, sind passé. Meine Contacts in der Medienszene machen News nach Vorgabe oder sind im Ruhestand. Meine Solo-Kumpels wurden rekrutiert, gedanced und reprogrammiert oder sind abgetaucht. Und was die Netrunner angeht: seit die Megas ihre sensiblen Daten vom Netz genommen und in Datentresore versenkt haben, ist Hacking nur noch ein trauriger Schatten einstiger Glorie.

Trotzdem. Irgendwo in mir rührt sich noch ein Rest von Punk. Vielleicht ist es der sentimentale Impuls von jemandem, der auf seine MIdlife Crisis zustolpert. Vielleicht ist es nur etwas, was mein Hirn wach und in Gang hält. Oder mich von der Vielzahl meiner undiagnostizierten Psychosen ablenkt. Aber ich habe wieder begonnen, Fragen zu stellen. Und auch, wenn niemand je die Wahrheit erfahren wird, die ich vielleicht finde, auch, wenn es dafür ken Cred gibt, keine Rep, nur einen Stun-Shock und ein weißer Van, der mich abholt und in eine Hirnfarm schafft:

Ich will das Licht der Wahrheit noch einmal sehen.

Blog | Cyberpunk NOW

Remember the days when you gazed at Morgan Blackhand’s Street Weapons Guide (or basically any other SF or Cyberpunk future weapon guide) and saw guns which use electromagnetic fields to bring projectiles to – so far – unheard-of speeds?

Remember the discussions with wiseguys and players (or a combination thereof) if the damage listed is „overpowered“ and „exaggerated“? Remember how these same player’s characters were trying to develop their own railgun versions in bullpop design so they could hide them in a longcoat or duffle bag? ;)

Now, there is no more need to remember the bad old days when the future was just a thing to come. Future’s here now, kiddo, and it brings us the railgun, too (among other things, if you would take out your iPod earplugs and listen for a sec):

I got this video from the highly interesting Popsci website via a thread on the (likewise highly interesting) Battlelords of the Twenty-Third Century forum (always the place to go to stay up to date with current weapon tech *ggg*).

According to Popsci, the video comes from a test firing of the Navy’s Elecromagnetic Railgun (EMRG), which was carried out at the Naval Surface Warfare Center in Dahlgren, Virginia. To quote:

„The gun—which generates a powerful electromagnetic field to hurl projectiles at extremely high speeds—is rated at 32 megajoules (…)“

The flames you see in the video are not from any kind of explosive (there is none – just electromagnetic currents) but from „pieces of the projectile disintegrating; the 7-pound slug is jammed so firmly between the rails that when it’s fired, pieces shear off and ignite in the air. There’s been some speculation online that the flames come from some sort of gas that’s been used to increase conductivity. Wrong: The EMRG uses no secondary propellant — just electricity. As a result, the breech can remain open during firing and the gun produces no blowback whatsoever.“

„The Navy’s eventual goal is a ship-mounted railgun that can fire a projectile more than 200 miles at speeds of more than 8,000 feet per second. Context: The Navy’s current MK 45 five-inch gun has a range of just 20 miles. The Navy hopes to have a prototype ready sometime between 2016 and 2018.“

Hello, 2020, here we come!