Traveller | Deutscher Spielleiterschirm

Wie eigentlich zu jedem Rollenspiel, so habe ich mir auch für TRAVELLER von 13Mann einen eigenen SL-Schirm gebastelt. Anders als andere meiner Schirme aber ist dieser im Querformat. Die Grundidee hierfür kommt einerseits vom offiziellen D&D 4E Schirm: Auch dieser besteht aus 3 (oder waren es 4?) querformatigen Seiten, die ganz regulär zum Schirm aufgestellt werden. Der Vorteil: Bei voller Wahrung des Sichtschutzes sehe ich umgekehrt von den Spielern und ihren Würfen wesentlich mehr :)

Hier bietet TRAVELLER ja eh den Vorteil, dass nur mit W6 gewürfelt wird, der sich auch auf Entfernung sehr gut ablesen lässt (speziell dann, wenn man Klarsichtwürfel am Spieltisch verbietet). In meiner Runde konnte ich die Spielübersicht (und meine Bequemlichkeit) dadurch steigern, dass ich zum Leiten ein um 90° gedrehtes, stabiles Notizheft verwende:

So eins.

Den SL Schirm unten habe ich mir in den vorderen Heftdeckel eingeklebt. Somit kann ich das Heft „wie einen Laptop“ auf dem Schoß behalten, habe das Abenteuer stets im Blick und kann im Bedarfsfall mit einem Griff zum Schirm umblättern, um etwas nachzuprüfen.

Besonders nützlich und gewiss auf keinem offiziellen Schirm enthalten ist die Übersetzungsliste für Handelscodes unten rechts: Egal, ob wir das leider fehlerhafte deutsche Spinwärtsmarken-Buch verwenden (in den Tabellen sind statt der deutschen die englischen Handelskürzel gelistet) oder etwas im Internet nachschlagen, z.B. im riesigen englischen Traveller Wiki oder auch der interaktiven Traveller Map: Immer hab ich sofort im Blick, was die Codes aussagen.

Zugegeben: Der Schirm ist nunmal für MICH gemacht. Und einige Kurznotationen erschließen sich nicht unbedingt sofort. Kurzer Abgleich mit dem Regelwerk – oder eine Frage in den Kommentaren hier – schaffen aber schnelle Abhilfe. Enjoy!

>>> DEUTSCHER TRAVELLER SL-SCHIRM <<<

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Blog | Kein deutsches D&D mehr

Die deutsche Rollenspielszene verweigert den Konsum und wird mit Einstellung von Übersetzungen belohnt. Und bejubelt das auch noch in Blogs und Foren. Es gibt unzweifelhaft Zeiten, an denen es mich freut, Deutscher zu sein. Leider habe ich vergessen, wann diese zuletzt waren. Es war mit Sicherheit nicht der Zeitpunkt, als Feder und Schwert ankündigte Requiem einzustellen, und der jetzt eingetretene Zeitpunkt der Einstellung des deutschen D&D 4E ist es gewiss ebenso wenig.

Aber vielleicht mal erstmal die Facts, wenn diese auch ein paar Tage alt sind. Es beginnt am 27. November mit der Verlautbarung von Feder und Schwert auf deren Website folgenden Inhaltes:

skel1Keine D&D-Rollenspielprodukte mehr bei Feder&Schwert

Wir möchten Sie darüber in Kenntnis setzen, daß ab dem 1. Januar 2009 in unserem Hause keine weiteren D&D-Rollenspielprodukte mehr erscheinen werden. Das Spielleiterhandbuch 4E ist damit der letzte D&D-Rollenspieltitel aus dem Hause Feder&Schwert, womit die Trilogie der neuen Grundregelwerke abgeschlossen ist.

Dieser Schritt gibt uns die Freiheit, uns ganz auf unsere Romanreihen, unsere Produkte aus dem Warhammer-Universum (Warhammer Fantasy-Rollenspiel und Warhammer 40.000) und neue Projekte, über die wir Sie bald in Kenntnis setzen werden, zu konzentrieren.skel1

Wer die deutsche „Wir hassen alles was neu oder anders ist“ Rollenspielszene kennt, der denkt sich bereits, dass diese Ankündigung im besten Fall mit Indifferenz und mühsam zurückgehaltener Häme, im Normalfall aber mit Jubel aufgenommen wurde (HIER, HIER und HIER als Beispiele). In Nebenabsätzen wird dabei der Hoffnung Ausdruck verliehen, die Leute würden jetzt wieder mehr D&D 3.5 spielen oder das allerorten wie Sauerbier angepriesen Pathfinder kaufen. Ähnlich klang es seinerzeit bei der Einstellung von Requiem, wo Maskerade-Fanboys jubelten jetzt würden wohl wieder alle Maskerade spielen – was nicht nur vom Gedanken her absoluter Stuss war, sondern sich auch nicht bewahrheitete.

Wie man es schaffen kann, das größte (ich sage nicht: großartigste) Rollenspielsystem der Welt so in die Verlustzone zu fahren, dass man die Übersetzung einstellen muss, entzieht sich meinem Verständnis. Allerdings kenne ich die Lizenzbedingungen und -kosten nicht und weiß, dass der deutsche Markt winzig ist, sich schwere Regelkladden im Hardcover also nur in hoher verkaufter Auflage rechnen und D&D 4E Interessierte – o fatale Wiederholung des Requiem-Falls – lieber direkt beim 4E Start zur englischen Version griffen, unterdessen bis zum deutschen 4E Start diese Edition schon vorab derart in Foren verrissen wurde (üblicher Weise von Leuten die sie nie gespielt haben) dass deutsche Käufer in der Tat schwer zu finden gewesen sein dürften.

Andererseits spricht einiges dafür, dass es überhaupt nicht primär wirtschaftliche, sondern vor allem lizenzrechtliche Probleme waren, die F&S zu dieser bitteren Entscheidung genötigt hat. Hier ein Interview mit Oliver Hoffmann auf der SPIEL in Essen, noch in diesem Oktober:

(Wenn das Video nicht spielt, HIER klicken)

Das klingt nun gar nicht nach einer bevorstehenden Einstellung. Im Gegenteil sagt Oliver ja, dass -a- die Lizenz Ende 2008 ausläuft und F&S erstmal klären musste wie es danach weitergeht, weil es keinen Sinn macht D&D überhaupt zu übersetzen, wenn die Lizenz nur ein paar Monate gilt, und dass -b- es darob eigentlich eine Einigung gegeben hat. Plus er sagt, dass die 4E insgesamt gut anläuft – und egal ob das Verlagspropaganda ist oder nnicht, fest steht doch dass sich D&D in 2009 erstmalig hätte gut verkaufen können, also warum zum Start des Jahres die Lizenz abgeben?

Wahrscheinlich scheint also, dass die Aufkündigung der Lizenz nicht von F&S ausging, sondern von Wizards of the Coast. Vielleicht wurde auf die Lizenzkosten tüchtig draufaddiert. Vielleicht gibt es einen neuen Innteressenten, der F&S überboten hat. Vielleicht gab es Publikationsanforderungen an F&S, die dieser kleine Verlag nicht stemmen konnte.

Wie dem auch sei: Fans der früheren Edition freuen sich über das einstweilige „Scheitern“ der neuen. Nun gut. Macht bei D&D immerhin marginal mehr Sinn als bei Maskerade-Requiem, denn es gibt ja immerhin 3.5 Neuprodukte, die vom „Fehlen“ von deutscher 4E Konkurrenz profitieren könnten.

Dennoch ist der Fall ein Schlag gegen die deutschen Rollenspielverlage, egal wie man zum konkreten Fall steht. Denn einmal mehr dürfen sich genau diejenigen Spieler, von denen deutsche Verlage leben – nämlich: die extra bis zum späteren Start einer deutschen Übersetzung geduldig warten – verarscht vorkommen. Und zu Recht dazu tendieren, beim nächsten Mal von Beginn an englische Produkte zu kaufen, und die deutschen Produkte samt ihrer Verlage und aller Lizenzschiebereien einfach zu vergessen.

Speziell für Feder und Schwert dürfte die Entscheidung fatal sein: Denn nach zwei kurzfristigen Einstellungen großer Spiellinien hintereinander gibt es kaum Grund anzunehmen, dass es mit einer beliebigen anderen Linie nicht genauso passieren könnte. Also warum erst anfangen mit dem Kauf?

Ob die deutsche D&D 4E Lizenz lange ohne Besitzer bleiben wird, bleibt abzuwarten – vielleicht ist sie sogar schon neu verkauft. D&D ist ein attraktives Produkt und eine attraktive Lizenz (die im Verhältnis zu ihren Kosten stehen muss, klar). Das System D&D 4E hat zwar seine lautstark polternden Kritiker, aber auch die werden irgendwann ja ein neues Meckerobjekt finden oder vom Zementmischer überfahren werden (sorry).

Und das 4E System ist gut. Und verdient, gespielt zu werden. Vor allem: Es ist nicht nur irgendwie gut, sondern anders als die Unzahl von D&D Klonen, die im Laufe der Jahre herangewachsen sind (inklusive der 3.5 Eigenklone von (A)D&D).

D&D entwickelt sich mit 4E weiter, statt ewig nur Onanie zu betreiben und die vierzehnten, noch detaillierteren Detailregeln zu sich selbst zu erfinden. Es bewegt sich hin zu Vereinfachung und aktiver Hilfe für den SL, statt nur Bücher rauszuschleudern, die sich Leute ins Regal stellen, ohne das Spiel überhaupt zu spielen. Es hat eine Charaktererschaffung, die schneller geht und einfacher ist als der Lohnsteuerjahresausgleich (was selbstverständlich sein sollte, es aber spätestens seit DSA 4 nicht mehr ist). Und es bietet die Chance, neue Spieler in seinen Bann zu ziehen.

All das sagt nicht, dass andere Systeme dies nicht auch könnten. Oder besser sind. Und von mir aus kann Pathfinder zum größten Ding seit geschnitten Brot werden. Mir entzieht sich nur das Verständnis dafür, wie man ernsthaft FEIERN kann, wenn ein Produkt in Deutschland vom Markt verschwindet. Oder ein Verlag gezwungen ist, einen solchen Schritt zu tun. Echt.

Blog | Shadowrun Interview auf der SPIEL

DORP-TV hat auf der just vergangenen SPIEL in Essen Tobias „Tigger“ Hamelmann, Chef der deutschen Shadowrun-Redaktion, vor Flinte bzw. Mikro und Linse bekommen. Und der plaudert fast 10 Minuten über den Stand der Dinge und vor allem die Neuigkeiten bei Shadowrun, begonnen bei Arsenal und Bodytech über Vernetzt (Unwired) und Emergenz (Emergence) bis hin zu einem neuen Inplay-PDF-Tool (Novapuls) und einer neuen Inplay-Shadowrun Website:

Sollte das Video nicht spielen, einfach [hier] klicken.

D&D 4E Charakterbogen deutsch

Nachdem ich bereits früher hier einen deutschen D&D 4E Charakterbogen hochlud und von einem Besucher des Blogs darauf hingewiesen wurde, dass jener sich auch auf der Feder & Schwert Seite befindet – woraufhin ich ein Link zu diesem setzte und „meinen“ wieder löschte – hat man mich nun darauf aufmerksam gemacht dass es den Bogen auf der Feder & Schwert Seite nicht mehr gibt (was logisch ist, das F&S D&D nicht mehr verlegt).

Ergo: HIER IST ER WIEDER, der deutsche Charakterbogen für die 4. Edition von DUNGEONS & DRAGONS

4E_Charakterbogen

Ich werde bei Gelegenheit versuchen, einen verbesserten Bogen als den Originalbogen zu entwickeln. Das geht nämlich durchaus, wie Shado’s englischer D&D 4E Bogen zeigt (selber suchen hilft).


News | Shadowrun bei Pegasus!

Ein Riesensorry an die Leser von rsp-blogs.de, die gerade geswarmed werden mit identischen Meldungen zur deutschen Lizenz von SHADOWRUN – aber ja, auch ich „muss“ diese Meldung bringen.

Was lange schon geunkt wurde, aber nicht offiziell bekannt gegeben werden konnte, hat Pegasus nun endlich offiziell gemacht:

Es geht nach über einem Jahr Pause weiter mit Shadowrun auf deutsch!

Die Pause war entstanden, nachdem der frühere deutsche Shadowrun-Lizenznehmer Fanpro sich aus dem Bereich Rollenspiel-Produkte zurückzog. Da Shadowrun ein in Deutschland sehr populäres Spiel ist – und das aus gutem Grund – bestand natürlich auch vom Start weg große Nachfrage nach der Lizenz. Hieß es zunächst, das der Verlag Ulisses neben Fanpros DSA-Lizenz auch SHADOWRUN übernehmen würde oder die Lizenz an den D&D-Lizenznehmer Feder & Schwert gehen würde, scheiterten die betreffenden Verhandlungen jedoch. Bald darauf hieß es, Pegasus sei der Wunschkandidat – aufgrund von kleineren oder größeren „Glitches“ bei der Lizenzübergabe von Fantasy Productions and Catalyst bzw. Änderungen in den Eigentumsverhältnissen der involvierten US-Verlage verzögerte sich die Vergabe der deutschen Lizenz eine ganze Weile.

Mittlerweile haut die amerikanische Redaktion von SHADOWRUN dermaßen schnell neue Bücher raus, dass der deutsche Lizenznehmer seine liebe Not damit haben wird, Schritt zu halten. Dahingehend aber hat Pegasus sich ehrgeizige Ziele gesetzt:

Schon ist die offizielle neue deutsche SHADOWRUN-Website gestartet, auf der sich auch Spielhilfen wie Charakterbögen, Karten der ADL und Logos von Konzernen und Ländern befinden, und auch ein offizielles SHADOWRUN-Forum gibt es bereits. Bereits zur anstehenden Spielemesse soll das deutsche Arsenal 2070 erscheinen – mit einem geheimnisvollen Bonusfeature, über das offiziell noch Stillschweigen herrscht – und direkt danach ein weiterer Teil des SR-Supports Online gehen. Danach folgen das deutsche Augmentation und Emergenz, und auch Unwired steht schon auf dem Plan.

Insgesamt hat Pegasus nicht nur vor, den Abstand zu den englischen Releases nicht noch größer werden zu lassen, sondern im Gegenteil den Zeitabstand schrittweise immer mehr zu verringern, um größtmögliche Aktualität und Attraktivität zu erreichen. Wow!

Natürlich wird es auch eine Neuauflage des Grundregelwerks geben, und auch das Erscheinen neuer, rein deutscher Quellenbücher wurde im offiziellen SR-Forum bereits von der deutschen Redaktion bestätigt. Wer dabei gleich erschrocken einatmet, darf ausatmen: Die ADL wird dabei ein gutes Stück weit „entkrasst“ werden – und das im engen Dialog mit den SR-Fans, den man schon im neuen SR-Forum deutlich verfolgen kann.

Die volle Pressemeldung von Pegasus findest du [HIER]

Blog | Nachtwanderung

Das war eine interessante Nacht gestern. Und natürlich lief sie ganz anders als geplant. Wie das so ist, wenn man was plant. Weswegen es ohnehin nicht übermäßig sinnvoll ist, zu planen. Wie ich eigentlich schon seit meinem „ersten Mal“ hätte wissen müssen, das auch ganz anders ablief als geplant. Aber das würde jetzt zu weit führen.

Normalerweise tipper ich hier über mein Hobby, das meine Familie übrigens fachkenntnisreich gerne als „Rollenspielscheiß“ oder gleich als „Fratzen“ bezeichnet (Letzteres ein Catch-all-Begriff meiner Mutter für so ziemlich alles im TV und Kino, wofür sich ein Schauspieler schminken muss, also Fantasy, Horror und SF). Heute mal ganz aus der Reihe eine Scheibe meines Lebens (Slice of Life, wie die Werber sagen).

Die unverhoffte und ungeplante Nachtwanderung beginnt im (1) Le Piaf, einem wirklich hervorragenden französischen Restaurant/Bistro mit kleinem Sommergarten unweit des Charlottenburger Schlosses. „Nur mal eben noch die Beine vertreten“ war die Idee, und: „Mal sehen ob der Schlossgarten noch offen ist“. Fatale letzte Worte.

Der Schlossgarten war zwar noch offen, als Schließzeit prangte allerdings ein „22:00 Uhr“ am Tor – und da es 22:07 Uhr war und wir keinerlei Interesse verspürten, alleine durch die Finsternis zu irren und keinen Weg zurück mehr zu finden, entschlossen wir (das sind übrigens meine Zujenemzeitpunkt“nur“freundin und ich) uns dazu, halt „einfach um den Park herum zu spazieren“. Der sei zwar groß, aber SO groß nun auch wieder nicht. Ahem.

Auf Höhe der Brücke neben dem Park (2) sahen wir in selbigem noch einige Leute herumspazieren. Hier wäre ein vortrefflicher Punkt gewesen, umzukehren, zudem wir gerade an einem kleinen Tor vorbeigekommen waren, das man notfalls auch überhopsen hätte können. Sie schlug es vor, ich schlug es aus, und fragt mich bitte nicht, warum.

Eingebogen in die Straße auf der anderen Kanalseite (3) genossen wir eine schöne Aussicht auf den Park von Schloss Charlottenburg (nebst Joggern und Radfahrern, die sich in ihm tummelten), um wenig später das (4) Piratenrestaurant (auch sowas gibt es) nebst wunderschön angelegtem Kinderspielplatz zu entdecken. Das Piratenrestaurant hatte ich sogar schonmal auf dem Radar als Vampire LARP Location – es gibt ein Sargzimmer dort, in dem Särge als Tische dienen – aber irgendwie ergab es sich nie, die Location mal auszuprobieren. Der Spielplatz war eigentlich ein hübscher, stiller Ort, romantisch geradezu, aber irgendwie folgten wir immer noch der Vorstellung, via eine Brücke den Park von hinten betreten und in diesem noch Arm in Arm flanieren zu können. Man hatte ja Pläne, gell?

Der Weg zur Brücke, von der ich immer weniger fest wusste, dass es sie gibt, zog sich in die Länge. Immerhin aber wartete die Umgebung mit einem wunderschönen historischen Bau auf, der sich als Gebäude des Landgerichts Berlin im Tegeler Weg (5) entpuppte.

Endlich kamen wir zu einer Brücke, die eine ganze Weile nach einer reinen Bahnbrücke aussah, bis wir einen schmalen angrenzenden Fußgänger- und Radweg ausmachen konnten (6). Auf der anderen Seite fanden wir prompt den erhofften Eingang zum Park, dieser aber war nun wirklich abgeschlossen, so dass wir uns kühner Weise dazu entschlossen einem ominösen Hinweisschild unter der Brücke hindurch Richtung „Tunneleck“ zu bewegen.

Wohlgemerkt: Wir dachten, da käme in ein paar hundert Metern eine kleine Kneipe oder so, von wo aus es sofort zur Straße ging. Weit gefehlt. Wir folgten einem gänzlich verlassenen schmalen Weg durch eine Kleingartenkolonie (7), vorbei an einer Schleuse, mit Blick auf Gebäude von Siemens am anderen Ufer, was uns erstmals auf den Gedanken brachte dass wir doch schon ziemlich weit ab vom Schuss sein könnten.

Aber zurück gehen? Wir? Niemals!

„Immer voran“ folgten wir dem Weg, auch als er die Kolonie verließ und sich der Spree entlang zog. Und zog. Und ZOG!

Nach gefühlten Ewigkeiten (habe ich erwähnt dass wir in Abendgarderobe waren und meine Freundin definitiv KEINE Laufschuhe trug?) erreichten wir ein Hinweisschild Richtung Tunneleck (8). Nun muss man wissen, dass es da schon schwer auf 23:00 Uhr zuging, wir himmelweit von jedem Anzeichen von Zivilisation waren und über uns die Autobahn dahindonnerte. Wir standen zwischen Gewässer (Spree) mit Ausblick auf Industrieanlagen, Unkraut, verlassen wirkenden Hütten und Gestrüpp – genau die Sorte Ort also, wo die Polizei sonst ausgeweidete Leichen findet.

Hinter einem dunkle Schatten werfenden Schuppen vorbei und durch Urinwolken hindurch erreichten wir einen kleinen, engen, stockfinsteren Tunnel, der mehr wie ein Abwasser-Rohr wirkte. ABER in den das Hinweisschild „Tunneleck“ zeigte. Ich weiß noch, wie ich sagte, dass das die wohl dümmste Futterfalle von Vampiren sein muss die ich je gesehen habe – aber da ich wusste, dass der Weg am Tunnel vorbei definitiv NICHT in die Richtung führte, die wir wollten, und ich – zugegeben – nun ECHT neugierig war, klappte ich das Handy auf, um so wenigstens ETWAS Licht zu haben, und führte meine mir offenbar blind vertrauende Begleitung in die Finsternis dessen, was in der Tat einmal ein Kanal war (wie ich inzwischen recherchierte).

Am Ende des Tunnels erwartete uns das versprochene Tunneleck – eine Art Erlebnisgastronomie/Laubenpieperkneipe, die leider geschlossen war, aber sehr urig und gemütlich aussah. Leider sah die Gegend aber noch immer reichlich verlassen aus, so dass wir durch die Reihen der Bänke und Barhocker und Tresen gingen – einfach weiter, nun erst recht nicht mehr an den erschreckend weiten Rückweg denkend.

Wir passierten einige Autos, und meine Begleitung machte einige Kommentare über die Autowracks vor dem „Titty Twister“ im Film „From Dusk Till Dawn“. Und in der Tat wunderten wir uns SEHR, was die ganzen hier abgeparkten Autos wohl sollten, denn wir sahen sonst wirklich nur Gestrüpp und kein einziges Haus.

Etwa auf Höhe von (9) begegneten wir unserem ersten menschlichen Wesen, waren aber ganz froh, dass es nur mit funzelig flackernden Autolichtern an uns vorbeirollte, ohne auszusteigen und uns mit einer schartigern Axt zu erschlagen oder so (falls Sie das lesen: Danke schön!). Überflüssig zu sagen, dass wir beide längst jede Orientierung verloren hatten (Ich wähnte uns irgendwo mehr in Richtung (12) zu jenem Zeitpunkt, mir war nur unklar, wo die ganzen Straßen hin waren und in welcher Zwischenelt von Bahndamm, Kanal und Autobahn wir wohl herumirrren mochten).

Ein paar Mal donnerte wenige Meter neben uns ein Zug vorbei, ansonsten war das defekt klingende Surren eines Werbeplakates irgendwo oberhalb von uns das einzige Geräusch. ENDLICH bei (10) führte die schmale Straße, die unser Trampelpfad inzwischen geworden war, aufwärts, und wir erreichten eine (vollends leere) Straße. Ich erinnerte mich daran, dass wir Männer angeblich Eisenpartikel in der Nase haben, woran wir die Himmelsrichtung erkennen können, und bestimmte, dass wir nach links müssten, was sich am Ende sogar als richtig erweisen sollte.

Etwa auf Höhe von (11) erkannte ich die Straße von ein-zwei Versuchen vor einiger Zeit, einen Autobahnstau zu umfahren – was mich einerseits freute, andererseits mir aber auch klar machte, WIE WEIT es noch zurück zum Schloss sein würde. Natürlich wurde jedes der spärlich vorbeitröpfelnden Autos beäugt, ob es ein Taxi wäre, und ebenso natürlich war keines dabei – außer ein Besetztes. Eine Bushaltestelle bestätigte uns, dass diese Gegend so verlassen ist, dass die BVG sie nur bis 21:00 Uhr befährt. Obwohl ich mir nicht so ganz sicher bin, was jemand ÜBERHAUPT hier will, egal zu welcher Uhrzeit.

Die Situation wurde dadurch nicht unwesentlich bizarrer, dass die Zahl der am Straßenrand liegenden Geschäfte immer öfter mit Tod und Bestattung zu tun hatten – und zwar das ganze Programm von Verbrennung über Sargdiscount bis hin zu Grabmalen. Sogar ein Aldi war dabei.

An Punkt (12) erreichten wir die Zivilisation, und die Nacht hatte Erbarmen mit uns: Die im Umbau befindliche Brücke am Spandauer Damm (13) war für Fußgänger passierbar, wenngleich die Situation auch durch die überall die Straßenkluft überspannenden Rohre schwer was von Berlin 2071 hatte. Bei (14) erreichten wir die erste geöffnete Gastronomie (ein Matrix- äh Internetcafé), wo wir eine gesundfarben grüne Fanta erstanden, um endlich(!) bei (15) ins Gras vor dem Schloss zu sinken und zu verschnaufen.

Was für eine Nacht. Und was für ein schöner Ausklang derselben:

[Direktlink]

Blog | Moonlight TV-Serie auf Pro7

Ich bin begeistert. Es gibt eine neue Vampir-TV-Serie. Zwar in den USA nach der ersten Staffel eingestellt (von daher muss sie gut sein, denn außerhalb Comedy scheint es aktuell nur Dreck zu schaffen, weitergedreht zu werden), bei uns aber gerade gestern (23. Juni) auf Pro7 angelaufen und immerhin 13 Folgen lang:

MOONLIGHT ist eine Serie im Stil von Forever Knight (Nick Knight Der Vampircop), die verschiedene alte Vampirklischees aufgreift, einige davon beibehält, andere ins 21. Jahrhundert holt und wieder andere „traditioneller“ anpackt (z.B. der Umstand dass Vampire tagsüber herumlaufen können, ohne gleich in Flammen aufzugehen – ein Mythos, der erst durch Hollywood geschaffen wurde, denn die Vampire der Sagen konnten sehr wohl am Tag umherziehen).

Die Tonality der Serie ist frisch. Witzig in manchen Dialogen, ansonsten der übliche Mix aus Horror, Selbstzweifeln, Romantik, Blutlust und geistesgestörten Killern – „wer’s mag“ könnte man sagen, und da ich das zufällig SEHR mag, mag ich’s. Außerdem hab ich abgesehen von „In Teufels Küche“ jetzt inzwischen genug Kochsendungen für mein Leben gesehen, und bis eine vernünftige Cyberpunk-TV-Serie kommt (Max Headroom, träum …) bin ich’s zufrieden.

Der Schlachtruf lautet ANSCHAUEN! Schon alleine wegen dem „Vampir-Konzerner“ Josef, mit 400 Jahren auf dem Buckel und altersbedingtem Sarkasmus sowohl für’s Vampire als auch Shadowrun (Elfen-Konzerner, anyone?) eine gute Rollen-Vorlage.

Mehr Infos zur Serie sowie Videos und ein Live-Rollenspiel mit Vampirthema gibt es HIER auf midnightdance.de.