Razordance | Regeln (Teil 1)

Und weiter geht es mit der Präsentation des CP2020 LARP Games RAZORDANCE.

DIE REGELN

Die Live-Regeln von RAZORDANCE basieren in den Kernelementen auf den Regeln von Cyberpunk 2.0.2.0., sind aber radikal vereinfacht worden. (Ein herzliches Danke für die Inspiration geht an die Macher von WAR DANCE, dem Wildwest-Liverollenspiel (www.wildwestlive.de).)

GRUNDSÄTZE

Du bist dafür verantwortlich, dass die anderen Spaß haben.
Die guten Spiele kommen zustande, weil genügend Spieler mit dieser Haltung rangehen. Bedenke diesen Grundsatz bei deiner Charakterwahl, bei den Fertigkeiten und bei all deinen Aktionen im Spiel. Du kannst hart spielen, auch böse und fies – aber tu es mit dem Wunsch, deinen Mitspielern etwas zu bieten. Ganz besonders gilt das für das Ausschalten anderer Charaktere!

Deine Mitspieler haben dieselben Rechte wie du.
Im Zuge eines Spiels kann es durchaus sein, dass ich in von deiner Gang geschnappt werde und du trittst vor mich, um zu spotten. Vielleicht habe ich dich vorher beleidigt, vielleicht spielst du einen echt fiesen Charakter. Nur darfst du dabei nie vergessen, dass ich genauso wie du an dem Spiel teilnehme. Also verdirb niemandem das Spiel durch allzu großen Spott oder andere unerfreuliche Behandlung. Es kommt immer der Moment, in dem du in derselben Situation bist!

Jeder hat das Recht auf seine Privatsphäre
Normalerweise gibt es keinen Bereich, der nicht zum Spiel gehört. Es gibt auch eigentlich keine Schonzeit. Das Spiel dauert solange an, wie es bekannt gegeben wird.
Nur sind da ein paar Besonderheiten, die es noch zu erwähnen gilt. Wer z.B. auf dem Klo sitzt, sollte das auch können. Niemand gehört auf dem Klo sitzend erschossen (im Gegensatz zum Waschraum) – das ist eine Frage des Respekts und da hält sich bitte auch jeder dran. Trotzdem sind Toiletten keine OutTime-Zonen – denn sie sollen nicht als Rückzugsraum mißbraucht werden!
Und glaub nicht, dass der Weg zum Klo sicher ist: Vielleicht sollte man eine Begleitung mitnehmen?
Zur Privatsphäre gehört unbedingt die körperliche Unantastbarkeit. Du darfst ohne Offplay Einverständnis des anderen niemanden real fesseln oder ihn mit deiner Körpermasse bedrängen. Ebenso sollte man bei Verfolgungen und Fluchtversuchen darauf achtgeben, dass diese nicht mit einem bösen Sturz oder einer ungewollten Rangelei enden.
Die Fertigkeit „Nahkampf“ bildet die Ausnahme der Regel. Wenn du dich mit einem anderen Spieler auf einen solchen Kampf einigst, solltet ihr beide tunlichst aufpassen, dass erstens nichts so schlimm ist wie es aussehen soll und zweitens niemand anderes das in den falschen Hals bekommt. Übertreibt also ruhig und macht es lieber theatralisch als echt.

Diebstahl – inplay gerne, offplay nicht!
Der Besitz aller Personen ist unantastbar. Natürlich hat das eine Ausnahme. Dinge wie Spielgeld, Spielwaffen, spielrelevante Gegenstände oder Unterlagen; all das sind Sachen die geklaut werden können. Sofern man die Fähigkeit ”Stehlen” hat, kann man diese Dinge entwenden.
Und damit niemand auf falsche Gedanken kommt, hast du als Dieb dein Zeichen zu hinterlassen. Das ist dein persönliches Zeichen, der sog. Tag. Damit weiß der Besitzer, dass die Sachen im Spiel entwendet wurden und er sich höchstens über seine Unachtsamkeit Gedanken machen sollte. Näheres dazu steht in den Spielregeln.

Wir möchten nicht gegen Gesetze verstoßen.
Eigentlich klar, sollte man meinen. Aber selbst über einen Zaun zu klettern kann schon einen Verstoß bedeuten. Bitte achtet auch im Eifer des Gefechts darauf, dass diese Dinge während des Spiels, und auch vorher und nachher beachtet werden.

Jeder hilft mit, wenn ein Notfall vorliegt
Ein lautes “ABBRUCH” warnt vor einer ECHTEN Gefahrensituation und beendet das Spiel SOFORT. Alle Waffen verschwinden, alle Toten stehen sofort auf, alle machen ganz klar, dass es sich um ein Spiel handelt, und finden sich beim Ausrufer des Abbruchs ein, um zu helfen oder ein Missverständnis aufzuklären.
Jeder sollte sich stets vor Augen führen, wie die gerade gespielte Situation auf Außenstehende (sofern zugegen, was grundsätzlich vermieden werden sollte) wirken kann, und entsprechend entschärfende Gesten machen und im Bedarfsfall schnell aufklären.

Alkohol in Maßen ja, andere Drogen bitte nein!
Es kann immer mal passieren, dass man das letzte Getränk doch lieber hätte stehen lassen sollen. In dem Moment gehört man nach Hause und auf keinen Fall mehr in das aktive Geschehen.
Andere Drogen haben auf dem Spiel nichts zu suchen. Wer unbedingt einen Joint rauchen möchte, hat das keinesfalls im Beisein anderer zu machen und gutheißen können wir das nicht. Hier geht es auch nicht um persönliche oder politische Einstellung, es ist einfach eine Frage der Sicherheit. Und wer mit hartem Stoff erwischt wird oder gar damit dealt, fliegt sofort und kann mit einer Anzeige rechnen.
Grad weil wir in einer dunklen und dreckigen Zukunft, kommt es inplay bestimmt zu Alkohol-, Synthcoke- und BTL-Chip-Orgien. Und mancher Charakter hat sogar als Fähigkeit „Drogenresistenz“. Um das zu regeln, ist jeder harten Droge eine offplay Substanz zugeordnet (z.B. Zucker, Apfelsaft, Tic-Tacs).
Wenn du mal spieltechnisch gesehen vollkommen dicht und zugedrogt bist, und das auch überzeugend gut darstellen kannst, gib bitte ab und zu deutlich zu erkennen, dass du nur spielst. Um Missverständnissen vorzubeugen – nicht nur gegenüber Außenstehenden, sondern auch gegenüber Mitspielern!

Wer eine Auszeit braucht
Falls dein Charakter stirbt oder du wegen Übermüdung und Stress einfach nicht mehr kannst, nimm dir eine Pause. Mach deutlich das Offplay-Zeichen (ein aus den Handflächen gebildetes “T”, wie beim Time-Out im Football), mach einen Spaziergang oder hol dir eine Tasse Kaffe und signalisiere deutlich, dass du jetzt lieber alleine wärst und kurz aus dem Spiel bist. Dafür hat jeder Verständnis. In fast allen Situationen reicht so eine Pause um die Dinge wieder ins rechte Lot zu rücken.
Es ist zwar ärgerlich, wenn dein Charakter getötet wurde, aber sieh es immer als ein Spiel. Tot bist du auch nicht mehr in der Lage, Rache zu nehmen oder das Wissen, das du mit dem Verblichenen erworben hast weiterzugeben oder zu verwenden. Es mag ungemein verlockend sein, deinen noch lebenden Freunden einen Wink zu geben aber damit verdirbst du allen die Chance, gut zu spielen.

Essen und Trinken: keine Spielpause!
Essen und Trinken sind generell Spielbestandteil und müssen ERSPIELT, d.h. neben mit realem Geld auch mit Ebbies bezahlt werden: Es gibt keine Out-Time-Zonen oder -Zeiten. Wer es absolut nicht gebacken bekommt, das Essen zu erspielen, kann sich natürlich trotzdem was holen. Aber eben nicht in seiner Rolle, sondern abseits des Spiels – und das kann nur die letzte Lösung sein. Jeder, wirklich jeder kann sein Essen erspielen, egal in welcher Rolle. Man kann Schulden machen, Kredite bei einem Fixer aufnehmen, andere überfallen, sein Glück beim Poker versuchen; man kann sogar arbeiten, um ein paar Dollar zu verdienen …

Die SLs haben immer recht
Selbst wenn du dich ungerecht behandelt fühlst, nimm immer erst einmal hin, was wir dir sagen. Wir sind nicht unfehlbar; aber um im laufenden Spiel (immer unsere höchste Priorität!) Probleme zu klären, braucht es manchmal ein etwas rigoroseres Verhalten. Bestimmt haben wir später ein offenes Ohr für dich … Es sei denn, du hast gegen eine Regel verstoßen, die es für uns nötig macht, dich von dem Spiel auszuschließen. Im Interesse aller behalten wir es uns vor, jemanden sofort nach Hause zu schicken, der sich daneben benimmt oder eklatant andere gefährdet hat.

Verantwortungen
Es ist ein Ding der Unmöglichkeit als SL eine Session auf die Beine zu stellen, wo es perfekte Dramaturgie und Briefings für alle gibt. Helft uns und euch, dass das Spiel funktioniert und andere Charaktere durch dein Spiel in den Plot hineingezogen werden. Wenn ihr seht, dass irgendwo etwas fehlt, kümmert euch darum. Falls jemand etwas schweres trägt, packt mit an. Hinterlasst alle Spielorte, wie ihr sie vorgefunden habt – ganz besonders die wenigen Kneipen, in denen man Freaks wie uns willkommen heißt.
Live-Rollenspiele sind ein gutes Vorbild in Sachen Miteinander. In den allermeisten Fällen klappt das Zusammenleben hervorragend. Wollen wir also berechtigt hoffen, dass es auch in Zukunft so ist.
Körperliche Sicherheit geht immer vor.
Zum Beispiel ist das Spiel, egal in welcher Situation sofort zu beenden, wenn irgendjemand, Mensch oder Tier, in Gefahr ist, verletzt zu werden.

Kampf, Kopfschläge, Stechen
Alle Kämpfe, abgesehen von ”Schlägereien”, werden ausschließlich mit von der Spielleitung abgesegneten Waffen üblicher Bauweise (Latex) ausgetragen. Jeder Spieler ist für seine Waffe verantwortlich – also auch während des Spiels auf austretende Kernstäbe und Beschädigungen achten und die Waffe gegebenenfalls rausnehmen. Kopfschläge und Stechen mit Polsterwaffen jeglicher Bauart sind absolut unzulässig. Treffer sollen gespürt werden, aber nicht Schmerzen bereiten. Handtreffer zählen nicht (Verletzungsgefahr).

Jeder Kampf ist immer nur symbolisch
Wenn einmal dein Adrenalinbooster in den Overdrive kickt, weil der andere einfach blöde schummelt oder du wirklich doof beleidigt worden bist, beruhige dich, red dir selbst gut zu, bitte um eine kurze Pause. Dafür hat jeder Verständnis.

Körperliche Bedrohung ist verboten
Es gibt einige Sachen, die sind überhaupt nicht witzig. Dazu gehören z.B. Vergewaltigungen. Diese werden ohne ausdrückliches Einverständnis des Opfers nicht gespielt, nicht dargestellt, nicht angedeutet und sind einfach überhaupt nicht das Thema.

Schlägereien: Nur Show!
Wir wollen auf Bar Brawls nicht verzichten. Bei unserem System steht der Sieger durch die Höhe seiner Stufe bereits vor Beginn des Kampfes (so gut wie) fest. So können die Beteiligten ein gute Show liefern, ohne den realen Ehrgeiz zu haben, den anderen körperlich zu übertrumpfen. Außerhalb dieser speziellen Schlägerei-Regel ist körperlicher Kampf nicht zulässig. Kein Zerren, Reißen oder Stoßen.

Schusswaffen
Aufgebohrte Spielzeugpistolen können bis zu 130 Dezibel erreichen, daher dürfen sie nicht in der Nahe der Ohren abgefeuert werden. Aufgesetzte Schüsse sind verboten, ganz besonders an Kopf oder Gesicht. Ein Mindestabstand von ca. 30 cm zur Zielperson sollte eingehalten werden, wenn irgend möglich.
Nahkampf mit der Schußwaffe ist verboten – denn sie ist nicht gepolstert.

Richtige Waffen
Reale Waffen, die als Werkzeuge mitgeführt werden dürfen NIE ins Spiel eingebunden werden (z.B. Messerziehen im Spaß: NIEMALS!). Und Schreckschußwaffen dürfen gar nicht erst mitgebracht werden!

Die Sicherheit der Außenstehenden geht in jeder Situation vor.
Einige am Spiel Unbeteiligte sind durch ihre Anwesenheit am Spielort unfreiwillig sanft in die Session eingebettet. Wenn es zu Begegnungen mit Außenstehenden kommt: Situation entschärfen, als Opfer oder Verletzter aufstehen und lächeln, “nur Spaß” oder so sagen und verdächtige Objekte (Spielzeugwaffen) entweder verschwinden lassen oder als ungefährliches Spielzeug outen.

KAMPF

Wirkung eines Treffers

Ein Schuss geht immer in den Torso (Brust oder  Rücken), wenn der Schütze nichts anderes ansagt. Es kann aber sein, dass der Getroffene eine Fertigkeit hat, die den Torsotreffer verhindert oder mildert. Genausogut kann der Schütze aber auch ansagen, dass er dem Opfer nur ins Bein oder in den Arm schießt.

Verletzung

Ein Torsotreffer macht absolut kampfunfähig.  Man stirbt nicht, allerdings kann man verbluten, wenn einem nicht in absehbarer Zeit (15 Minuten) geholfen wird (Erste Hilfe – die man sich nicht selbst geben kann! – stoppt die Blutung). Kampfunfähig bedeutet, man ist für eine gewisse Zeit absolut ausgeschaltet. Man kann nicht laufen, kämpfen, sprechen. Flüstern, Röcheln, Kriechen und sehr mühsames Gehen ist erlaubt. Man ist auch zu geschwächt, um irgendeine Fertigkeit anzuwenden. Erlaubt ist eine SMS an den Doc, wenn man einen PANICBUTTON besitzt (s. Ausrüstung)). Dieser Zustand hält an, bis die Wunde behandelt ist. Näheres dazu wissen die MedTechs. Sagt der Schütze einen Armschuss o.ä. an, ist natürlich nur dieses Körperteil betroffen.

Ein Arm- oder Beintreffer macht das getroffene Körperteil nutzlos. Klassische Larp-Waffen wie Bogen, Katana, Beil oder Messer sind zugelassen, wenn sie zum Charakter passen. Um ein Gegengewicht zu den mächtigen Schusswaffen zu schaffen, müssen die Handwaffen regeltechnisch besonders berücksichtigt werden. Ein Torsotreffer mit einer Handwaffe macht kampfunfähig, genau wie ein Pistolentreffer. Ein Arm- oder Beintreffer mit einer Handwaffe macht das betroffene Körperteil nutzlos. Es gelten die gleichen Heilungsregeln sinngemäß (wer einen verletzten Arm hat, kann normal laufen). Alle Fertigkeiten können angewendet werden, die man ohne den Arm anwenden kann.

Heilung

Nach der Heilung ist man eine Stunde lang ruhebedürftig und kann keine körperlichen Fertigkeiten anwenden. Ein verletzter Charakter muss seine Wunden von einem MedTech behandeln lassen. Zu dem muss er sich erstmal schleppen (oder gebracht werden). Nach der fachmännischen Heilung – und dem Einschießen von Nanotechs – ist der Charakter eine Stunde lang ruhebedürftig: Er kann keinerlei körperliche Fertigkeiten anwenden. Dafür kann er aber sprechen, langsam gehen und alle Fertigkeiten anwenden, die nicht mit Körpereinsatz zu tun haben. Nach einer Stunde ist er wieder voll da. Wird er am gleichen Tag ein zweites Mal niedergestreckt, ist er nach der Heilung für zwei Stunden ruhebedürftig, nach dem dritten Mal für drei Stunden – und so weiter. Das soll verhindern, dass jemand allzu sorglos mit seinem Leben umgeht.
Absolut alle Verletzungen müssen behandelt werden, egal ob Torso, Arm oder sonstwas. Die Ruhe-Regeln gelten analog für das betreffende Körperteil. So muss nach der Heilung eines Armtreffers der Arm mindestens eine Stunde lang völlig geschont werden.
Jede Heilung verursacht abgesehen von dem Lohn, den der MedTech ggf. fordert, auch Basiskosten an Material, Nanos und Drogen. Diese sind

  • für eine Arm- oder Beinverletzung 100 eb (200 eb für das zweite Mal, 300 eb für das dritte Mal…).
  • für einen Torsotreffer (Niederschießen) 300 eb (600 eb für das zweite Mal, 900 eb für das dritte Mal).
  • für eine Wiederbelebung nach „Tod“ 500 eb plus 5.000 eb folgende Klinikkosten.

Kann sich ein Charakter die Heilung eines Arm-, Bein- oder Torsotreffers nicht leisten, kann er auch nur 10% des Betrages bezahlen, bleibt dafür aber bis zur nächsten Session ruhebedürftig. Für einen Toten MUSS jmd. bezahlen (notfalls der MedTech) oder der Charakter wird als Organspender in der Klinik „recycled“.

Achtung: Wurde ein Charakter mit gezielten Mehrfachtreffern aus einer MP (3) oder einem Sturmgewehr (5) niedergeschossen, fallen auch die 3- bzw. 5-fachen Heilungskosten beim MedTech an (die Klinikkosten bleiben wie gehabt).

Wird ein noch ruhebürftiger Charakter erneut niedergeschossen, bleibt er niedergeschossen und verblutet innerhalb von 5 Minuten. Selbst wenn ein MedTech den Charakter stabilisiert und „heilt“, ist er für die laufende Session aus dem Spiel. Zum Beginn der nächsten Session ist er wieder „voll da“, allerdings muss er 1.500 eb Klinikkosten bezahlen (startet also ggf. mit Schulden). Hatte er bereits Klinikschulden, setzt er das Spiel VERKRÜPPELT fort – ein Körperteil seiner Wahl ist permanent funktionslos.

Tod

Bei RAZORDANCE gibt es in der Hauptsache 5 Arten, um zu sterben:

  1. Man ist NIEDERGESCHOSSEN worden und schafft es nicht innerhalb von 15 Minuten (bzw. im Falle des Niederschießens während man noch ruhebedüftig war 5 min.) die Wunde per Erster Hilfe versorgt zu bekommen oder zu einem MedTech zu gelangen (Tod durch Verbluten).
  2. Man wurde durch einen TODESSCHUSS/-STOSS niedergestreckt.
  3. Man war im Umkreis von 1 METER einer explodierenden GRANATE oder im Umkreis von 5 Metern eines explodierenden PLASTIKSPRENGSATZES.
  4. Man stirbt während eines NETRUNS.
  5. Man wurde TÖDLICH VERGIFTET.

Todesschüsse und -stöße sind begrenzt. Den Todesschuss erkennt das Opfer an der Ansage („Stirb!“ oder „Fahr zur Hölle“ …). Nicht jeder kann töten. Wenn du Charaktere beseitigen willst, musst du die Regeln sehr genau kennen. Den Todesschuss erkennt das Opfer an der Ansage („Stirb!“ oder etwas ähnlich deutliches) direkt vor dem Schuss. Gewandtheit und andere Schutzfertigkeiten retten nicht vor dem tödlichen Treffer, es sei denn dies ist extra angegeben.

Rettung in letzter Sekunde gibt es nur durch den MedTech! Ein MedTech kann einen eigentlich TOTEN doch noch revitalisieren, muss dafür aber sehr schnell beim Toten sein und eine gehörige Portion Glück haben. Selbst wenn er den Toten revitalisieren kann, muss dieser per AV in eine professionelle und TEURE Klinik gebracht werden, wo er mühsam rehabilitiert wird (5.000 eb Klinikkosten). Der Tote scheidet aus der laufenden Session definitiv aus, kann aber beim nächsten RAZORDANCE wieder dabei sein. Über ggf. entstandene Verkrüppelungen und nötigen Cyberersatz befindet die SL.

Überraschung!

Auch wenn du  glaubst, dein Gegner schummelt: Wahrscheinlich tut er das gar nicht.  Es gibt  nämlich Sonderregeln. Wir haben die Regeln so geschrieben, dass jeder sich nur merken muss, was er selber können will. Vielleicht beherrscht dein Gegner eine Fertigkeit, die du nicht auf der Reihe hast. Vielleicht geht wider Erwarten der Getroffene nicht zu Boden; ein anderer ist trotz Fesseln entkommen … In den allermeisten Fällen liegt das nicht am Schummeln, sondern an Sonderregeln, die dein Mitspieler angewendet hat. Also wundere dich nicht und diskutiere bitte nicht mit ihm. Höchstens viel, viel später, wenn die Situation lange vorbei ist. Im laufenden Spiel gilt oft: Laß dich überraschen!

LOGIC: Vernunft kommt vor Regeln

Es gibt viele regeltechnische Möglichkeiten, sich vor einer Niederlage zu schützen. Extrem hohe Attribute, Implantate – all diese Dinge schützen immer nur soweit, wie man es guten Gewissens begründen kann. Ein Beispiel: Wenn dein Gegner auf deinen Fuß zielt, und dabei die Worte spricht: „Verabschiede dich von deinem großen Zeh“ dann wird das „Dezentrale-Herz-Implantat“ in deiner Brust natürlich keinen Treffer abfangen. Sei einfach vernünftig – und wende Regellücken im Zweifelsfall bitte gegen dich an. So gibt es keinen Streit und alle Mitspieler werden’s danken.
Schusswaffen-Regeln

Schieß erst, wenn du sicher bist, dass das Opfer es mitbekommt. Unsere Schusswaffenregeln funktionieren ähnlich wie Magie-Regeln in anderen Systemen: mit viel Abstraktion, mit viel Fairness und mit vielem, was als unspielbar eben draußen bleibt.

Die Grundregel ist einfach: Bring Dich nicht in Situationen, die Diskussionen heraufbeschwören. (Ein Kampfmagier würde gegen eine gegnerische Armee auch nicht vier Sprüche hintereinander leise haspeln und erwarten, daß vier Gegner umfallen!) Also: Warte auf die gute Gelegenheit, um den Schuss anzubringen.

Wenn es knallt, war’s ein Treffer. Wenn’s klickt: Daneben.  Wir spielen mit Knall-Munition: die roten Ringe mit 8 oder 12 Schuss. Die Ringe haben mal mehr, mal weniger Nieten; also blinde Plättchen. Der Rest ist einfach: Wenn´s knallt, war’s ein Treffer. Wenn’s nur klickt, ging der Schuss daneben. Waffen mit „RRR“-Abzug oder Batterien sind Automatikwaffen, mit denen nur spezielle Schussmanöver möglich sind (s.d.). Waffen mit Streifenmuni können nur von SOLOS mit MEISTERSCHÜTZEN Fertigkeit verwendet werden, da nur diese keine Fehlschüsse haben (außer solchen, die auf Fehlern der Streifenmuni beruhen, was oft genug vorkommt).

Munition gibt es in vier verschiedenen Ausführungen:

  • für Anfänger (8er mit 4 Nieten, 12er mit  6 Nieten)
  • für Schützen (8er mit  2 Nieten, 12er mit 3 Nieten)
  • für Meisterschützen (8er und 12er je 1 Niete)
  • für SOLO Meisterschützen (ohne Nieten, auch Streifen)

Die Munitionsringe haben unterschiedlich viele Nieten drauf – also blinde Plättchen, die nicht knallen. Jeder „entwertet“ vor Spielbeginn (bzw. nach Kauf von Ersatzmuni) seine Muni selbst.
Die Kampfsituationen

Wir hätten es euch (und uns) einfach machen können. Zum Beispiel mit der alten Regel „Peng – du bist tot.“ Leider reicht diese Regel aber nicht, um Gefechte oder ähnliches spannend darzustellen. Deswegen gibt es je nach Situation verschiedene Arten, auf Gegner zu schießen:

  • Gefecht: In unübersichtlichen Gruppenkämpfen
  • Standoff: Nach einer Herausforderung „Mann-gegen-Mann“
  • Attentat: Wenn du als Schütze nicht erkannt werden willst.
  • Niederschießen: Nur wenn die Situation so klar ist, dass es keine Regeln braucht.

1: Niederschießen

Niederschießen ist das Ballern auf Wehrlose, Unbewaffnete oder Leute, die ihre Waffe nicht rechtzeitig gezogen bekommen. Das Niederschießen ist die Standardsituation schlechthin. Da ist kein Raum für böses Blut oder Regeldiskussionen – dafür ist die Situation zu eindeutig. Das Niederschießen funktioniert bis zu 6 Meter Entfernung.

Ablauf
Der Schütze legt auf sein wehrloses Opfer an und schießt. Der Getroffene bricht zusammen. Er kann absolut nichts tun, außer sich mühsam zum nächsten MedTech zu schleppen (siehe „Verletzung“).

Spieltechnik
Das Opfer muss den Schuss eindeutig mitbekommen. Wenn man in den Rücken schießen will, wird´s schon heikel!
Erste Regel: Wenn’s knallt, muss jeder schauen, ob er gerade angeschossen wurde!
Zweite Regel: Wer anderen in den Rücken schießt, bleibt möglichst so lange mit der Waffe im Anschlag stehen, bis das Opfer merkt, dass es getroffen wurde. Also bis sich der Getroffene umgedreht hat und sieht, dass die „rauchende“ Waffe auf ihn gerichtet ist.
Dritte Regel: Schüsse funktionieren nur, wenn sie auch zu hören sind – höchstens aber in 6 Meter Entfernung.
Schießt das Opfer UNMITTELBAR (weniger als 1 Sekunde) zurück, war es offenbar NICHT wehrlos. Beide Treffer werden ignoriert, ein STANDOFF zwischen den beiden Kontrahenten beginnt.

2: Standoff

Beim Showdown zwischen zwei Personen greift eine Art „Elfmeter“-Regel. Vom Standoff spricht man, wenn zwei Parteien mit gezogenen Waffen einander gegenüberstehen, von denen min. eine  das Feuer eröffnen will.

Ablauf
Eine Partei beginnt den Standoff, indem er die Waffe zieht bzw. auf den Gegner richtet und „STANDOFF“ brüllt.
Am Standoff beteiligt sind nur solche Personen, die in dieser Sekunde im unnmittelbaren Umfeld stehen und bereits eine Waffe gezogen haben. Mit Beginn des STANDOFF legt jeder EINDEUTIG auf einen Gegner an, den er auf Anfrage auch klar benennt (ein Wechseln des Gegners ist erst möglich, wenn der Standoff mit dem aktuellen Gegner beendet wurde). Es darf nur auf BEWAFFNETE Personen angelegt werden (keiner wäre so blöde, in einem sekundenkurzen Standoff, bei dem es ums nackte Überleben geht, auf einen Unbewaffneten zu schießen, solange noch bewaffnete Ziele da sind).
Nacheinander schießen alle Beteiligten (gruppenweise nach Einzel-Standoffs), der Herausforderer (der STANDOFF gerufen hat) bzw. dessen „Partei“ hat den ersten Schuss. Sieger eines Standoff ist, wer nach einem Fehlschuss des Gegners einen Treffer landet. Oder aus der Sicht des Verlierers: Wer nach einem eigenen Fehlschuss einen Knall hört, bricht getroffen zusammen. Legt in einem Standoff eine Person auf einen Gegner an, der selbst das Feuer nicht in dessen Richtung erwidern kann (z.B. weil er selbst mit einem anderen Gegner beschäftigt ist) wird der Gegner am Ende der Runde automatisch niedergeschossen (vorausgesetzt, der Schütze hatte wenigstens 1 Knall in der Waffe).
Ein Schütze, dessen Ziel zusammengebrochen ist oder den Kampf abbricht, setzt 1 Runde aus und kann dann ein neues Ziel ansagen. Er kann aber auch die Waffe senken oder fallenlassen und sich somit selbst aus dem Standoff zurückziehen.
Nach 8 Schüssen pro Person wechseln ALLE noch beteiligten Personen den Muniring/-streifen. Dies wird solange fortgesetzt, bis alle Einzel-Standoffs „erledigt“ sind, sprich bis eine Seite gewonnen hat, weil alle der Gegenseite niedergeschossen wurden oder aufgegeben haben (was ne gute Idee ist, wenn erstmal 2 Leute auf 1 Person anlegen).
Aufgeben kann man nur AM ENDE einer Runde!

Spieltechnik
Es geht nicht darum, wer schneller abdrückt. Das würde nur zu Diskussionen führen. Es geht darum, einen Fehlschuss des Gegners mit einem Treffer zu beantworten. Hohe Anforderungen ans Rollenspiel! Lasst den Gegner nicht zappeln; eine angespannte Ruhe vor dem ersten Schuss ist gut, dann aber bitte fix schießen, und gerne bewegen und rollenspielen, die Waffe aber auf den Gegner gerichtet halten.
Wenn die Schüsse ungefähr im Sekundentakt fallen, kann man sie deutlich trennen, und trotzdem geht alles sehr schnell über die Bühne.
Eine spezielle Showdown-Aufstellung ist besonders zwischen Gangs nett, aber nicht nötig – ca. 3 Meter Abstand sollten aber sein.

Herausforderung
Standoffs kündigen sich immer an (sonst wären es Gefechte). „Das hier ist unser Turf“ ist ein schöner Satz für einen Gang-Standoff. Ein weiterer Klassiker für zwei Solos wäre: „Ich glaube nicht, dass du so schnell bist, wie die Leute sagen.“ Der Herausforderer hat immer einen kleinen Nachteil: Er schießt als Erster – und kann mit diesem Schuss nicht gewinnen, denn es gab ja vorher keinen Fehlschuss des Gegners! Wer also eine Herausforderung ausspricht, weiß was er tut.

Alternativen
Der oder die Herausgeforderten können kneifen, beschwichtigen, verweigern, die Waffe fallenlassen, flüchten… Allerdings können sie dann auch einfach niedergeschossen werden. Wir reden dann jedoch nicht von einem Standoff, sondern von Mord (in der Edge Community und besonders unter Gangs durchaus ein wichtiger Unterschied!). Ein Antäuschen oder Feigling-Spielen ist damit ausgeschlossen – entweder die Herausforderung zum Standoff wird angenommen, oder nicht.

Vollautomatische Waffen im Standoff
MPs und Sturmgewehre mit „RRR“-Abzug oder Batteriebetrieb zählen im Standoff als „ohne Fehlschuss“. Dies wird in der Regel dazu führen, dass ein mit einer Pistole bewaffneter Gegner unterliegt. Schießen zwei Personen BEIDE mit vollautomatischen Waffen im Standoff aufeinander, werden BEIDE (mit 3 (MP) oder 5 (Sturmgewehr) Schüssen) niedergeschossen (siehe Besonderheiten vollautomatischer Waffen).

3. Attentat

Wer andere unauffällig ausschalten will, benutzt zusätzlich zur Waffe einen Tennisball. Will man einen Spieler unauffällig, aber eindeutig beseitigen, muss man den Wurfball benutzten – damit es nicht zu Diskussionen kommt. (Hingehen und dem Opfer sagen „Ich habe Dich gerade unbemerkt erschossen“ … das wäre nicht gut.)

Spieltechnik
Zuerst wirft man den Ball auf sein Opfer. Dieses spürt den Treffer. Nun muss nur noch ein Schuss fallen, damit für alle klar ist, was passiert ist. Wenn du allerdings auf deiner aktuellen Waffe nur Nieten hast, ist das Attentat danebengegangen. Wenn der Ball trifft und der Schuss erklingt, sinkt das Opfer zu Boden.
Die Bälle dürfen nicht hart geworfen werden, und auch keinesfalls auf den Kopf. Maximal einen Ball darf man bei sich tragen. Benutzen darf man ihn, so oft man will. Kumpels können auch ihren Ball an einen Attentäter verleihen. Stehlen darf man diese Bälle jedoch nicht. Und niemand darf zu irgendeiner Zeit mehr als einen Ball bei sich haben.
Du darfst den Ball nicht nur beim Attentat werfen, sondern auch im Gefecht, um einen Gegner gezielt auszuschalten. Zum Beispiel den Typ am MG, der deine Gruppe beschießt. Oder beim Niederschießen, um sicherzugehen, dass das Opfer den Schuss bemerkt.
Wenn du für das Attentat einen Todesschuss opfern willst, rufst du nach dem Ballwurf „Stirb!“ oder etwas ähnlich eindeutiges.
Bei jedem Attentat hinterlässt du deine Spielernummer („Tag“) als Beweisstück: Ermittler bekommen Informationen über den Schützen. Herumliegende Wurfbälle werden bei der Orga abgegeben.

Mit vollautomatischen Waffen können keine Attentate verübt werden.

4: Gefecht

Entscheidend im Gefecht: Wer hat mehr Leute – und den besten Schützen (bzw. die meisten Automatikwaffen)?
Ein Gefecht hat zwei Parteien, die wild aufeinander ballern, oft aus der Deckung heraus, ohne den Gegner unbedingt zu sehen. Um diese schwierige Situation spielen zu können, teilen wir das Gefecht in Kampfrunden. In jeder Runde wird ermittelt, wer die meisten Treffer hatte – und wie viele Leute auf seiner Seite mitgeschossen haben. Die schwächere Partei verliert einen Mann: ihren schlechtesten Schützen.

Phase 1: Gefecht wird ausgerufen
Alle ballern mehr oder weniger gleichzeitig. Jeder merkt sich dabei nur, wie viele Treffer er auf seinem Ring hatte (ja, 12er Ringe und Munistreifen sind hier von Vorteil; MPs zählen als 15 Treffer, Sturmgewehre als 30 Treffer)).

Phase 2: Feuerpause
Die Gegner ziehen sich in Deckung zurück, die Waffen schweigen. Jede Partei ermittelt ihren besten Schützen. Zu dessen Treffern wird die Zahl seiner Mitkämpfer addiert. Beispiel: Rico war mit seinem Sturmgewehr mit 30 Treffern besser als seine vier Gefährten: 30 + 4 = 34. Sein Kumpan Joe hatte die wenigsten Treffer – dafür muss er das Ergebnis den Gegnern zurufen. Also „34!“
Die Gegenseite ermittelt auf die gleiche Art ihr Ergebnis, und der schlechteste Schütze ruft es rüber. Nehmen wir mal an sie haben zwei Sturmgewehrschützen (beide Ergebnis 30), Ballantine und Justice, und das Ergebnis: „68!“.
Die Verlierer dieser Runde stehen dadurch fest: Ricos Bande. Sie verlieren ihren schlechtesten Schützen (der auch das Ergebnis gerufen hat). Aber erst in der nächsten Runde.

Nächste Runde
Beginnt wieder mit Phase 1. Nur dass Joe, unser Verlierer der letzten Runde, jetzt aufspringen und wild ballernd durch den Kugelhagel auf den Gegner zulaufen kann. Natürlich wird er getroffen und bricht zusammen (seine abgegebenen Schüsse zählen nicht mehr).

Spieltechnik
Man schießt in einer Runde so lange, wie man will oder kann, aber nur mit einer Waffe, und man schießt sehr zügig, ohne Pausen.
Die anschließende Feuerpause wird zum Ringewechseln genutzt. Die nächste Runde beginnt, wenn beide Parteien angezeigt haben, dass sie bereit sind. Und zwar mit dem Ruf: „Bereit!“

Besonderheiten im Gefecht
Ein Todesschuss (beliebiger Stufe) kann im Gefecht für einen Scharfschuss getauscht werden. Der wirkt wie ein Torsotreffer. Den Scharfschuss beherrscht man mit der Fähigkeit „Todesschuss“ automatisch. Wer den Scharfschuss einsetzt, verliert einen seiner Todesschüsse. Man tauscht also den Todesschuss gegen einen Scharfschuss ein.
Wenn nach einer Feuerrunde die Ergebnisse zugerufen wurden, kann die unterlegene Seite den Scharfschuss einsetzen – auf Zuruf „SCHARFSCHUSS!“. Damit geben sie zu erkennen, daß sie ihr Feuer auf den besten gegnerischen Schützen (bzw. den mit dem Sturmgewehr) konzentriert haben. Und so erwischt es in der nächsten Runde nicht nur den armen Joe (siehe oben), sondern auch den besten Schützen des Gegners (einen der beiden Sturmgewehrschützen, Wahl liegt bei Gleichstand beim unterliegenden Team – siehe oben). Auch für ihn gilt, dass er in der nächsten Runde getroffen wird – er kann dramatisch aus der Deckung springen und untergehen …
Nur die Verlierer einer Runde können einen Scharfschuss einsetzen. So bleibt das Gefecht auch für zahlenmäßig stark überlegene Angreifer gefährlich. Man hat so viele Scharfschüsse zur Verfügung, wie man noch Todesschüsse hat.
Schießt der Gegner nicht zurück, darf man vorrücken. Im Gefecht kann es passieren, dass eine Partei das Feuer nicht erwidert. Vielleicht haben sie keine Munition mehr; vielleicht sind sie kampfunfähig, oder schon geflohen. Dann darf man vorrücken. Langsam, und geschlossen.
Eine Gefechtsrunde wird mit dem Ruf „Bereit!“ eingeleitet. Wenn euer Gegner nicht innerhalb einer halben Minute antwortet, dürft ihr vorrücken. Gemessenen Schrittes, und als geschlossene Gruppe.
Ein umzingelter Gegner muss sich nach zwei Seiten verteidigen: nach vorn und nach hinten. Um den Gegner zu umzingeln, muss man sich in zwei Gruppen teilen. Die einen schießen von vorn, die anderen von hinten auf die Gegner; man verwickelt sie also in zwei (und NUR ZWEI) getrennte Gefechte. Der Vorteil: Die Eingekreisten müssen ihre Feuerkraft auf zwei Fronten aufteilen. Tun sie das nicht und ignorieren die vorderen oder die hinteren Angreifer, dürfen diese (und nur diese) vorrücken – siehe oben.
Feuerschutz geben oder sich den Weg freischießen: Sperrfeuer kann jeder anwenden, der eine Schußwaffe beherrscht. Für ein Sperrfeuer mit halbautomatischen Waffen braucht man mindestens 3 Schießende.  Für Sperrfeuer verlässt man unmittelbar nach dem zweiten Ruf „BEREIT“ die Deckung, brüllt „Sperrfeuer“ und ballert aus allen Rohren der Gruppe los. Für die Dauer der Schüsse können die Gegner nichts tun,  außer in Deckung zu gehen, sich auf den Boden werfen, sich ducken o.ä.
Wenn die Waffe erkennbar leergeschossen ist oder der Schütze aufhört zu feuern (bei MPs und Sturmgewehren nach spätestens 10 Sekunden!), endet das Sperrfeuer – und nach einer angemessenen Schrecksekunde können die Gegner wieder agieren.
Das Sperrfeuer richtet keinen Schaden an (außer ein Idiot kommt offen aus der Deckung, in diesem Fall wird er niedergeschossen (LOGIC)). Es dient dem taktischen Stellungswechsel und der Flucht. Die eigene Partei kann das Sperrfeuer nicht nutzen, um Gegner zu erschießen: Es geht um Stellungswechsel, Flucht oder darum, andere aufzuhalten. Wohl aber kann eine Partei sich abwechselnd Feuerschutz geben. Dafür muss in der Schrecksekunde (s.o.) einfach der nächste Schütze der Partei „Sperrfeuer“ brüllen und übernehmen. Passiert das nicht, kann die gegnerische Partei nach ihrer Schrecksekunde (!) mit einem Sperrfeuer antworten.
Ein Sperrfeuer dauert zwischen 5 und 10 Sekunden. Der Schütze sollte seine(n) Ring(e) schnell leerschießen; die Schüsse sollten aber schon einzeln und mit kurzen Abständen fallen. Also ca. 1-2 Schuss pro Sekunde. Während des Sperrfeuers ist kein normaler Schusswechsel möglich! Angriffe auf den Schützen können nur mit dem Wurfball durchdringen (alles andere würde der Spieler auch nicht mitbekommen.)

Besonderheiten vollautomatischer Waffen

Vollautomatische Waffen bewirken Sperrfeuer …
Sturmgewehre, MPs und MGs – alles, was Batterien oder „RRR“ Abzug hat und den Sound von Automatikfeuer erzeugt – wirkt mannstoppend: Solange die vollautomatische Waffe feuert, dürfen die Beschossenen (alle im Sicht- bzw. Schussfeld) nichts tun außer in Deckung zu gehen oder sich zurückzuziehen. Diese Waffen bewirken also „Sperrfeuer“. Sie richten in diesem Modus keinen Schaden an.
Das Sperrfeuer einer vollautomatischen Waffe dauert EBENFALLS maximal 5-10 Sekunden, danach muss eine Feuerpause von 10 Sekunden erfolgen, in der die Munition gewechselt wird.

… oder Todesteppich …
Wer natürlich direkt vor jemandem mit gezogenem Sturmgewehr steht und gezielt unter Beschuss genommen wird, kann sich nicht rausreden: Natürlich wird er getroffen. Grundsatz: „Logik geht vor“. Dieser Todesteppich betrifft alle Personen, die unmittelbar, d.h. in bis zu 2 m Abstand vor dem Schützen mit der vollautomatischen Waffe stehen (man kann max. 3 Personen auf kurze Distanz mit einer vollautomatischen Waffe „gezielt unter Beschuss nehmen“).
Feuert der Schütze auf nur 1 Person, ruft er den Mehrschusswert der Waffe aus (3 bei MPs, 5 bei Sturmgewehren). Dies ist die Zahl der Mehrfachtreffer. Ein durch Mehrfachtreffer niedergeschossener Charakter ist genauso niedergeschossen wie ein nur durch ein einziges Projektil Niedergestreckter, es fallen aber beim Verarzten höhere Versorgungskosten (x3 bzw. x5) an. Charaktere, die irgendwelche Specials zum Verhindern vom Niederschießen haben, erleiden aber tatsächlich die Effekte 3er bzw. 5er einzelner Torsotreffer. Im Klartext: Habe ich einen Special, der es mir erlaubt, 2 Treffer komplett zu ignorieren, schießt mich jmd. mit einem angesagten 3er Treffer dennoch nieder.
Auch hier gilt: Nach 5-10 Sekunden Voll-Auto Feuer muss 10 Sekunden pausiert werden, um das Magazin zu wechseln.

… oder pinnen den Gegner.
Da jeder von der zerstörerrischen Wirkung der vollautomatischen Waffen weiß, sind diese sehr effiziente Abschreckungsobjekte. Legt man auf einen Gegner an, der selbst seine Waffe nicht bereits gezogen hat, wird dieser „gepinnt“ und kann nichts tun als warten, bis der Gegner die Waffe absenkt oder eben abdrückt.

Besonderheiten halbautomatischer Gewehre

Zwar verfügen halbautomatische Gewehre (mit Muniring) nicht über die Möglichkeit zu Todesteppich oder vollautomatischem Sperrfeuer – dafür sind diese aber in der Abschreckung den vollautomatischen Waffen gleichgestellt und können Gegner pinnen.

Todesschuss / -stoß

Todesschüsse und -stöße sind besondere Fähigkeiten – nicht jeder kann töten. Den Todesschuss erkennt man an der Ansage. Es gibt keinerlei Schutz.

Jeder Waffenträger kann Gegner mit dem Tode bedrohen („Eine Bewegung, und du bist tot“ z. B.) – aber wirklich töten kann nicht jeder. Dass aus der Drohung Ernst wurde, erkennt das Opfer erst, wenn es zu spät ist: nämlich an der Ansage („Stirb!“ oder etwas ähnlich deutliches) direkt vor dem Schuss.
Hohe Attribute, Implantate, Gewandtheit und andere Schutzfertigkeiten retten nicht vor dem tödlichen Treffer. Der tödlich Getroffene hat nur noch eine Hoffnung: Seine Dezentrales-Herz-Implantat oder die letzte Rettung durch einen schnell herbeieilenden MedTech (hoffentlich ist dein Cred-Account gut gefüllt). Ist eine dieser Bedingungen nicht erfüllt, stirbt das Opfer.

Wie bei allen Schüssen kann es auch beim Todesschuss zu Fehlschüssen kommen. Der Todesschütze kann so oft abdrücken, wie er eben kann – beim ersten Knall wirkt der Todesschuss. Knallt es bis zum Ende des Munirings nicht, ist der Todesschuss trotzdem für dieses Spiel verbraucht.

Je nach Charakter kann der eine kaltblütig morden, der andere nur im Notfall sein Leben verteidigen. Näheres steht bei den Beschreibungen der Fertigkeiten.

SONDERREGELN

Im Cyberpunk-Live gibt es sehr viele Klischees. Möglichst viele davon wollen wir ausspielen. Dafür brauchen wir besondere Spielregeln, die vom Fantasy- oder Vampire-Larp abweichen. Im folgenden haben wir die typischen Cyberpunk-Situationen aufgelistet – und wie man richtig darauf reagiert.

Schlösser

Schlösser können gebaut oder gekauft werden. Man sollte darauf achten, genügend Schlüssel mitzukaufen. Ein Schloss wird nicht real abgeschlossen: Hängt man es vor eine Tür, gilt diese als abgeschlossen (eingebaute Türschlösser werden mit einem entsprechenden Aufkleber gekennzeichnet). Nur mit den richtigen Schlüsseln kann man sie öffnen. Jedoch kann man das Schloss knacken, aufschießen, -sprengen oder -brechen!
Jedes Schloss trägt einen Aufkleber mit vier Werten.
Der erste ist ein Buchstabe und kennzeichnet den TYP des Schlosses:
K für KEY – ein klassisches mechanisches Schloss mit Schlüssel.
E für ELECTRONIC – auch hier gehört ein mechanischer Schlüssel dazu, dieser aber trägt einen Chip mit der Codesequenz zum Öffnen.
T für THUMBPRINT – das Schloss hat ingame ein Sensorfeld für einen Daumenabdruck.
R für RETINAPRINT – das Schloss hat einen Sensor, der die Netzhaut abtastet (der Retinascanner sollte live als Aufkleber oder gebastelter Prop vorhandenn sein).
Der zweite Wert ist die Schloss ID Nummer. Bei Schlüsseln ist dies die Nummer des Schlüssels, der zu diesem Schloss passt, bei Thumb- oder Retinaprint die Nummer des Spielers, der hier Zugang hat.
Der dritte Wert ist die Zahl der Schüsse, die notwendig sind, um es aufzuschießen (Schusspunkte)
Der vierte Wert steht für die Dauer, die man auf das Schloß gewaltsam und lautstark einhacken muss, um es aufzubrechen. (Gewaltpunkte).
Ein Beispiel: Das Schloss trägt die Werte K-244-12-20. Es ist also ein mechanisches Schloss, zu dem alle Schlüssel mit der Aufschrift 244 passen, kann mit 12 Schüssen geknackt oder mit zwanzig Minuten Gewalt aufgebrochen werden.

Alkohol

Harte Drinks für harte Männer (und Frauen): eine Selbstverständlichkeit. Nun wollen wir aber nicht dauernd real besoffen sein. Also muss eine Regel her, wie der Whiskey, der Burning Nomad und der CHOOH2-Shooter in Spiel kommen. Und hier ist sie:
InTime-Hochprozentiges (oder in Flüssigkeit aufgelöste Drogen, die den gleichen Effekt haben)  wird durch starken Zitronensaft dargestellt.
•    Ab dem 3. Schnaps des Tages fängt man an, schwerfällig zu sprechen. HYPER Attribute sind nicht mehr einsetzbar.
•    Ab dem 4. plaudert man ein interessantes Geheimnis aus (auch ungefragt). MEGA Attribute sind nicht mehr einsetzbar.
•    Ab dem 5. kann man nicht mehr kämpfen. SPECIAL Attribute sind nicht mehr einsetzbar.
•    Ab dem 6. schläft man ein. Man wacht nach einer halben Stunde wieder auf; der „Zähler“ geht auf 3: Schwerfälliges Sprechen.
Man kann jederzeit nüchtern gemacht werden. Diese Ausnüchterungsphase dauert eine halbe Stunde (es sei denn, der MedTech gibt einem ein Medikament). So lange kann der Charakter keine Fertigkeiten anwenden.
Nach mindestens fünf Stunden Schlaf ist jeder Alkohol komplett verflogen (sprich: Der Zähler wird genullt).

Drogen

Bei Cyberpunk existiert eine förmlich unendliche Vielzahl synthetischer Drogen. Die Populärsten Modedrogen des Berlin-Potsdam Megaplex wollen wir hier samt ihrer Wirkung vorstellen:

SynthCoke wird dargestellt durch Zucker. Die Droge wird in Lines zu 5 cm gelegt und aufgeleckt.
•    1 Line innerhalb einer Stunde macht „high“. Man fängt an schwerfällig zu sprechen, Gefühle werden verstärkt. HYPER Attribute sind nicht mehr einsetzbar.
•    2 Lines innerhalb einer Stunde putschen zu einer Partystimmung auf. Der Charakter möchte etwas TUN, und versucht andere gezielt andere zum mitmachen aufzufordern. Wird dem Charakter ein Vorschlag für eine Unternehmung gemacht („Komm mit in Arasaka einbrechen“, „geh da rüber und hau den Typen im Anzug zu Klump“), macht dieser einen CHECK. Verliert der Charakter den CHECK, folgt er der Aufforderung, soweit sie seinem Naturell entspricht (ein Netrunner würde keinen Sumo-Ringer angreifen, ein Corporate keinen Media abknallen).
•    3 und mehr Lines einer Stunde machen aggressiv. Man fängt an zu viel zu reden und jedem zu erzählen, wen man alles nicht leiden kann. Dabei fühlt man sich erstaunlicherweise gut, denn man ist von der eigenen Überlegenheit überzeugt. Soll der Feind nur kommen (widerliche Gerüchte, nach denen SynthCoke im EuroKrieg als Kampfdroge verabreicht wurde, sind völliger Schwindel!).
SynthCoke lässt innerhalb einer Stunde komplett nach. In der Folgestunde muss der Verwender aber einen CHECK machen. Verliert er ihn, hat er das dringende Bedürfnis, sich wieder auf SynthCoke zu bringen. Regelmäßiger SynthCoke-genuss führt zu PARANOIA.

Dorph wird dargestellt durch Smint (Geschmack egal). Dorph macht ganz allgemein ruhig und wird daher von vielen zur Stressbewältigung und Angstbekämpfung genommen.
•    Ab dem 1. Dorph am Tag sind HYPER Attribute nicht mehr anwendbar.
•    Ab dem 3. Dorph am Tag nimmt man Schmerzen nicht mehr so stark wahr. Man kann Arm- und Beintreffer – abgesehen davon, dass man die Körperteile nnoch immer nicht einsetzen kann – „ignorieren“, muss also keinen Schmerz ausspielen. MEGA Attribute sind nicht mehr einsetzbar.
•    Ab dem 6. Dorph am Tag müssen die Augenlider auf Halbmast sein. Kämpfen ist nicht mehr möglich. Die Aussprache wird „teigig“. Attribut-Specials sind nicht mehr einsetzbar.
•    Ab dem 9. Dorph am Tag ist man ein klassischer „DorphZombie“. Nur noch wennig dringt durch, das Handeln wird wirklich ziemlich genau wie das eines Zombies im Film.
Das Gemeine: Wer auf einer Session Dorph genommen hat nimmt es danach weiter und muss am Ende der Session einen CHECK machen. Gewinnt er ihn, kann er seine Dosis bis zur nächsten Session um 2 Dorph senken (und muss bei besagter Session auch folglich nur noch jene Zahl Dorphs schmeißen). Bei Gleichstand kann er seinen Konsum immerhin um 1 Dorph senken. Verliert er den CHECK hingegen, muss er seinen Konsum um 3 Dorph anheben. Gelingt es ihm, den Konsum auf Null zu senken, ist er „clean“. Steigt der Konsum aber jemals auf 12 und mehr, nimmt sein Hirn irreparrablen Schaden, und er ist auf ewig ein Dorph Zombie. Achtung: Man kann jemandem nicht 12 oder mehr Dorphs auf einen Schlag verabreichen. Hierdurch würde das Opfer alles hervorbrechen und in ein 1-stündiges Koma fallen, aber die Wirkung entspräche „nur“ 3 Dorph (auch für die Sucht). Wer aber jmd. festhält und ihm jede Stunde 3 Dorph verabreicht, kann ihn innerhalb von nur 4 Stunden zum Dorph-Zombie wider willen machen. (Widerliche Gerüchte, dass Corporations sich so von unliebsamen Zeugen oder Mitarbeitern trennen, sind gleichsam völliger Schwindel!) Eine Therapie für einen Dorph-Zombie ist unmöglich. Das Gehirn ist völlig zerfressen.

Black Lace. Black Lace ist ÜBEL und wird durch Eclipse Flash von Wrigleys (blau) dargestellt. Black Lace ist ein starkes Beruhigungsmittel und Halluzinogen, das mit der ersten Anwendung bereits süchtig macht. Jedes Black Lace schaltet den Anwender für min. 1/2 Stunde effektiv völlig aus (bei Erstanwendung, regelmäßige Benutzer sind oft stunden- oder sogar tagelang „weg“, können dies aber bei ab 10 Dosen am Tag etwas steuern, sind also „funktionale Lacer“) – er sitzt nur noch da, die Augen auf Halbmast, und seine Lebenszeichen sind minimal. Mehr als 1 Dosis Black Lace auf einmal ist meist tödlich. Lässt die Wirkung nach, beginnen sofort die Entzugserscheinungen, die sich langsam Stunde um Stunde aufbauen. Spätestens 3 Stunden nach der Einnahme würde der Süchtige für das nächste Lace praktisch ALLES tun außer Töten, 5 Stunden nach Einnnahme würde er auch das tun (und generiert Todesschuss 3). 12 Stunden nach Einnahme bringen sich Lacer für gewöhnlich um, da sie es nicht mehr ertragen, auf Entzug zu sein. Gegen Black Lace Abhängigkeit hilft nur Entzug und medizinische Betreuung (3 Monate minimum, zu 12.000 Euro Gesamtkosten).
Die Wirkungen von SynthCoke, Dorph und Black Lace sind Medias sei dank jedem bekannt – viele aber bezweifeln die Wahrheit hinter solchen „Dämonisierungskampagnen“ (auch 2020 glauben die Süchtigen, die Sucht unter Kontrolle zu haben).

Medikamente und weitere Drogen. Die Wirkung spezieller Medikamente im Spiel steht – große Überraschung – auf dem Beipackzettel. Andere Drogen als die genannten existieren, deren Wirkkung erklärt die SL bzw., der verdealende Fixer bei Anwendung. Einige Medikamente siehe ANHANG.

Stehlen und Rauben

Wie üblich darf nur stehlen, wer die entsprechende Fertigkeit hat. Nur spielrelevante Gegenstände dürfen gestohlen werden. Wenn möglich, gebt Gestohlenes sofort bei der Orga ab. Rauben mit vorgehaltener Waffe und auch Plündern darf übrigens jeder.
Jeder Spieler bekommt beim EinCHECKen eine Nummer. Diese Nummer schreibt der Spieler auf mehrere kleine Zettel, die er bei sich tragen muss. Wenn er stiehlt, raubt oder plündert, hinterlässt er einen dieser TAGS am Tatort (er darf etwas versteckt werden). So weiß man, dass nicht real gestohlen wurde. Und so haben auch die Detektive was zu tun. Der TAG-Zettel sollte mindestens Briefmarkengröße haben.

Andere Missetaten

Deine Spielernummer hinterlässt du nicht nur beim Stehlen, sondern immer dann, wenn du heimlich Illegales tust. Überfälle mit Maskierung, Beseitigung von Zeugen … wann immer du eine Straftat heimlich begehst, gibst du mit deinem TAG den Detektiven eine Chance. Wenn du offen, unmaskiert und vor Augenzeugen agierst, kann der TAG entfallen.

Verkleidung

Ein Charakter muss als das auftreten, was er ist. Kein Solo kann sich also als Netrunner verkleiden, kein Corporate als Nomad usw.: Die Zugehörigkeit zu Deiner „Gruppe“ muss immer erkennbar sein. Eine gewisse Tarnung dagegen ist völlig in Ordnung: Schwerer Mantel über den Corp-Anzug, großer Hut ins Gesicht gezogen, falsche Gang-Abzeichen etc. – allerdings sollte man dann auch klugerweise im Hintergrund bleiben, um nicht aufzufliegen.

Staredowns

Konflikte unter Bewaffneten sind gefährlich – für beide Seiten. Darum versuchen viele Cyberpunks, ihre Konflikte bereits vor Ausbruch von Konflikten durch „geistiges Kräftemessen“ zu regeln. Hierbei starren sich beide Kontrahenten in die Augen und sagen ihre COOL-Stufe an. Die höhere gewinnt. Bei Gleichstand gewinnt, wer zuletzt blinzelt. Der Verlierer dreht sich aktiv weg und MUSS im laufenden Konflikt in irgendeiner Weise nachgeben, da der Wille und die Härte des Blicks des Gegners ihn verunsichert hat.

Steckbriefe

Wenn ein COP den Augenzeugen einer Straftat offiziell befragt, darf dieser Zeuge für den Steckbrief ein Portrait des Täters ZEICHNEN.
Und zwar den Kopf, samt Frisur und allem, was das Gesicht markant macht. Und da ist alles Wissen, das der Spieler reell hat, erlaubt. Aber er darf keine Auskünfte erteilen wie z. B. „Er hatte eine Narbe über dem Auge“ oder „er sah aus wie der Spieler Gustav“ – wer das auf der Zeichnung nicht erkennt, hat eben Pech gehabt. Garderobe, Basecap oder Accessoires werden nicht gezeichnet, es geht nur um Kopf, Gesicht, Bart und Frisur.
Alle anderen COPS oder sonstigen Charaktere, die bei der Straftat NICHT anwesend waren, dürfen anhand dieses Steckbriefes den Täter suchen und identifizieren. Aber wieder ganz ohne Hilfe der Augenzeugen. Noch einmal deutlich: Die Zeugen dürfen absolut nichts verraten. Auch in einer Gegenüberstellung darf es höchstens heißen „Der KÖNNTE es gewesen sein“. Es ist dann Sache der Gerichts-AI, über Schuld oder Unschuld eines Verdächtigen zu entscheiden. Wenn es zu einer Lynchjustiz kommt, darf sich keiner der Augenzeugen mit Worten oder Taten beteiligen.

SHIT HAPPENS

Bei jedem Spiel gibt es unschöne Situationen, Regelfehler, Dummheiten und Leute, die Mist bauen. In diesen Situationen kannst du echte Größe beweisen, indem du dich nicht aufregst. Und indem du das, was ausgespielt wurde, hinnimmst, auch wenn es ein Regelbruch war. Sei großzügig. Auch dir kann es passieren, dass du eine Spielregel verletzt. Die Regeln sind für alle neu und komplex, keiner kennt alle auswendig. Und niemand meint es böse (solche Kandidaten laden wir nicht zu einem Spiel ein).

Aber: Was passiert ist, ist passiert. Auch wenn der schlimmste Fall eintritt (z. B. dein Mörder hat seine Waffe gar nicht beherrscht) – wir spulen das Spiel nicht zurück. Wir werden ein ernstes Wort mit dem Übeltäter sprechen, und wir werden den Schaden minimieren. Aber gespielt ist gespielt – und kann nicht rückgängig gemacht werden.

Regeldiskussionen trägt man nicht vor anderen Leuten aus. Nur die aktuell Beteiligten klären Probleme, und damit warten sie, bis sie alleine sind. Wenn du allerdings glaubst, eine Regelverletzung sofort klären zu müssen, dann tu es auch sofort. Wenn zum Beispiel dein Gegner meint, mit einem Wurfballtreffer am Bein hätte er den Todesschuss eingesetzt, sag ihm einfach: „Geht nicht, Beintreffer“.

Wer immer wieder durch Regelbrüche unangenehm auffällt, sollte bei uns verpfiffen werden. Manche Leute brauchen ab und zu einen Einlauf. Aber diese undankbare Aufgabe liegt bei uns, nicht bei dir.

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ENNIE AWARDS – I VOTED

Nuff said. Hier der Link: http://www.ennie-awards.com/

Traveller | Deutscher Spielleiterschirm

Wie eigentlich zu jedem Rollenspiel, so habe ich mir auch für TRAVELLER von 13Mann einen eigenen SL-Schirm gebastelt. Anders als andere meiner Schirme aber ist dieser im Querformat. Die Grundidee hierfür kommt einerseits vom offiziellen D&D 4E Schirm: Auch dieser besteht aus 3 (oder waren es 4?) querformatigen Seiten, die ganz regulär zum Schirm aufgestellt werden. Der Vorteil: Bei voller Wahrung des Sichtschutzes sehe ich umgekehrt von den Spielern und ihren Würfen wesentlich mehr :)

Hier bietet TRAVELLER ja eh den Vorteil, dass nur mit W6 gewürfelt wird, der sich auch auf Entfernung sehr gut ablesen lässt (speziell dann, wenn man Klarsichtwürfel am Spieltisch verbietet). In meiner Runde konnte ich die Spielübersicht (und meine Bequemlichkeit) dadurch steigern, dass ich zum Leiten ein um 90° gedrehtes, stabiles Notizheft verwende:

So eins.

Den SL Schirm unten habe ich mir in den vorderen Heftdeckel eingeklebt. Somit kann ich das Heft „wie einen Laptop“ auf dem Schoß behalten, habe das Abenteuer stets im Blick und kann im Bedarfsfall mit einem Griff zum Schirm umblättern, um etwas nachzuprüfen.

Besonders nützlich und gewiss auf keinem offiziellen Schirm enthalten ist die Übersetzungsliste für Handelscodes unten rechts: Egal, ob wir das leider fehlerhafte deutsche Spinwärtsmarken-Buch verwenden (in den Tabellen sind statt der deutschen die englischen Handelskürzel gelistet) oder etwas im Internet nachschlagen, z.B. im riesigen englischen Traveller Wiki oder auch der interaktiven Traveller Map: Immer hab ich sofort im Blick, was die Codes aussagen.

Zugegeben: Der Schirm ist nunmal für MICH gemacht. Und einige Kurznotationen erschließen sich nicht unbedingt sofort. Kurzer Abgleich mit dem Regelwerk – oder eine Frage in den Kommentaren hier – schaffen aber schnelle Abhilfe. Enjoy!

>>> DEUTSCHER TRAVELLER SL-SCHIRM <<<

Shadowrun | 36 Holdingfirmen

HINWEIS: Der folgende Artikel vom November 2008 war im Blog falsch katalogisiert und ist somit ggf. der Aufmerksamkeit einiger Interessierter entgangen (er wurde bisher nicht mitgelistet, wenn die Kategorie „36 Dinge“ aufgerufen wurde). Deshalb wird er hier wiederholt.

36 DINGE die man bei der Recherche nach Geldflüssen und Besitzverhältnissen finden kann.

36dinge ist die Kategorie für Listen, die dir als Spielleiter das Leben einfacher machen können. Wann immer dir grade eine Idee fehlt, im Run die Action stockt, Downtime oder Wartezeit auf später eintreffende Spieler zu überbrücken oder eine Beschreibung “mal eben aus dem Ärmel geschüttelt” werden muss, helfen die Listen der 36dinge, den kleinen Denkanstoß zu geben.

Gewürfelt wird auf den Listen mit 2W6, wobei einer die “Zehnerstelle” und der andere die “Einerstelle” ist.

36 Holdingfirmen sind Unternehmen, Gesellschaften und Einzelpersonen, die Charaktere bei der Suche nach den „wahren Besitzverhältnissen“ eines Konzerns finden können (ein Szenario, das ja des öfteren vorkommt). Der Spielleiter sollte sich überlegen, über wieviele Scheinfirmen und Konten ein „Spieler in den Schatten“ (meist ein Megakonzern, aber auch ein einzelner Konzernangestellter, der auf eigene Rechnung agiert) geschützt ist, und für jede dieser Stationen einen separaten Wurf verlangen (auf was auch immer er als geeignete Mßnahme zum Aufspüren der Verbindung er betrachtet).

36 Holdingfirmen

11 diskreet Finanzdienstleistungen, Den Haag (ein kleines Finanzunternehmen, das die Anmietung von Konten und Schließfächern anbietet und Diskretion für seine Transaktionen verspricht)
12 Adam Whistler Finanzmanager, Caiman Islands (ein privater Investor, der für Auftragskunden Finanztransaktionen durchführt und Streubesitz verwaltet)
13 Renraku Private Investment, Ottawa (eine von Renraku im Zuge einer größeren Aufkauf-Aktion miterworbene Privatbank, die nach Erwerb quasi vergessen wurde, aber weiterhin vor sich hin wirtschaftet)
14 AldiReal Finanzkundencenter (eigentlich eine Kreditstelle von AldiReal, die Ratenzahlungen und Kredite für Sonderangebote des Unternehmens abwickelt („jetzt das neue Trideo-Gerät kaufen, in 3 Jahren bezahlen“). Unterhält als Nebengeschäft ein kleines Konten-Netzwerk für „ausgewählte Kunden“, das 2065 im Zuge einer Kreditoffensive geschaffen und 2068 bereits wieder eingestellt wurde. Durch vertragliche Verwicklungen können die einmal eingerichteten Konten frühestens 2085 aufgelöst werden und „geistern“ daher noch herum)
15 ADL Wohlstandsfond (ein von der ADL Regierung bezuschusster Beteiligungsfond, der diverse Unternehmen aufkauft, um sie vor der Pleite zu bewahren, und sich parallel durch klassische Investitionsgeschäfte zum Teil refinanziert)
16 Pro Bono Privatbank, Mailand (eine medienbekannte Geldwaschanlage der Mafia, die aber auch mafia-externen Personen entsprechende Dienstleistungen anbietet)

21 Everest Horizon Financial, Bombay (eine zur Horizon Gruppe gehörende Bank mit gutem Ruf und umfassenden Finanzdienstleistungen, einschlägig bekannt als gute Adresse für Steuerhinterzieher)
22 Guernsey Invest, Guernsey (auf den Kanalinseln gelegener Geldwaschbetrieb, der finanzielle Transaktionen verschleiert, indem er Geldbeträge anderer Währungen auf Guernsey-Pfund umbucht, intern von einem Konto auf ein anderes verschiebt und dann in eine andere Währung überträgt und weiterleitet. Die eigentliche Verschleierung geschieht durch die Steuerbehörde des Inselstaates, die für diesen „Service“ 3% Transfersteuern abzweigt, was Guernsey nach wie vor zu einem der reichsten Staaten der Erde macht).
23 BAAL Matrix Invest, Vladovostok (reine Matrixbank mit äußerst unklaren Geschäfts- und Besitzverhältnissen, vermutlich mit Connection zu den Vory (Russenmafia))
24 Wohnpark Ahrensfelde, Berlin (ein umfassend projektiertes, indes seit gut 10 Jahren unvollendetes Wohnbauprojekt in Berlin mit chaotischer und kaum zu durchschauender Finanzierungs- und Beteiligungsstruktur)
25 Dawai Beteiligungsgesellschaft, Kiev (Investmentfirma, die in Unternehmen investiert, die entweder in Schieflage geraten sind oder vom Start weg reine Briefkastenfirmen sind)
26 Save Earth Hilfsorganisation, Portland (in Tir Tairngire gelegene Scheingesellschaft, die sich laut Eigendarstellung um die Finanzierung von Unternehmen mit nachhaltiger Wirtschaftsweise bemüht. Vom Tir-Staat steuerlich begünstigt und bezuschusst)

31 Henry Smith, Boston (Just das. Eine einfache Hoteladresse (Best Western Grand Hotel, Room 2012) als Geschäftssitz, keine Vita. Straßenermittlungen ergeben, dass Henry Smith ein äußerst fähiger Finanzschieber ist, der durch mindestens 100 Scheinfirmen agiert und mindestens einen Drachen als Kunden haben soll)
32 Drachenhort Finanzcenter, Mühlried (ein durch die Draco Foundation günstig aufgekauftes privates Bankhaus mit 12 Filialen, von der Foundation als reines Investment betrachtet (nicht direkt geleitet, passive Eignerschaft) und abgeschrieben)
33 Hai Pnoeh Knopfzellenfabrik, Samut Prakan (in Thailand beheimatetes Industrieunternehmen, das vorinstallierte Knopfzellen für Billig-Komlinks diverser Unternehmen herstellt. Äußerst verwirrende Besitzverhältnisse und ein internes Kontierungssystem, das zu Großteilen abgekoppelt von der Matrix existiert (in handschriftlichen Kladden im Verwaltungsgebäude in Samut Prakan))
34 Metropol, Berlin (Privatunternehmen uneindeutiger Rechtsform (aus Status F Zeit), das mehrere Bars und Clubs in Berlin betreibt. Augenscheinlich starke Vory-Verbindungen, aber von der neuen Konzernspitze Berlins toleriert)
35 Yören Industries, Kiruna (Schwedischer Erzeuger von Frustbällen für mehrere Spielwaren- und Werbeartikelanbieter. Äußerlich äußerst unspektakulär, aber mit auffallend guter Matrixsicherheit und militärischen Aktivposten, angeblich zur Abwehr von Gefahren der umliegenden Erwachten Natur)
36 Salvatore Gesellschaft, Independenzia (In Paraguay beheimatetes Unternehmen mit einem einzigen Kleinbüro außerhalb Independenzias. Berät Investoren über lohnende Beteiligungen in Paraguay und in speziellen Fällen auch außerhalb. Volleigentümer mehrerer regionaler Wohnparks und Privatunterkünfte, die in Schattenboards als beliebte Verstecke für gesuchte Personen gehandelt werden).

41 Z.O. ZERO, Zürich Orbital (Die Spur endet an einem Knoten in Zurich Orbital, der für Verschleierung (Anonymisierung) von Geldgeschäften entwickelt wurde. Betreffende Geschäfte sind bei einer Stelle des Konzernrates registriert und „verbucht“, allerdings hat die betreffende Stelle den Daumen drauf, wem sie die Info herausgibt. Die Alternative besteht in einem Hack des betreffenden Knotens in Z-O),
42 Anonymisierte Firmenbörse (Die Spur endet bei einer Firmenbörse. Dies sind weltweit tätige Unternehmen, die Konkursmasse aufkaufen und die Unternehmen versteigern oder weiterverkaufen. Üblicher Weise hält eine Firmenbörse ein Unternehmen maximal ein halbes Jahr fest. Namen für Firmenbörsen sind z.B. VENTURE STREET (Jerusalem), CorpBay (Caiman Inseln), CorpDeal (HongKong) oder CorpsForCa$h (Dubai)
43 ID Protect, Singapur (ein Anonymisierungsdienst wurde zwischengeschaltet, um die Identität des nächsten Eigners zu verschleiern. Dessen Name ist als anonyme Kontonummer registriert. Nur ein Hack gegen ID Protect bringt hier weitere Klarheit).
44 European Investment Trust, Bordeaux (ein Anteils- und Aktienfond mit eigenem Management und eigenen Sicherheitskräften)
45 E-Pay, Caiman Inseln (Anonymisierungsbank, deren einziger Zweck die Verschleierung von Geldströmen ist. Gefundener Eigner ist nur eine Kontonummer. Nur ein Hack bringt hier weitere Klarheit).
46 Royal Bank of Dubai, Dubai (Staatliche Bank mit sehr strenger Sicherheit. Eigner wird als Fondeigner identifiziert, verbirgt sich aber hinter anonymer Kontonummer)

51 E-Broker, Seattle (Eigner ist ein von einer Pseudo-KI geführter Investmentfond)
52 Jacques LaSalle, Zurich Orbital (ein in Finanzkreisen bekannter Investmentbroker und Agent, der für verschiedene Auftraggeber, die lieber anonym bleiben wollen Geschäfte abwickelt. Sitzt für seine Klienten in 18 Vorständen und 165 Aufsichtsräten, nimmt an Konferenzen nur virtuell teil)
53 Obscure Inc., Edinburgh (Anonymisierungsdienst mit starken Verbindungen nach Tir nAn Og)
54 Starck & Geißen Anwaltskanzlei für Finanzgeschäfte, Duisburg (eine auf Finanzgeschäfte spezialisierte Kanzlei mit 212 Anwälten und Vertretungen in 22 Ländern. Wickelt für Klienten diverse Finanzservices ab und managed mehrere Fonds treuhänderisch)
55 Couatl ID Encryption, Mexico City (ein Anonymisierungsdienst wurde zwischengeschaltet, um die Identität des nächsten Eigners zu verschleiern. Dessen Name ist als anonyme Kontonummer registriert. Nur ein Hack gegen CIE bringt hier weitere Klarheit).
56 The Harker Foundation, Kapstadt (eine Stiftung, 1934 errichtet, aufgebaut auf dem Vermögen mehrerer Finanzmagnaten ihrer Zeit, die einen Teil ihres Vermögens der Stiftung hinterlassen haben. Leiter der Stiftung ist der Exzentriker Ghent Brunell, der angeblich ein Ork ist (aber so genau weiß das niemand).

61 Cashflow Finanzierungsservices, Washington DC (eine Privatbank mit weitreichender Tätigkeit im Bereich Investment)
62 ZO Fonds (Eigner ist ein Fond, der nur eine Registernummer bei der Z-O Bank hat. Derartige Fonds gelten als nahezu unknackbar, was das Ermitteln der wahren Eigner angeht)
63 Agent X, Tokio (zwar nicht Eigner, aber vollbefugter Manager des Besitzes ist ein Agent, d.h. ein Expertenprogramm mit eigener Matrixikonografie. Alle Agents dieser Adresse gehören zu einer der japanischen Großbanken wie die Master Trust Bank of Japan. Es ist möglich, den Agenten in einem virtuellen Matrixbüro zu treffen)
64 Johnson & Johnson Unternehmensberatung, San Francisco (Verschachteltes Unternehmen, dass sich auf allerlei Services rund um die Tätigkeit eines klassischen Johnson spezialisiert hat. Einer der Haupttätigkeitsbereiche ist die Anonymisierung des Cash Flows von respektablen Unternehmen in die Hände von Shadowrunnern. Die J&J gibt eigene Sticks aus).
65 Shiawase Global Bank (riesiger Finanzdienstleister mit breit aufgestellten Beteiligungen an unzähligen Firmen, die meisten davon aber als reine Spekulationsobjekte in Bankeigenen Fonds)
66 TRACE & BURN (der Eigner hat einen Service eingeschaltet, um seine Identität zu schützen. Den haben die Runner gerade aktiviert. Was immer sie gerade getan haben: Der Versuch endet abrupt. Wenig später fahren Männer in schwarzen Anzügen vor und versuchen die Runner vom letzten Kontaktpunkt aus zu verfolgen)

Traveller | Sturz auf Jenghe

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Der März ist da, die Blogpause ist vorbei! Und los geht’s!

Das folgende Abenteuer ist ideal für eine Einführung in das TRAVELLER Rollenspiel oder die Ausgestaltung einer beliebigen Reise von einer Orbitalstation zum Boden, etwa als Zwischenabenteuer oder zur Überbrückung eines Spielabends, bei dem einige Spieler unerwartet fehlen.

In meiner Runde stand dieses Abenteuer am Anfang der Kampagne und spielte auf Jenghe in den Spinwärts-Marken, es kann aber auch auf jeder anderen Welt spielen, die eine Orbitalstation, einen regelmäßige Pinassen-Verkehr zwischen dieser und einer beliebigen Bodenstation und wenigstens eine Handvoll unzufriedener und gewaltbereiter Extremisten in der Bevölkerung besitzt.

EINFÜHRUNG

Was immer ihr früherer Beruf war: Die Spielercharaktere haben ihre Karriere hinter sich gebracht, fühlen sich aber noch viel zu jung, um sich auf das Altenteil zurückzuziehen. Einige von ihnen besitzen ein gewisses finanzielles Polster, manche vielleicht sogar Schiffsanteile – und ein Schiff gehört zum gemeinsamen Traum der bereits über ihre Karriere miteinander bekannten TRAVELLER.

Diese Grundannahme basiert auf den üblichen Erschaffungsregeln von TRAVELLER in der 13Mann-Edition. Für das Abenteuer wichtig sind sie nicht unbedingt. Ich schildere das Abenteuer hier in der Form, wie ich es bei mir eingesetzt habe. Das Abenteuer selbst lässt sich aber auch einfach als „Störfall“ während eines routinemäßigen Fluges von Punkt A nach Punkt B abhandeln – unter Umständen sogar statt an Bord einer Pinasse auch als Vorfall während eines Flugzeug-Fluges, z.B. auch in einem anderen Spielsystem, wie etwa SHADOWRUN, CYBERPUNK 2020 etc. Die Anpassungen hierfür sind minimal.

Im Idealfall beginnt die Kampagne auf Regina in den Spinwärtsmarken – eine Welt im imperialen Randgebiet, die sich perfekt als Startpunkt für jede Art von abenteuerlicher Unternehmung eignet. Ein Standardszenario wäre, dass die einander bekannten Charaktere sich auf Regina verabredet haben, um dort zu überlegen, was sie mit ihrer Zeit nach Ende der Karriere anfangen wollen. Im Zuge dieser Gespräche – die z.B. live am Spieltisch erfolgen könnten, während die Charaktere in einer Bar ihres Hotels in der Sternenstadt von Regina sind – wird das Gespräch auf das Thema „Schiffserwerb“ kommen, und dabei eröffnet sich folgende Gelegenheit:

Einer oder mehrere Charaktere – vorzugsweise jene, die von der Karriere her mit Handel oder Raumschiffen zu tun hatten, letztlich ist es aber egal, wer – hat in einem der Nachrichtenkanäle vom Bankrott einer kleineren Freihandelsgesellschaft mit Namen FAR HORIZONS LTD gehört, deren Konkursmasse nun im Zuge des Insolvenzverfahrens unter den Hammer kommen soll.

Dies wäre an sich noch keine allzu große Sache – tagtäglich gehen kleinere und größere Handelsgesellschaften pleite – aber hier besteht die besondere Situation, dass FAR HORIZONS LTD eine Filiale mit Lagerhallen und drei Schiffen auf dem nur Sprung-1 von Regina entfernt liegenden Jenghe hat, die getrennt von den restlichen Gütern verauktioniert werden sollen (nämlich zur Vorfinanzierung des restlichen Insolvenzprozesses).

Dies wiederum ist deshalb interessant, weil Jenghe sehr obskure Handelsbestimmungen hat, die auf jede Art von „Fernhandel“ erhebliche steuerliche Belastungen legen. Würde man also die auf Jenghe geparkten FAR HORIZONS Schiffe von Regina aus kaufen, würde dies zu einer Verteuerung der Schiffe um etwa 20% Prozent führen – etwaig dort lagernde Frachtgüter würden sogar 50% teurer.

Diese Handelsschikane seitens des „Eigentümers“ von Jenghe – dem STERNMETAL HORIZONS Megakonzern – lässt sich nur umgehen, indem man den Kauf direkt auf Jenghe durchführt: Eine künstlich geschaffene Handelserschwernis, die ganz bewusst den insterstellaren Handel erschweren soll und dem Imperium daher seit Jahren ein Dorn im Auge ist.

Für die Charaktere ist diese Situation großartig: Während die meisten Schiffshändler und Aufkäufer von Konkursmasse auf Regina davor zurückschrecken werden, einen derart finanziell belasteten Fernkauf durchzuführen oder „nur wegen ein paar schäbiger Schiffe“ eine mehrere Wochen dauernde Reise nach Jenghe und zurück durchzuführen, haben die pensionierten Charaktere problemlos diese Zeit und können somit ein regelrechtes Schnäppchen machen.

Für den Erhalt der obigen Informationen samt Entwicklung des Planes könnte der Spielleiter natürlich Proben auf Verwaltung und Makler verlangen und somit dem Händler der Gruppe ein kleines Erfolgserlebnis gönnen – die notwendigen Informationen können aber ebenso gut durch einen Informanten via Milieu oder einfach aus dem Datennetz per Computer abgerufen werden, durch Geselligkeit oder Aufklärung in einer Bar belauscht oder einfach ohne Probe direkt in einem Nachrichtenartikel oder Foreneintrag enthalten sein.

Nochmal: Für das Abenteuer selbst ist gänzlich unerheblich, warum die Charaktere nach Jenghe fliegen – oder ob es überhaupt Jenghe ist. Einzige Bedingung ist, dass sie mit einer Linienpinasse von einer Orbitalstation zu einem Bodenhafen fliegen. Besitzen die Charaktere bereits ein eigenes Schiff, könnte diese Situation auch über ein striktes Landeverbot für nicht zur Landung lizensierte Außenweltler geschaffen werden (das Lizensierungsverfahren steht natürlich jedem frei – man will ja niemanden diskriminieren – die dafür notwendige Genehmigung dauert auch nur 4–6 Monate).

JENGHE UPLIFT

Start auf Jenghe Uplift: Vorausgesetzt, man will das Abenteuer auf Jenghe spielen lassen, wird es nun Zeit, sich als Spielleiter mit der Beschreibung von Jenghe zu beschäftigen. Der Transit von Regina nach Jenghe verläuft problemlos und kann entweder zur Einstimmung auf das TRAVELLER System und die Welt ausgespielt oder übersprungen werden (ich selbst ließ das Abenteuer direkt auf Jenghe Uplift starten und behandelte die Ereignisse, die dorthin führten, als Rückblick). Zu Beginn haben die Charaktere die Aufgabe, von der Andockrampe des Schiffes, mit dem sie von Regina aus angekommen sind, zum Ausleger für den Pinassentransfer nach Jenghe zu gelangen und dabei irgendwo eine öffentliche Kommunikationsbox zu finden, über die sie den FAR HORIZONS Insolvenzverwalter UMAN LEGERET kontakten und ein Meeting vereinbaren (sie können natürlich auch einen eigenen Kommunikator benutzen – die Kontaktinformationen haben sie problemlos auf Regina besorgen können im Zuge der Reisevorbereitungen).

Kontakt mit dem Insolvenzverwalter: Wenn sie ihn kontaktieren, wird ihnen UMAN LEGERET sagen, sie sollen zum Sitz von FAR HORIZONS in der Sternenstadt von Jenghe kommen, REGINALD TOWERS Geschäftsturm, Ebene 42. Legeret klingt erschöpft und atmet schwer (er kommt von Reiner zweijährigen Insolvensabwicklung auf einer Niedrig-G-Welt ist erst vor 2 Wochen zur Abwicklung der Insolvenz auf Jenghe angekommen – die hier mit 1.1 G im Vergleich deutlich größere Schwerkraft macht ihm schwer zu schaffen, und er bildet sich ein trotz Gebäudefiltern Algenpollen zu atmen, weswegen er öfters trocken hustet).

Aufenthalt auf Jenghe Uplift: Die Charaktere starten also auf der Orbitalstation über Jenghe: Eine zylinderförmige Raumstation mit mehreren Auslegern zum Andocken riesiger, unförmiger Frachter, welche die extrem verdrängungsintensiven Dämmplatten aus Algenpollen – Jenghes einzig nennenswerte Ausfuhrprodukt im großindustriellen Maßstab – abholen. Die Station vermittelt einen industriellen und sehr funktionalen Eindruck. Ihr ist deutlich anzumerken, dass Jenghe selbst nur wenige außenweltliche Besucher erhält, da die meisten Schiffe nur am äußeren Gasriesen auftanken und gleich weiterspringen. Außerdem kann der Spielleiter Hinweise auf einen in der Luft schwebenden politischen Konflikt auf Jenghe streuen, indem er in die Beschreibungen kleinere Zeichen von Vandalismus und „UNITITAD!“ Graffittis einstreut.

Begegnungen auf Jenghe Uplift: Die auf Jenghe Uplift anzutreffenden Personen gehören fast ausschließlich zu STERNMETAL HORIZONS und tragen entsprechende Arbeitsoveralls (je nach Tätigkeitssparte Orange (Techniker), Grün (Algenarbeiter), Blau (Piloten/Fahrer), Rot (Ladearbeiter) oder Schwarz (Sicherheit)). Die Charaktere fallen als Außenweltler sofort auf, was aber nicht schlimm ist – die Jengher sind Außenweltlerbesuche zwar nicht gewöhnt, die meisten hier stationierten Arbeiter sind aber selbst einst von anderen Welten hierher gekommen und freuen sich darauf, nach Ableiste eines 5-, 10- oder 20-Jahres-Vertrages wieder in ihre oder eine beliebige pollenfreie Welt zurückzukehren. Eine Sonderstellung haben die COOTS (abgeleitet von „Coats“, auch Weißkittel genannt): Dies sind überwiegend von Regina stammende leitende Angestellte und technische Entwickler, die immer nur für maximal ein oder zwei Quartale nach Jenghe kommen und den Rest der Zeit von Regina aus arbeiten. Sie sind es, die neue Anlagen und Verfahren planen, entwickeln und dann auf Jenghe umsetzen lassen. Da sie oft Jenghe nicht besonders gut kennen, sind viele „Verbesserungen“ aus Sicht der Jengher Arbeiter unsinnig oder kontraproduktiv, was immer wieder zu Kompetenzstreitigkeiten führt. Auf Jenghe sondern sich die Coots von den Arbeitern ab und beide Gruppen halten sich gegenseitig für geistig minderbemittelt, starrhalsig und einen Schmerz im Arsch.

Zur Ausschmückung des Aufenthalts: Folgende Dinge kann der Spielleiter einstreuen, um den Aufenthalt auf Jenghe Uplift lebendig(er) zu gestalten:

  • Boden und Decke der breiten Hauptgänge sind aus Stahlgittern, z.T. kann man durch die Gitter Blicke auf Rohre und Leitungen, zum Teil in angrenzende Stockwerke werfen
  • Durch ein langgezogenes Fenster ist ein Ausblick auf einen der Ausleger der Station zu sehen, wo gerade ein klobiger Schwerlastfrachter ablegt und seine Triebwerke zum Wenden zündet
  • Ein Paar Konzernwachen von STERNMETAL HORIZONS halten die Charaktere an und wollen Ausweise sehen. Dabei fragen sie ohne großes Interesse nach dem Grund des Aufenthaltes und Ziel (Downport). Erfahren sie, dass die Charaktere nach Jenghe hinunter wollen, weisen sie ihnen den Weg zur Transfer Lounge, wo man einen Flug mit der Linienpinasse buchen kann.
  • In einer Sektion des Gangs sind die Leuchtröhren defekt. Es blinkt und manchmal regnen ein paar Funken hinab. Die Wände wirken rußig, als habe hier jemand einen Molotovcocktail geworfen.
  • Ein Gang ist wegen Umbauarbeiten gesperrt. Tatsächlich sind mehrere Arbeiter in STERNMETAL HORIZONS Overalls dabei, korrodierte uralte Platten und Bauteile durch neuere zu ersetzen.
  • Zurückgesetzt in einer Wand befindet sich eine Art mobiler Kiosk. Der Betreiber ist ein Schwarzer mit vier vergoldeten Zähnen in einem dunklen Isoliermantel, an dessen Brust eine eingeschweißte Verkaufsgenehmigung angepinnt ist. Er verkauft klassischen Arbeiterbedarf (Zigaretten, Schnaps, Zeitschriften, Sandwiches, Snacks, widerlichen Algenkaffee, Einwegrasierer, kleine Medkits und unter der Theke Pornografie, Stimulanzdrogen, ein paar harmlosere Rauschmittel). Außenweltlern verkauft er zusammen mit seiner Ware auch ein paar gute Tipps, von denen er sich die Hälfte aber spontan ausdenkt (er selbst war noch nie auf Jenghe unten, behauptet aber dort eine Familie mit Kindern zu haben und Jenghe auswendig zu kennen – hier kann der Spielleiter echt totalen Quatsch erzählen, sollte aber den Charakteren per Proben gestatten, an der Ehrlichkeit der Angaben zu zweifeln (z.B. Psychologie, Geselligkeit, Milieu, Täuschung, Überreden oder einfach SOZ).
  • Die Charaktere passieren ein Schild: WAS DER FIRMA SCHADET, SCHADET DER WELT. MELDE VERDÄCHTIGES. DER GEWERKSCHAFTSPRÄSIDENT. Das Schild wurde von einer Farbbombe getroffen.
  • Die Charaktere passieren ein Zylinderhotel, in dem man Schlafsärge und Staucontainer für Gepäck oder Ladung mieten kann, die man nicht mit hinunter nach Jenghe nehmen will. Eine Infotafel warnt vor der hier üblichen Ein- und Ausfuhrsteuer von 25%. Im Kleingedruckten findet sich unverständliches verwaltungstechnisches Kauderwelsch, wie es zur Berechnung von 25% kommt und auf welche Personengruppen mit welchen Lizenzen dies nicht oder nur eingeschränkt zutrifft (ein Charakter mit Verwaltung kann einen Wurf machen und findet die für die Charaktere wichtige Ausnahmeregelung, dass auf solche Waren, die direkt auf Jenghe von einem entsprechend lizensierten lokalen Händler erworbenen Güter lediglich der üblichen imperialen Steuer unterliegen (also auch das Schiff, das sie dort unten kaufen wollen)).
  • Eine Reihe Kommunikationsboxen im Look rundgelutschter offener Telefonzellen, die meisten mit defektem oder sehr verschmiertem Bildschirm. Hier können die Charaktere ihren Geschäftskontakt auf Jenghe erreichen. Neben der Reihe steht ein Verkaufsautomaten für Snacks und Filtermasken, daneben steht ein interaktiver medizinischer Verkaufsautomat, der laut ständig ablaufender Werbeeinblendung unerlässliche Produkte für Außenweltler führt. Ein einfacher Wurf auf Medizin offenbart, dass abgesehen von einer möglicher Weise tatsächlich nützlichen antiallergenen Hautcreme und einem ebenfalls antiallergenen Augentropfenpräparat der große Rest medizinisch bestenfalls zweifelhafter bis gänzlich nutzloser Schnickschnack für Hypochonder ist.
  • Auf einer Trenntür klebt ein bereits wieder halb abgepuhlter Sticker: NIEDER MIT DER KORR… …IERUNG! FÜR EIN FREI… …NIGT EUCH! UNITITAD!

Über Unitidad: Je nachdem, wie sich die Charaktere auf die Reise vorbereiten oder wie aufmerksam sie durch die Station gehen, werden sie Hinweise auf einen schwelenden Konflikt auf Jenghe bekommen, in dem auch die extremistische Gewerkschaftsgruppe UNITIDAD um die Gewerkschafterin BORDANA WALSH eine Rolle spielt. Fragen die Charaktere hierzu Stationsbewohner, Mitreisende oder Sicherheitspersonal oder ziehen sie weitere Erkundigungen etwa in Newsarchiven etc. ein, so erhalten sie die Info, dass UNITIDAD zwar lästige, aber an sich harmlose Unruhestifter sind, denen man bislang wenig mehr vorwerfen kann als Vandalismus und kleinere Zusammenstöße zwischen UNITIDAD Demonstranten und der STERNMETAL HORIZONS Sicherheit bzw. der Miliz der Gewerkschaftsregierung. UNITIDAD wirft der Gewerkschaftsregierung vor, korrupt zu sein und letztlich völlig in Diensten von STERNMETAL HORIZONS zu stehen. UNITIDAD möchte dem gegenüber eine echte unabhängige Jenghe Weltregierung, die dann mit dem Herzog von Regina gerne Einigung in Fragen der Systemsicherheit erzielen will. UNITIDAD hat besonders viel Unterstützung durch die Minderheit derjenigen STERNMETAL HORIZONS Mitarbeiter, die auf Jenghe geboren sind oder Jenghe als ihre wahre Heimat begreifen: Während die Mehrzahl auch der Gewerkschaftsmitglieder Jenghe nur als Arbeitsplatz begreifen, an den sie nichts weiter bindet und den sie in ein paar Jahren wieder verlassen werden, möchten die Mitglieder der UNITIDAD Bewegung Jenghe eine dauerhafte Zukunftsperspektive geben, zu der auch eine Wiederaufnahme des (für STERNMETAL HORIZONS Algenabbau ruinösen) Terraforming Projektes der Ausfilterung der Algen aus der Luft und einen Wandel Jenghes zur Agrar- oder Touristikwelt gehört. Gerüchte legen nahe, dass UNITIDAD möglicher Weise indirekt von Regina aus unterstützt wird; zumindest scheint UNITIDAD überzeugt, dass Jenghe in unmittelbarer Gefahr einer Zhodani-Invasion steht und eng mit Regina kooperieren sollte, um im Falle eines Angriffs nicht schutzlos ausgeliefert zu sein. Wichtig ist für das Abenteuer, dass Befürchtungen der Charaktere und der Spieler, eine Revolution auf Jenghe stehe unmittelbar bevor, etwas zerstreut werden: Zwar kommt es innerhalb des Abenteuers just zu einer Eskalation des Konfliktes, aber zu Beginn des Abenteuers gibt es nichts, was von vorneherein darauf hindeuten würde. Entsprechend sind die Sicherheitstruppen von STERNMETAL HORIZONS wie auch alle Bewohner und Passanten entspannt und durchaus nicht auf Konflikt aus.

DER PINASSENAUSLEGER

Wenn die Gruppe genug gesehen hat, erreicht sie einen runden Raum mit mehreren Sichtfenstern in den Weltraum, durch die auch ein langer Ausleger mit einer Andockvorrichtung für fünf Pinassen und die Welt Jenghe selbst zu sehen ist. Der Ausleger ist hohl und letztlich ein Gang zur Andockvorrichtung, der in diesen runden Raum, die TRANSIT LOUNGE, mündet.

In der Lounge gibt es sechs Reihen doppelseitiger Hartschalensitze für wartende Reisende, einen Snackautomaten, einen Getränkeautomaten, ein Newsterminal zum Laden von Nachrichten und Briefen auf ein beliebiges Komlink oder Displaysystem (alternativ kann man sie sich auch ausdrucken lassen), einen Automaten für Reisemedizin (siehe oben), drei Schalter zum Lösen von Flugtickets und eine Sicherheitsschleuse, an der Gepäck durchleuchtet, Waffenkontrollen durchgeführt und Papiere überprüft werden (besetzt durch 6 STERNMETAL HORIZONS Sicherheitskräfte mit Körperwesten und einfachen Pistolen).

An der Decke hängen mehrere Monitore, auf denen Reiseinformationen und stumm geschaltete TV-Sendungen zur Unterhaltung der Wartenden laufen. Es sind etwa ein Dutzend Wartende anwesend, was der Lounge einen eher leeren Eindruck verschafft.

Der generelle Eindruck der Lounge entspricht weitgehend heutigen Flughäfen – der Spielleiter ist also ganz frei darin, den Ort weiter auszuschmücken.

Flugkosten und Modalitäten: Der Transit nach Jenghe Downport (die Sternenstadt Jethero) kostet 20 Sterns (Sternmetal Horizons Kredite) bzw. 60 Imperial (imperiale Standardwährungs Kredite). Persönliche Waffen sind erlaubt, erfordern aber einen Einfuhrzoll von 25% des Neupreises und eine Waffenlizenz für Jenghe, die direkt am Schalter für 10 Sterns (30 Imperial) gelöst werden kann – während des Fluges aber sind keine Waffen erlaubt, diese werden in den speziell gesicherten Laderäumen für Handfracht an Bord der Pinasse weggeschlossen und nach der Landung ausgehändigt. Auf andere mitgeführte Handelsartikel (wozu auch andere neuwertige Artikel gehören, von denen die Leute am Schalter hier annehmen dass sie für den Verkauf auf Jenghe bestimmt oder geeignet sind) wird ein Einfuhrzoll von 25% erhoben plus 100 Sterns (300 Imperial) für den eigentlichen Transport in einer versiegelten Frachtkiste. Da die Ein- und Ausfuhr von Waren und selbst umfassendem Gepäck zu unattraktiv ist, sind 8 der insgesamt 10 durch die Linie eingesetzten Transitpinassen zwischen Hithero und Jethero reine Passagierpinassen. Die in etwa 20 Minuten abgehende Pinasse ist fast voll besetzt, die letzten freien Plätze sind die Nummern 3A, 3B, 4C, 5A, 5C, 6A und 6B (die Frau am Schalter fragt natürlich nur nach Fenster (A und C) oder Gang (B und C) oder beides (C) und platziert die Charaktere ohne großes Interesse – letztlich können die Charaktere natürlich frei entscheiden, wie sie sitzen wollen, der Spielleiter sollte einfach die jew. Sitznummer notieren und um die Sitzzuteilung kein allzu verdächtiges Aufhebens machen).

Verdächtige Zwischenfälle: Da die Spieler davon ausgehen, ein Abenteuer zu erleben, werden sie ggf. angespannt sein. Der Spielleiter kann versuchen, sie zu einer Überreaktion zu provozieren, um sie auf ein „normales“ (realistischeres) Maß an Vorbereitung auf Ärger herunterzuholen. Ein Beispiel hierfür wäre, in der Transit Lounge Initiative würfeln zu lassen und dem Charakter, der zuerst handeln kann, mitzuteilen dass drei bullig gebaute Leute in Lederjacken eben die Lounge betreten haben und dabei sind, in ihre Innentasche zu greifen. Tatsächlich handelt es sich um imperiale Miliärangehörige, die sich im Transit zu ihrem Kreuzer befinden (eine gecharterte Pinasse legt in etwa einer Stunde ab; die Militärs greifen in die Innentasche um ihre Ausweispapiere zu ziehen). Andere Vorfälle dieser Art könnten ein plötzlicher Schrei sein (zwei alte Kollegen treffen sich zufällig wieder), ein lauter Knall (einem Techniker ist sein Schweißgerät aus der Hand gerutscht) oder ein plötzlicher Sirenenton (ist ein Routineton, mit dem die in der Station Aufhältigen gewarnt werden, dass die Manöverdüsen der Station zünden – laut Stationsbestimmungen sollen so Unfälle vermieden werden, obwohl die Düsen längst nicht für solche Erschütterungen sorgen, dass man sich festhalten müsste).

Was wirklich abgeht: Natürlich wird es auch einen gefährlichen Zwischenfall geben. Während die Pinasse sich darauf einrichtet, abzudocken, findet einige tausend Kilometer tiefer im Gewerkschaftspalast von Jethero ein Treffen zwischen der Gewerkschaftsregierung und dem Direktor (dem Repräsentanten von STERNMETAL HORIZONS) statt. Eine Zelle von UNITIDAD-nahen Terroristen hat sich dazu entschlossen, einen Selbstmordanschlag auf dieses Treffen auszuüben, indem sie die Pinasse in den Palast lenken wollen. In den entstehenden Unruhen durch Tod sowohl des Direktors als auch der Gewerkschaftsregierung will UNITIDAD dann die Macht übernehmen und einen raschen Separatfrieden mit dem Herzog von Regina aushandeln, ehe die oberen Ebenen von STERNMETAL HORIZONS eine andere Politik veranschlagen können. Neben dem Piloten der Pinasse gehören vier weitere Personen an Bord zu den Terroristen, darunter auch die Flugbegleiterin. Während es sich beim Piloten in der Tat um den echten Piloten der Pinasse handelt, der für den Zweck der Revolution gewonnen werden konnte (sein Sohn kam bei einem unglücklichen Arbeitsunfall ums Leben, den er STERNMETAL HORIZONS anlastet (im übrigen ungerechtfertigter Weise, sein Sohn war betrunken und hantierte mit schwerem Gerät)), ist die Flugbegleiterin nur eingeschleust. Sie ist zugleich das schwache Glied des Plans und vermutlich die erste Hinweisgeberin für die Charaktere, dass etwas nicht stimmt.

Alternative Konzepte: Statt UNITIDAD die Bösen sein zu lassen, kann der Spielleiter sich für eines der folgenden Alternativszenarien entscheiden:

  • Nur die Terroristen sind die Bösen. UNITIDAD ist keine homogene Masse – es gibt größere und kleinere Fraktionen, die um die Vorherrschaft ringen. Die Terroristen handeln auf eigene Rechnung, oder sind vom 2nd in Command der Bewegung CHEZ MENDEZ beauftragt worden, dem BORDANA WALSHS Kurs noch zu friedlich ist und der eine Eskalation und Revolution will.
  • STERNMETAL sind die Initiatoren, handeln aber weil sie keine Alternative haben. Der Terroranschlag soll zwar UNITIDAD in die Schuhe geschoben werden, tatsächlich wurde er aber von STERNMETAL HORIZONS angezettelt um eine Eskalation auf Jenghe zu dem Zeitpunkt durchzuführen, wenn der Megakonzern Bestens darauf vorbereitet ist (SH geht auf Basis von Studien zu Recht davon aus, dass es innerhalb der nächsten 5 Jahre zur Revolution kommt, denn der Unterführer der Bewegung CHEZ MENDEZ wird irgendwann die gemäßigtere BORDANA WALSH ablösen oder aus dem Weg räumen. Um zu verhindern, dass aus diesem unvermeidlichen Umstand ein langer Bürgerkrieg erwächst, der nicht nur die Geschäfte von SH schädigt, sondern auch tausende von Zivilisten töten wird, hat man sich widerstrebend zu einem „chirurgischen Eingriff“ entschlossen, indem man die Revolution selbst herbeiführt und sofort niederschlägt). „Zufällig“ befinden sich zum jetzigen Zeitpunkt bereits zwei leichte SH Mannschaftstransporter und ein SH Schwerfrachter mit schwerem Kriegsgerät in Transit nach Jenghe, um eine Revolution niederzuschlagen, die erst in den nächsten Tagen beginnen wird.
  • Nur ein Teil von STERNMETAL sind die Bösen. Böse Megakonzerne sind sehr „Shadowrun“ bzw. Cyberpunk. Wer sein Spiel frei von skrupellos übel agierenden Geschäftsgiganten halten will und dabei trotzdem einen skrupellosen Antagonisten einsetzen möchte, kann dies in Form des designierten Nachfolgers des amtierendenn SH Direktors auf Jenghe tun. Dieser will (a) mit dem Anschlag seinen Vorgesetzten aus dem Weg räumen, um seinen Platz einzunehmen, (b) einen Vorwand schaffen, um in Entrüstung über den Anschlag als neue Führung auf Jenghe rigoros aufzuräumen, damit (c) eine Eskalation auf Jenghe provozieren und dadurch (d) einen Vorwand haben, die Gewerkschaftsregierung abzuschaffen. „Nebenbei“ möchte er UNITIDAD vor allem deshalb vernichten, um das Anliegen einer Fortsetzung des Terraformings auf Jenghe im Keim zu ersticken. Hierbei geht es ihm nicht um die Algenproduktion und deren mageren Erträge, sondern um die wesentlich einträglicheren geheimen Forschungen, die er getarnt durch den dichten Algenstaub in der Atmosphäre von Jenghe unbeobachtet durchführen lässt (z.B. ein geheimes und höchst illegales Joint Venture mit einem Zhodani Handelskonzern).

Boarding: Haben die Charaktere ihre Tickets gelöst und die Sicherheitsschleuse passiert, können sie durch den etwa 500 Meter langen Transferkorridor zum Ausleger vorgehen. Dort gibt es einen weiteren Warteraum und einen unbesetzten Schalter, der offenbar nur in Stoßzeiten mit hohem Verkehr benutzt wird. Hier stehen nochmals zwei Sicherheitsbeamte, ebenso relaxed wie die anderen Konzernkräfte auf der Station. Nach kurzem Warten kommt eine Flugbegleiterin (weiblich, noch recht jung, kurzes blondes Haar, adrette Uniform, etwas aus der Puste, Namensschild lautet auf ILEEN DUCASSE) durch eine der Schleusen, die hinter ihr geöffnet bleibt, und lädt die Reisenden ein, einzusteigen (dabei wirft sie kurz einen Blick auf die Boarding Tickets und reißt einen Kontrollabschnitt ab). Sollte aus irgendwelchen Gründen jmd. versuchen mit der Flugbegleiterin zu schwatzen, wird er erst irritiert angesehen und dann mit den Worten „Entschuldigung, wir sind spät dran und ich habe zu tun“ abgebügelt. Möchte ein Spieler aus eigenem Antrieb einen Wurf auf Steward ablegen, kommt er zu dem Schluss dass die Flugbegleiter von Jenghe schlecht ausgebildete Kräfte sind, die wohl überwiegend nur Arbeiter an Bord haben und wenig Sinn für Finesse besitzen. Das fällt umso stärker auf, je deutlicher ein Charakter seinen sozialen Stand z.B. als Adeliger betont (Ileen – die tatsächlich KIARA FILIESTO heißt und keine Stewardess ist, sondern Null-G-Verladekräne fliegt – hat keine Ahnung von Steward-Aufgaben).

Nehmen Sie Platz: Die Passagiere betreten die Pinasse durch die vordere Schleuse. Die Tür zur Brücke ist geschlossen, was nichts Ungewöhnliches ist. Im (geschlossenen) Spind befindet sich die übliche Notfallausrüstung (Notrutsche, Schlauchboot, Medizinkasten etc.). Die Sitze sind klassisch durchnummeriert in Reihen (1 vorne, 6 hinten, plus die Sonderreihe 7 mit drei Sitzen für Flugbegleitung und/oder etwaige VIPs oder sonstige Sonderpassagiere (z.B. Behinderte oder Mütter mit Kindern)) und Plätze (A = Fensterplatz links, B = Gang links, C = Gang/Fenster rechts). Der Spielleiter sollte die Sitznummerierung kennen und einigermaßen im Kopf haben, da sie für das Abenteuer wichtig ist. Während von vorne die Passagiere einsteigen, wird von hinten Fracht an Bord genommen, darunter auch etwaige Waffen der Reisenden, die dann in den beiden Räumen für Handfracht eingeschlossen werden. Zuletzt kommt die Flugbegleiterin an Bord, verschließt die Luftschleuse, tritt durch den Gang und prüft (sehr oberflächlich) ob alle korrekt sitzen und Handgepäck ordentlich verstaut wurde, dann öffnet sie das rückwärtige Schott (zur Sondersitzreihe 7, wo außer ihr niemand sitzt) und schließt dieses wieder, um sich kurz darauf mit einer äußerst nichtssagenden Begrüßung zu melden, die offenbar abgelesen wird:

„Guten Tag und willkommen an Bord unseres Fluges -ähm- 19774 von Hithero Station nach Jenghe Jethero Station. -Hmm- Unser Abflug erfolgt plangemäß um 0300 Lokalzeit, und die Ankunft … ist um Ortszeit viertel vor vier, also fliegen wir etwa eine dreiviertel Stunde. Das Landewetter, Moment … mäßige Algenpollenbelastung, Sicht 500 Meter, das ist sehr gut für unsere Verhältnisse. Während des Fluges servieren wir Ihnen ein Getränk ihrer Wahl, und nun viel Vergnügen bei unserem Sicherheitsvideo“.

Das Sicherheitsvideo spielt in Bildschirmen in der Rückenlehne des Vordermannes und ist ziemlich genau so, wie man es sich vorstellt und aus heutigem Flugverkehr kennt. Da Jenghe 90% offene Wasserfläche hat, wird einer Notwasserung besonderer Raum eingeräumt. Unter jedem Sitz befindet sich eine Schwimmweste. Die Pinasse selbst ist übrigens in einem ähnlichen Zustand wie der Rest der Raumstation: Man sieht ihr an, dass sie einige Jahrzehnte Dienst auf dem Buckel hat und überwiegend „funktional und praktisch“ gestaltet ist (schmutzabweisende Sitzbezüge, nackte Metallplatten am Fußboden, sehr kleine und trübe Fenster, farblich und im Modell abweichende Sitzgurte, z.T. defekte Bildschirme). Eine „Schrottmühle“ ist die Pinasse allerdings nicht. Man hat nur andere Prioritäten als ein Luxusliner.

Situation zum Start: Kurz nach Ablegen der Pinasse meldet sich der Pilot, der eine beruhigend sanfte und souverän klingende Stimme hat (der Pilot ist zwar Terrorist bzw. Freiheitskämpfer, aber er IST der Pilot der Pinasse, hat 20 Jahre Flugerfahrung und verfällt in sein ganz normales Programm – schon um sich zu beruhigen, dass neben ihm die Leiche des Kopiloten sitzt, den einer seiner Mittäter vor etwa einer Stunde mit einem Messerstich in den Hals umgebracht hat).

„Schönen guten Tag und willkommen an Bord unseres Transferfluges nach Jenghe Downport. Ich bin Ihr Kapitän, IAN DELGADO, und neben mir sitzt mein Kopilot SIK HAWITT. Vor uns liegt ein voraussichtlich ruhiger Flug, lediglich in den oberen Luftschichten kann es etwas ruckelig werden. Unabhängig von dieser positiven Voraussage möchten wir Sie darum ersuchen, während des gesamten, etwa 45 Minuten dauernden Fluges angeschnallt und auf Ihren Plätzen zu bleiben. Für die flugtechnisch interessierten unter Ihnen noch die Information über unsere Flugbahn: wir sind eben in Richtung Jenghe abgedockt und nähern uns mit maximaler Beschleunigung, wobei wir bereits in ein Spiralmanöver eindrehen, das uns in die Atmosphäre bringen wird. Dann werden wir die Spirale in eine Schleife öffnen, welche uns dann direkt auf Kurs zum Raumhafen von Jethero einschwingt. Unser Schiff selbst ist eine Pinasse der Typenreihe 223 von STERNMETAL HORIZONS mit Namen „Sternensänger“, gebaut wurde sie 1077 auf Regina, und sie ist seit 15 Jahren auf dieser Linie im Einsatz. Sie befinden sich also bei ihr in guten Händen. Ich wünsche Ihnen und uns einen angenehmen Flug und werde mich vor der Landung noch einmal bei Ihnen melden.“

ABFLUG

Das komplette Abenteuer ereignet sich eigentlich innerhalb des nur 45 Minuten dauernden Fluges. Die Ereignisse an Bord sind dabei weitgehend festgeschrieben und weichen von der vorgezeichneten Linie erst dann ab (und nur dann) wenn die Charaktere tätig werden. Dazu freilich haben sie anfangs keinen Anlass.

„Aufgabe“ des Spielleiters ist es dabei, ein Eingreifen der Charaktere möglichst weit hinauszuschieben. Nicht, indem er Informationen unterschlägt oder er sie aktiv am Handeln hindert, aber indem er ganz wie die Terroristen an Bord den Schein der Normalität so lange wie möglich aufrecht erhält und durchaus hinterfragt, wie „realistisch“ eine möglicher weise zu diesem Zeitpunkt überzogene Aktion eines Charakters ist (hinterfragen ja, darum streiten bitte nein).

Die Ausgangssituation bei Abflug ist die Folgende (unterteilt von vorne nach hinten):

  • Pilotensitz (Brücke links) – Pilot IAN DELGADO [4C5AA6] TERRORIST, männlich, ca. 50 Jahre, hellhäutig, braune Augen, Monokel mit integriertem Display, adrette und heute besonders penibel saubere Uniform, schwarz mit goldenen Abzeichen, bewaffnet mit einer nicht registrierten Körperpistole Marke SOKOV P-4 [+3, 3W6-3 (6)]. Ians Aufgabe ist sehr einfach, die Pinasse in den etwa 4 km vom Raumhafen entfernten Gewerkschaftspalast zu lenken. Hierfür kann er weitgehend dem normalen Flugplan folgen. Die höhere Beschleunigung in der Endphase und der steilere Anflugvektor werden aber die „Ankunft“ auf dem Boden früher eintreten lassen und zudem ausgebildeten Piloten unter den Charakteren eine (sehr späte) Warnung geben, dass etwas nicht stimmt. Da Ians Rolle die für den Erfolg des Anschlags wichtigste ist, hat er sich auf der Brücke eingeschlossen, und die Aufgabe der anderen Terroristen besteht ausschließlich darin, ihn zu schützen und ein Vordringen auf die Brücke zu verhindern.
  • Kopilotensitz (Brücke rechts) – Kopilot SIK HAWITT [tot], männlich, weiß, ca. 40 Jahre, Uniform, hat Messer diagonal von hinten im Hals stecken, wurde offenbar völlig überrascht. Unbewaffnet.
  • Brückenspind – Enthält zwei Raumanzüge (einen für den Piloten, einen für den Kopiloten) sowie zwei Reisetaschen (enthalten normalen Reisebedarf (Wechselkleidung etc.)).
  • Schotts – Alle Schotts an Bord sind standardmäßig geschlossen. Die beiden Schotts der Luftschleuse, das Schott zur Brücke sowie die Schotts zu den Laderäume von Handfracht und Hauptfracht sind außerdem verriegelt. Alle Schotts außer dem Schott zur Brücke können mit der Schlüsselkarte der Flugbegleiterin (siehe Sondersitz 7B) entriegelt und auch wieder verriegelt werden. Das Schott zur Brücke kann nur vom Piloten entriegelt werden. Geschlossene Schotts können ganz einfach geöffnet werden (durch einen Knopf). Verriegelte Schotts können ohne entsprechende Schlüsselkarte bzw. Öffnungsimpuls von der Brücke nur geöffnet werden auf eine der folgenden Würfe: Computer -4 (INT), 10-60 min, Elektronik -4 (INT), 1-6 min (Werkzeug erforderlich), Lebenserhaltung -2 (INT), 10-60 min (Werkzeug erforderlich), Mechanik -2 (INT), 10-60 min (Werkzeug erforderlich), Sprengstoff -4 (INT), 1-6 min (Sprengstoff erforderlich). Zu beachten ist, dass nicht für alle Aufgaben überhaupt ausreichend Zeit bis zum Crash zur Verfügung steht – hier kommen die Regeln zur Beschleunigung von Aufgaben (GRW S.56) zur Anwendung. Es können maximal 2 Charaktere zugleich an einem Schott arbeiten und/oder sich gegenseitig unterstützen.
  • Vorderer Schiffsspind – Enthält wie gesagt Notrutsche, Schlauchboot, einen Medizinkasten und hinter dem Medizinkasten einen Werkzeugkoffer für Mechanik und Elektronik(!). Ein Wurf auf Pilot: Kleine Schiffe -0 (BIL) oder Ingenieur: Elektronik -2 (BIL) ist nötig, um zu wissen, dass so ein Werkzeugkoffer an Bord existiert und wo genau er zu finden ist.
  • Sitz 1A – Dicker Geschäftsreisender NOAH WILKOX [Werte egal], männlich, Mitte 50, dickbäuchig, Glatze, abgetragener Anzug, hat auf Jenghe Verwaltungsdinge zu klären. Liest in einem E-Book über imperiales Steuerrecht. Trinkt gelegentlich aus einem Flachmann. Wird bei Kampf wimmern und versuchen, sich klein zu machen.
  • Sitz 1B – Junger Arbeiter mit Sommersprossen UTGAR PERREDON [Werte egal], männlich, Anfang 20, schlaksig, strubbeliges rotes Haar, Sommersprossen, schwarzes Shirt, Isolierweste, Baggie Pants, befindet sich erstmals im Transit nach Jenghe, beginnt gerade seinen 10-Jahres-Vertrag als Arbeiter in einer der Algenfabriken im Duraga Atoll. Versucht mit LAWA auf Sitz 1C anzubändeln, wird aber schroff abgewiesen. Wird bei Kampf starr vor Schreck sein.
  • Sitz 1C – Vorarbeiterin mit Zöpfen LAWA DANES [9A7873] Unbewaffnet +3, TERRORIST, weiblich, Ende 30, muskulös, kurze blonde Zöpfe, Tattoos auf den Armen und unter dem Auge (unter Kleidung großes UNITIDAD Tattoo auf dem Herzen), erhält um 0320 eine Laserpistole Marke GP PRECISIO [+2, 3W6 (18)]. Wurde ganz vorne platziert als „last line of defense“ gegen Leute, die gewaltsam zum Piloten wollen. Erfahrene Ringerin – wird versuchen Charaktere erst mit der Pistole in Schach zu halten, im Notfall aber schnell die Waffe wegwerfen und einen Charakter fassen, um ihn als Körperschild zu verwenden.
  • Sitz 2A – Adeliger Vollidiot BARON ERES VANDRAAL [Werte egal], männlich, fragil, Ende 20, sauberer teurer Geschäftsanzug nach Reginaer Mode, Ehrennadel des Hologolfclubs, nimmt naserümpfend Anstand an so gut wie allem und jedem und war idiotisch genug, in einem Immobilien-Auktionshaus ein schönes Stück Jenghischen Strand zu kaufen, wo er plant eine Freizeiteinrichtung für Ruhesuchende Hipster von Regina zu bauen (wir wollen hoffen dass er im Abenteuer stirbt, andernfalls steht ihm eine unschöne Überraschung bevor). Wird bei Kampf entweder versuchen überlegen-arrogant „sich zu einigen“ (für Geld) oder aber hysterisch wimmern. Sollte er sterben, kann daraus ein Folgeabenteuer werden, denn sein Elternhaus ist reich und mächtig und wird eigene Ermittlungen zu den Begleitumständen seines Todes einholen.
  • Sitz 2B – Des Adligen dummes Liebchen ISIRIS DRESELL [Werte egal], weiblich, zeitlos jung körpergeformt, weißblondes langes Haar mit zwei pinkfarbenen Strähnen, dumm wie ein Algeneimer, offiziell „Körperkünstlerin“ die sich für eine begnadete Innenarchitektin hält und gemeinsam mit „ihrem“ Baron eine Vision des neuen Stranderholungskomplexes erschaffen will. Wird bei Kampf hysterisch und ihren Begleiter auffordern sie zu schützen und ihre Ehre zu verteidigen.
  • Sitz 2C – Schweißer BORIK MONN [A9B422], unbewaffnet +3, möglicher Alliierter der Charaktere. Bullig gebauter Mann um die 35 mit erkennbaren Spuren eines langen Jenghe-Aufenthaltes (Pigmentflecken, ledrige Haut, verkleinert wirkende Augen, dauerverstopfte Nase), einfaches Gemüt, will seine Ruhe haben, kann aber ggf. zum Eingreifen bewegt werden (kein Heldentyp).
  • Sitz 3A – leer bzw. Sitzplatz des Spielercharakters ______________________
  • Sitz 3B – leer bzw. Sitzplatz des Spielercharakters ______________________
  • Sitz 3C – Spookiger Zhodani-Coot RKVIK DRRNAR [Werte egal], hagerer Zhodani mit dünnem, langem Bart und durchdringend dunklen Augen, trägt maßgeschneiderten weiten Mantel (in dem sich jede Menge Waffen verstecken könnten, es aber nicht tun) und studiert im Flug auf einem Datendisplay irgendwelche Grundrisse und Baupläne. Rkvik dient nur der Ablenkung, der Spielleiter soll ihn gerne auch verdächtig agieren lassen (er ist tatsächlich eine unangenehme Person, die vorgibt wichtig und geheimnisvoll zu sein). Er wird bei Ausbruch von Kämpfen oder der Enttarnung der Terroristen irgendetwas Abfälliges sagen und vom nächststehenden Terroristen erschossen werden (die Unitidisten sind überaus Zhodani-feindlich und werden auch einen etwaigen Zhodani auf Spielerseite bevorzugt angreifen).
  • Sitz 4A – Dürrer Cyborg DAWNEL JOANOR [797644], Unbewaffnet +0, TERRORIST, dürrer junger Mann mit Halbglatze und billigem Prothesenarm aus Kunststoff, der sich mit deutlichem Surren bewegt, trägt Jacke und Hose aus Synthetik, die beide pfuschneu aussehen. Erhält um 0320 eine Körperpistole Marke DEFIANT .44 [+0, 3W6-3 (6)] zugesteckt. Wird versuchen erst sitzen zu bleiben, um z.B. einen Charakter der gegen LAWA auf 1C vorgehen möchte von hinten zu erschießen.
  • Sitz 4B – Game Geek Techniker YNAR WISHFUUL [Werte egal]. Schlanker, attraktiver junger Mann von etwa 30 Jahren, Kinnbärtchen, trägt Techniker-Overall von STERNMETAL HORIZONS mit ausgebeulten Hosentaschen (Unterhaltungselektronik und Energy Drinks), setzt sich gleich beim Start Kopfhörer und Sichtbrille einer tragbaren Spielkonsole auf und zuckt danach nur gelegentlich mit den Fingern, um seine Spielfigur zu steuern. Bekommt nichts mit, und wenn doch ist er verängstigt und tut was die Terroristen ihm sagen.
  • Sitz 4C – leer bzw. Sitzplatz des Spielercharakters ______________________
  • Sitz 5A – leer bzw. Sitzplatz des Spielercharakters ______________________
  • Sitz 5B – Überspannte, attraktive Rothaarige LLANA MII [Werte egal], Angestellte der Jenghe Gewerkschaftsverwaltung mit langem roten Haar, Anfang 40, sehr attraktiv, Halbbrille mit integriertem Datendisplay, versucht während des Fluges mit allen möglichen Büros zu telefonieren, bekommt aber keinen Empfang (der Pilot hat das Unterstützungssystem für Onboard-Kommunikation abgeschaltet, ohne das Kommunikation durch Handgeräte von Bord zum Boden nicht möglich ist – Nur wenn ein Spieler aktiv nachfragt ob ihm dieser Kommunikationsausfall verdächtig vorkommt Wurf auf Pilot: Kleine Schiffe -1 (BIL) oder Kommunikation -1 (BIL), wodurch ihm bestätigt wird dass Empfang da sein sollte und es nur die Möglichkeit gibt, dass das Unterstützungssystem einen Defekt hat (möglich) oder abgeschaltet wurde (z.B. auf Basis lokaler Funk-Bestimmungen)). Ungeduldige und überspannte Frau.
  • Sitz 5C – leer bzw. Sitzplatz des Spielercharakters ______________________
  • Sitz 6A – leer bzw. Sitzplatz des Spielercharakters ______________________
  • Sitz 6B – leer bzw. Sitzplatz des Spielercharakters ______________________
  • Sitz 6C – Schwerarbeiter BORLAND [674884], TERRORIST, bulliger Mann, der offenbar von Hoch-G-Planeten stammt, trägt schweren STERNMETAL HORIZON Overall und hat einen Arbeitshelm im Fach über dem Sitz verstaut. Erhielt von der Flugbegleiterin tatsächlich schon beim Boarding zwei Entermesser [+3, 2W6+4] zugesteckt und sein schwerer Arbeitsoverall entspricht einer Tuchrüstung [Panzerung 3]. Borland ist der Mann fürs Grobe, der sich im Fall dass die Charaktere offen tätig werden sofort mit Gebrüll auf sie stürzen wird.
  • Abgetrennte Sonderreihe 7 – Auf Platz B die Flugbegleiterin ILEEN DUCASSE (wahrer Name: KIARA FILIESTO) [674884], TERRORIST, blonde kurze Haare, weiblich, Anfang 20, Uniform der Fluglinie mit leicht schlechtem Sitz (da nicht ihre eigene), trägt verborgen eine Kurzlaufpistole Marke DIRECTIVE [-3, 3W6-3] bei und ist die Freundin von IAN DELGADO dem Piloten, dem sie völlig hörig ist. Kiara ist eine schwache Person und nur mäßig von der ganzen Sache überzeugt, hat aber nicht den Willen sich gegen die Gruppe durchzusetzen und auszusteigen.

FLUGPLAN IN DEN TOD

Der Flug beginnt plangemäß und pünktlich um 0300 Ortszeit. Die planmäßige Landung ist für 0345 vorgesehen, doch zu dieser wird es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht kommen. Fraglich ist nur, ab wann die Charaktere anfangen, an der Sicherheit des Fluges zu zweifeln – und ob sie noch rechtzeitig beginnen, Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Allgemeine TPK Warnung: Ein Großteil der Spannung dieses Abenteuers liegt darin, dass die Charaktere einer gewissen Situation ausgeliefert sind. Sie können nicht einfach aufstehen und weggehen, sondern müssen sich einer tödlichen Bedrohung stellen. Und gelingt es ihnen nicht, die Terroristen zu überwinden und dann auf den Gewerkschaftspalast zustürzende Schiff abzufangen, wird ein Total Party Kill (TPK) geradezu unausweichbar sein. Ich sollte es wissen: Unsere ganze Gruppe kam beim Absturz ums Leben.

Wege zur Vermeidung des TPK: Natürlich kann der Spielleiter, wenn die Charaktere allzu arglos sind und sich stumpf weigern, auf kleinere Fehler der Terroristen zu achten, etwas sehr Auffälliges tun. Zum Beispiel kann einer der anderen Passagiere eine der Waffen in Händen der Terroristen bemerken, oder Kiara – ohnehin das schwache Glied der Gruppe – verliert die Nerven und enttarnt sich und die Gruppe, um sofort danach von einem der Terroristen erschossen bzw. von einem Entermesser durchbohrt zu werden (eine sterbende Kiara könnte dann sogar noch den Zugangscode zur Brückentür verraten, obwohl sie diesen laut Default des Abenteuers gar nicht kennt). Nicht zuletzt könnten auch Umstände außerhalb der Pinasse den TPK verhindern: Zum Beispiel könnte die Pinasse durch ein Robogeschütz des Gewerkschaftspalastes (das es im Default-Setting ebenfalls nicht gibt) getroffen werden – dabei könnte der Pilot sterben und das automatische Rettungssystem zwar eine Bruchlandung hinlegen, diese aber könnte angesichts des überall herumliegenden Algenpollenstaubs und dem Vorhandensein regelrechter Pollensenken einigermaßen überlebbar sein. „Iron Man“ mäßig ist das aber natürlich nicht.

Der Flugplan: Die folgenden Ereignisse tragen sich nacheinander zu, es sei denn die Charaktere tun irgendetwas, das die Terroristen von ihrem Plan abbringt. Da der Spielleiter es mit einer überaus überschaubaren Umgebung zu tun hat, kann er sich ganz auf die Handlungen der Charaktere und die Reaktionen der Passagiere und Terroristen konzentrieren. Erfahrene Spielleiter möchten vielleicht sogar Würfe für Stress oder nackte Überlebensangst einstreuen, um die Situation noch komplizierter zu gestalten. In jedem Fall sollte der Spielleiter eine gut ablesbare Uhr mit Sekundenfunktion unauffällig hinter seinem Sichtschirm platzieren, um jene Zeitabschnitte, die sich in Echtzeit ereignen (z.B. Gespräche und Beratschlagungen unter den Charakteren) abzuzählen. Hier aber zunächst einmal der „vorgesehene Flugplan“:

  • 0255 – Hallo! Ansprache der Flugbegleiterin (siehe oben)
  • 0300 – Sturz gen Jenghe. Abdocken an der Station in der Position „Nose down“ (d.h. bereits in Flugrichtung auf Jenghe)
  • 0305 – Guten Tag, hier spricht ihr Kapitän! Der Pilot meldet sich mit seiner kurzen Begrüßungsansprache (siehe oben)
  • 0320 – Jemand ein Kissen? Oder eine Waffe? Ileen/Kiara (die Flugbegleiterin) kommt aus ihrem Bereich und hat einen Stapel Kissen dabei, die sie den Passagieren anbietet. Sie geht dabei sehr zügig vor und übersieht offenbar wahllos einige Passagiere, die sie auf später vertröstet („Ich bringe Ihnen gleich eines“). Je ein Kissen erhalten 4A (der Terrorist Borland), 1C (die Terroristin Lawa), 2A (der Adlige Eres) und entweder ein Spielercharakter oder 3C (der Zhodani). Für Charaktere mit wenigstens Rang-1 in Aufklärung oder Steward macht der Spielleiter auch ohne dass diese darum gebeten haben eine verdeckte Probe mit Modifikator -1. Spieler, die selbst solche Proben verlangen, erhalten keinen negativen Modifikator. Eine erfolgreiche Probe führt dazu, dass dem Charakter das Verhalten der Stewardess merkwürdig vorkommt: Sie wirkt nervös, angespannt und hat unsinniger Weise das erste Kissen in der Mitte und das zweite Kissen ganz vorne abgegeben (es wäre ja viel natürlicher und auch geziemlicher, kontinuierlich von hinten nach vorne zu bedienen oder meinethalben beim höchstrangigen Adligen zu beginnen). Hatte jemand bei der Probe auf Aufklärung einen außergewöhnlichen Erfolg (6 oder mehr Punkte der Schwierigkeit), so sieht er, dass im Kissen an 1C ein metallischer Gegenstand war. Tatsächlich sind in den Kissen für 4A und 1C Waffen aus den Handfrachträumen versteckt; die anderen beiden Kissen hat sie nur zur Tarnung dabei. Nachdem sie die Kissen abgegeben hat, flieht sie geradezu zurück in ihr Abteil (hat sie noch weitere Kissen an Spielercharaktere abzugeben, rauscht sie nochmals kurz heraus, übergibt hastig das Kissen, bringt ein gequältes Lächeln zustande und rauscht wieder davon). Sollte jemand explizit erklären, 6C im Auge zu behalten (warum auch immer sie das zu diesem Zeitpunkt sollten), so kann dieser sehen dass Borland angesichts dieses Schauspiels mit den Augen rollt und wütend aussieht.
  • 0325 – Kann ich Ihnen einen Drink auf die Hose schütten? Ileen/Kiara kommt, einen Getränkewagen hinter sich herziehend, in die Passagierkabine und versucht sich am Bordservice – und macht dabei einen Patzer nach dem anderen. Sie ist hochnervös, vielleicht verschüttet sie auch etwas, sie redet Adelige mit falschen Titeln an etc. Währendessen nimmt die Anspannung unter den anderen Terroristen zu. Irgendwann wird Ileen die Nerven verlieren und den Service einstellen. Den Getränkewagen lässt sie einfach im Gang stehen, entschuldigt sich und geht weinend zum vorderen Schott, das sie öffnet, hindurchgeht und hinter sich schließt (sie spricht in der Folge durch den Bordkommunikator neben der Tür zur Brücke zu ihrem Freund, dem Piloten, und bittet ihn, die Sache abzublasen oder sie auf die Brücke zu lassen, damit sie bei ihm sein kann. Der Pilot lehnt diese Abweichung vom Plan rigoros ab, woraufhin Kiara sich ausweint und danach versucht ihre Tränen zu kaschieren – von all dem bekommt man durch das geschlossene Schott aber nichts mit. Möchte ein Charakter Kiara nachgehen, wird er von Lawa auf 1C aufgehalten, aus dem vorgeschobenen Grund dass „die Kleine vermutlich PMS hat“ – Lawa beruhigt den Charakter und sagt ihm, er soll sich setzen, sie kümmere sich „von Frau zu Frau“ darum. Ist der Charakter selbst eine Frau, wird Lawa vorgeben Ärztin zu sein (sie hat null Ahnung von Medizin). Ist der Charakter selbst Ärztin, wird sie entnervt behaupten die Schwester der Flugbegleiterin zu sein oder ihre Waffe ziehen).
  • 0330 – Neuer Kurs: T-O-D. Zu diesem Zeitpunkt verlässt der Pilot die vorgesehene Flugbahn, was natürlich anfangs noch von niemandem bemerkt wird. Zur gleichen Zeit aber piepst einmal die Armbanduhr von Borland auf 6C laut genug, dass es alle Terroristen (und nebenbei die anderen Passagiere) hören. Während Borland kurz auf die Uhr sieht, den Alarm ausschaltet und scheinbar wieder versucht einzuschlafen ziehen die anderen Terroristen ihre Waffen und halten diese unter den Kissen bzw. im Fall Kiaras unter einem Wischtuch verborgen. Die Terroristen haben noch lange nicht vor, sich zu erkennen zu geben, der Pilot hat sie aber informiert dass ab diesem Zeitpunkt zufällig an Bord befindliche Piloten oder routinemäßige Jenghe-Reisende bemerken könnten, dass etwas „anders“ ist.
  • 0335 – Ich spüre eine Erschütterung in der Macht. Der Pilot hat den neuen Kurs erreicht und fährt die Triebwerke hoch, um die Reaktionszeit einer wie auch immer gearteten Luftabwehr des Palastes, Raumhafens oder eines anderen Schiffs zu verkürzen. Charaktere mit wenigstens Rang-1 in einer beliebigen Raumschiff- oder Flugzeug-Pilotenskill machen einen Wurf mit +2, um die Schubzunahme zu bemerken. Zugleich wissen sie, dass 10 Minuten vor der Landung in keinem Fall mehr Schubdüsern auf diese Stufe zu erhöhen sind – vielmehr müsste der Pilot sich längst auf das Zünden der Bremstriebwerke vorbereiten.
  • 0337 – Die große Flatter. Zu diesem Zeitpunkt merkt einfach jeder, dass etwas nicht stimmt. Das Schubgeräusch nimmt weiter zu, und die Pinasse beginnt in der dichten und algenpollenreichen Luft von Jenghe unangenehm zu flattern. ALLE Proben an Bord, die mit Bewegung zu tun haben (grobmotorisch oder feinmotorisch, also auch Fern- und Nahkampf) werden um -1 erschwert.
  • 0340 – Der Point of No Return. Unabhängig davon, was an Bord geschieht, hat die Pinasse zu diesem Zeitpunkt einen solchen Vektor und eine solche Geschwindigkeit, dass ein Crash unvermeidbar ist. Sollten Charaktere zu diesem Zeitpunnkt an die Kontrollen des Schiffs kommen, können sie bestenfalls noch dafür sorgen, das eigentliche Ziel (den Gewerkschaftspalast) zu verfehlen. In diesem Fall schlägt die Pinasse einige Dutzend Meter vom Palast entfernt in den großen Paradeplatz ein.
  • 0342 – Aufschlag und TPK.

RETTUNG IN LETZTER SEKUNDE

Das tückische an dem Szenario ist die furchtbar enge zeitliche Grenze, die für die Lösung zur Verfügung steht: Innerhalb kürzester Zeit müssen die Charaktere (a) erkennen, dass etwas faul ist, (b) den Mut finden, zu handeln, (c) losschlagen, ohne sich vorher umfassend und zeitintensiv untereinander besprechen zu können, (d) die Terroristen überwinden – tatsächlich der zeittechnisch unkritischste Punkt, denn jede Kampfrunde dauert nur 6 Sekunden (10 KR = 1 min), (e) die Brückentür öffnen, (f) den Piloten überwältigen und (g) das stürzende Schiff abfangen.

Klingt so gut wie nicht machbar? Ist es auch. Aber je früher die Charaktere auf den Trichter kommen, dass etwas nicht stimmt, desto besser. Hier in lockerer Folge einige Dinge, die es zu beachten gilt:

Die Charaktere sind an Bord waffenlos. Daher wird ein Großteil des Kampfes in Form von Ringen-Aktionen stattfinden, mit denen sich der Spielleiter auskennen sollte. Eine gute Taktik seitens der Charaktere wäre zudem, die Terroristen beschäftigt zu halten, während ein einzelner Charakter zur Brücke vordringt.

Die Passagierkabine ist eng. Alle Bewegungsaktionen (inklusive Kampf, nicht aber Ringen und Schusskampf) haben einen Malus von -1. Eigentum anderer Passagiere kann sich für die Charaktere als unerwartete Hilfe in Form von Wurfobjekten erweisen (Servierrtabletts, Kissen, Taschen, vor allem aber glühend heißer Kaffee, den man sich hat servieren lassen!).

Auf die Reihenfolge kommt es an. Kiara ist im Kampf annähernd nutzlos, und auch der Cyborg mit seinem Plastikarm ist eher eine Null. Mit die beste Taktik besteht darin, den Cyborg anzugreifen und in einen Ringkampf zu verstricken, bei dem man ihm die Waffe entwendet. Mit dieser kann dann der im Nahkampf sehr gefährliche Borland schnell ausgeschaltet werden. Nicht vergessen: Eine Kampfrunde ist 6 Sekunden lang, d.h. pro Minute kann man immerhin 10 Runden lang kämpfen, ringen, entwaffnen etc.

Absprung. Eine Rettungsidee für Leute, die zu viel James Bond gesehen haben, besteht im Absprung aus dem stürzenden Schiff. Mit Kiaras Schlüsselkarte ist ein Zugang zum Hauptfrachtraum und somit auch ein Öffnen des Achterladeschotts kein Problem. Aus dem Schlauchboot im Schiffsspind lässt sich notfalls eine Art Fallschirm basteln, an dem bis zu fünf Charaktere vertäut werden können. Ein sanftes zur Erde schweben wird es zwar nicht – aber der Absturz könnte bei Landung in einer Pollensenke überlebbar sein.

Redet es ihnen aus. Nicht zuletzt können die Charaktere versuchen, die ganze Sache den Terroristen auszureden. Das gelingt aber nur, wenn Lawa und Borland aus dem Weg geräumt wurden. Ist dies der Fall, wird Kiara sofort umkippen. Der Cyborg kann ggf. dazu gebracht werden, einzuknicken, wenn ihm eine Abreise aus Jenghe garantiert wird. Kiara und die Charaktere können es durch die Gegensprechanlage vielleicht erreichen, dass der Pilot von seinem Plan abrückt. Über all dies muss der Spielleiter aber selbst entscheiden und es von den geführten Gesprächen abhängig machen – die, wohlgemerkt, in ECHTZEIT ablaufen!

Kreative Ideen. Eine andere Möglichkeit, den sicheren Tod zu vermeiden, bestehen in der Zerstörung eines der Triebwerke bzw. die Manipulation des Antriebs im Maschinenraum. Dies würde die Pinasse vom Kurs abkommen lassen und den Piloten (dessen Tod ja nur Sinn macht, wenn die Pinasse den Palast trifft) dazu veranlassen, eine Notlandung hinzulegen (was er auch schafft, er ist ein sehr erfahrener Pilot). Ein ähnlicher Effekt kann erzielt werden, wenn man dem Piloten irgendwie klarmachen kann, dass die Regierung gar nicht im Palast ist, oder – wer weiß – indem man vortäuscht, ein wichtiger Repräsentant von Regina zu sein, der gerade auf einer geheimen Unterhändler-Mission zu Bordana Walsh ist. Sollten Psioniker unter den Charakteren sein, gibt es natürlich noch ganz andere Handlungsoptionen.

Crashkurs! Sollte es den Charakteren gelingen, an die Kontrollen des Piloten zu kommen, können sie versuchen, das Schiff zu landen. Vor 0335 ist dies eine einfache Aufgabe mit +2. Auch 0337 ist die Aufgabe noch weitgehender Standard (+0). Ab 0340 wäre ein Abfangen der Pinasse nur noch mit -6 möglich – realistischer ist mit einer Schwierigkeit von -2 der Versuch, die Pinasse kontrolliert abstürzen zu lassen, was einer Kollision mit gut 500 km/h entspricht, wovon durch den flacheren Absturzwinkel je Punkt Erfolgsgrad 100 km/h effektiv abgezogen werden (d.h. Erfolgsgrad 3 = 500 km/h minus 3 x 100 km/h = 200 km/h). Passagiere und Pilot nehmen entsprechend der so entstandenen endgültigen Kollisionsgeschwindigkeit Schaden, nämlich 1W6 pro 10 km/h, alle Angeschnallten davon nur 1/4. Die Pinasse selbst nimmt ebenfalls diesen Schaden, ist aber als Raumfahrzeug robust genug um keine zusätzlichen Komplikationen wie Reaktorexplosionen etc. entstehen zu lassen (die feurige Explosion der Wasserstofftanks sparen wir uns für einen „echten“ Absturz in den Gewerkschaftspalast auf – a sight to behold!). Sollte der Punkt 0342 erreicht werden, kann auch der beste Pilot nichts mehr am Aufschlag im Gewerkschaftspalast ändern.

ÜBERLEBT: DAS ENDE

Sterben die Charaktere, ist dies auch das Ende des Abenteuers. Sollten sie überleben, hängen die weiteren Ereignisse zunächst von den Begleitumständen ab – in jedem Fall wird es eine Untersuchung geben, und in jedem Fall wird man schnell herausfinden dass es ein Terroranschlag war, hinter dem UNITIDAD steckt (was stimmen mag oder eben auch nicht – siehe oben).

Sofern die Charaktere nicht mehrere Wochen im Krankenhaus gefangen sind, können sie den Insolvensverwalter treffen, der die Registrierung als Bieter durchführt und dann die Gruppe in den kleinen Ort HEADFIELD verweist, wo das FAR HORIZONS Lager nebst Hanger mit den zu ersteigernden Raumschiffen ist. Sofern es der Gruppe und dem SL tatsächlich darum geht, ein Raumschiff zu kaufen, sollte der SL zwei Raumschiffe ausarbeiten und den Charakteren zur Wahl lassen – das eine sollte etwa 50 Jahre alt sein, das andere, größere gerne über 100 Jahre (Regeln zur Gestaltung älterer Raumschiffe inkl. Vor/Nachteilen und Anpassung des Kaufpreises finden sich auf  S.153 im Traveller GRW, Infos zur Hypothek auf S.155 GRW).

Um die eingangs geschilderte günstige Kaufsituation abzubilden (Schiffe aus Insolvenzmasse, wenig Interessenten durch Jenghe Handelssperren der Regierung) wird die Zahl der Schiffsanteile beim Alterswurf um +2W6 erhöht. Außerdem erhält ein Makler auf Seiten der Charaktere für jeden Erfolgsgrad über 1 einen Re-Roll eines einzigen Würfels.

Beispiel: Zur Versteigerung kommt der Freihändler Typ A BUMBLEBEE, der über einen Geschützturm mit Pulslaser, Sandwerfer und 20 Sandfässer verfügt. Das erhöht seinen Basiswert von 36.567.000,– auf 38.127.000,–. Die BUMBLEBEE ist 60 Jahre alt, also bekommen die Charaktere bei Kauf quasi 6W6 Schiffsanteile „geschenkt“ (bzw. diese gelten als abgezahlt bzw. als per Wertminderung gestrichen, siehe S.153 GRW). Hinzu kommen die 2W6 Bonus-Anteile, weil die Charaktere extra nach Jenghe geflogen sind, was viele andere mögliche Interessierte abgeschreckt und den Kreis der Mitbietenden klein hält).Bei der Auktion nun versammeln sich die Charaktere und eine Gegenbieterpartei bestehend aus der Reginaer Schiffsankäuferin ERYNN JONATH und deren zwei Begleiter/Bodyguards um die Auktionatorin HANRA JUDEA. Die Charaktere rechnen ihre zusammengelegten Schiffsanteile aus Pensionsansprüchen in Freihändler-Schiffsanteile um (sagen wir, es sind 16 Anteile zusammen) und würfeln 8W6 (6W6 für 60 Jahre Alter, plus 2W6 für die besondere Erwerbsituation). Sie würfeln 6, 6, 6, 4, 4, 3, 1, 1 = 31 Anteile = 47 Anteile total. Der Händler der Gruppe würfelt eine Probe auf Makler und erzielt Erfolgsgrad 5, kann also 5 x einen Würfel (auch denselben) neu würfeln, muss aber das neue Resultat akzeptieren – dies reflektiert das Pokern bei der Auktion. Er würfelt die beiden 1er Resultate neu, erzielt eine 4 und eine 3 und landet damit auf glatt 50 Anteilen. Er würfelt eine der 3en neu und erzielt eine 1. Mist! Nur noch 48 Anteile. Er würfelt die 1 neu und landet eine 6 – Yeah! 53 Anteile. Er könnte noch 1 Würfel neu rollen, aber der schlechteste verbliebene Würfelwert ist 3, und da er fürchtet eine 1 oder 2 zu würfeln verzichtet er auf den Re-Roll: Die Charaktere kaufen die BUMBLEBEE und haben 53 Anteile des Schiffes. Das bedeutet, dass sie vom Sofortpreis des Schiffes (38.127.000,–) 53% abziehen können. Die Restschulden bei der Bank belaufen sich somit auf  17.919.690,–, geteilt durch 240 macht das eine monatliche Belastung von 74.666,–, zahlbar für die nächsten 40 Jahre. (Regeln dazu wie gesagt S.155 GRW). Sie benennen das Schiff in WILDCARD um.

HEADFIELD selbst ist ein Kaff am Ende einer langen Eisenbahnstrecke mit ungewöhnlich breitem Schienenstand, über die hauptsächlich Algenplatten von den Fabriken entlang der Küstenlinie in die zentral gelegene Hauptstadt Jethero gebracht werden. Dominantes Landschaftsmerkmal von HEADFIELD ist eine gewaltige, jahrhunderte alte Algenfabrik – eine der Ältesten – mit gewaltigen Ansaugrohren, durch die unter tiefem Dröhnen algenreiche Luft eingesogen, gefiltert und letztlich zu Dämmplatten verdichtet wird. Der Rest sind billige Behausungen der Arbeiter, eine kleine Kneipe namens DUSTBOWL, mehrere leerstehende Geschäftshäuser (es gibt inzwischen viel modernere Fabriken, der Betrieb in HEADFIELD steht kurz vor dem Aus und jeder weiß es), eine verfallene Mall und eben das aus 3 Hangars/Lagerhallen plus 4-stöckigem Verwaltungsbau bestehende FAR HORIZONS Gelände.

Während die Charaktere die Schiffe und ggf. in den Hallen verbliebene Fracht, die ebenso zum Ankauf bereitsteht, untersuchen, Würfe auf Ingenieur etc. machen um herauszufinden wie schrottig die Schiffe sind etc. wird in der Hauptstadt die Situation unschön: Ausgelöst durch den Terroranschlag bzw. den vereitelten Versuch, schlägt die Gewerkschaftsregierung mit voller Unterstützung von STERNMETAL HORIZONS gegen UNITIDAD los. Das wiederum führt zur Eskalation und zum mehr oder weniger ungeplanten Start der Revolution (ggf. ganz im Sinne von SH oder des bösen SH-Konzerners).

BORDANA WALSH erkennt zu diesem Zeitpunkt, dass ihr die Kontrolle entgleitet und die planlosen Aktivisten um CHEZ MENDEZ die Oberhand gewinnen. Um einen Bürgerkrieg mit unendlichem Leid für die Jenghe-Geborenen (die Mehrheit innerhalb UNITIDAD) und den Untergang jeder ernthaften Opposition zu verhindern, muss sie alles auf eine Karte setzen und inkognito an Bord eines zu keiner Fraktion gehörenden Schiffs nach Regina fliegen, im verzweifelten Versuch Kontakt zu Herzog NORRIS zu bekommen und einen Separatfrieden auszuhandeln.

Über Verbindungen zu UNITIDAD-Gewerkschaftsmitgliedern unter den Raumlotsen erhält sie eine bedauerlich kurze Liste derzeit auf Jenghe befindlicher Schiffe. Da blinkt eine Meldung auf, ein auf Jenghe eingemottetes Schiff habe eben einen neuen Käufer gefunden und mache klar zum Abheben …

Sie ruft die UNITIDAD-loyale Miliz in HEADFIELD an und befiehlt dieser, den Start zu verhindern – durch Verweigerung der Starterlaubnis, durch Requirierung des Schiffes im Namen der provisorischen Regierung Freies Jenghe, egal. Dann sprintet sie mit zwei Begleitern zu einem altersschwachen HAVOK Schubdüsenschweber und setzt Kurs Richtung … FOLGEABENTEUER!

Full Download :: 36 Dinge

Rabenwelten-Leser McDougle hat für seinen Eigengebrauch alle „36 Dinge“ Listen in ein praktisches PDF gepackt und uns zur Verfügung gestellt. Und somit selbst in der kleinen Blogpause einen Samstag-Post für euch geschaffen.

Lob und Preis sind angebracht!

Und mögen andere dem Beispiel folgen :o)

4E 36 Dinge(all jan2010)

Dieselpunk | Schluchtenstadt Galerie

schluchtenstadt

SCHLUCHTENSTADT ist ein Dieselpunk / Pulp Noir Setting, das ich nächste Woche einmal mehr „test driven“ werde, und zwar entweder mit WUSHU oder OPEN D6 [MEHR INFOS ZUM PROJEKT HIER]. Und weil Bilder mehr sagen mehr als Worte und die Spieler ein möglichst gutes „Feeling“ für die von mir angestrebte Stimmung und das Design des Settings bekommen sollen, hier also „Gesammelte Werke“. Alle natürlich nicht von mir, sondern von vielen, vielen Websites zusammengeklaubt.