Shadowrun | Glinski

Das Bild ist nicht von mir, sondern von Keun-Chul von Deviantart.com

MEMLOAD::: „Det wär dann die hier“ brummelt der massige Ork in seinen nichtvorhandenen Bart, während er die mit Metallplatten verstärkte Altbautür aufschließt.

November hatte die Idee gehabt, einen Teil der Einkünfte des letzten Laufs zu poolen und in eine Art Meeting Point Schrägstrich Versteck Schrägstrich Unterschlupf zu investieren. Alex war dann mit offenen Augen durch die Weddinger Kieze gegangen, und ein paar Wohnungsbesichtigungen später stehen beide nun im funzelig beleuchteten Treppenhaus der Judenstraße 14.

Es ist der 14. Februar 2071, und durch die zersplitterte Scheibe im Treppenaufgang pfeift leise der Wind. Der Hauswart heißt Glinski und wohnt im Erdgeschoss links. Wie die meisten Hauswarte im Wedding ist er ebenso sehr Schlosser wie Elektriker, Sanitätsinstallateur wie Sonnenkollektorenbastler, Komhubwartungsdienst wie Mieteintreiber – und Torwächter, denn die Vordertür zur Straße ist mit soliden Platten verkleidet und nur von innen durch Entsperren eines massiven Stahlriegels zu öffnen.

Glinski schnieft und gähnt zugleich. Ein unheimliches und ziemlich widerliches Geräusch, das dadurch noch abstoßender wird, dass es in ein feuchtes Husten übergeht. Er wischt sich mit dem Ärmel die fleischigen Lippen ab und gestikuliert unbestimmt nach drinnen, wo Dunkelheit herrscht.

Die Wohnung öffnet sich in einen schmalen Flur, von dessen Wänden der Putz bröckelt. Tapetenreste liegen auf den Bodendielen. Kabel und ein paar Rohre sind Überputz verlegt, tauchen planlos aus dem Boden auf und verschwinden in der Decke, unsauber montiert, die Zwischenräume mit Lumpen abgedichtet. Es riecht nach Leere. Das Geräusch der eintretenden Stiefel und gemuffelte Geräusche benachbarten Lebens, dazu fahles Licht, das durch Ritzen in den Fensterverkleidungen fällt.

Glinski wurschtelt eine Taschenlampe hervor, schlurft den Besuchern hintendrein, als sehe er selbst die Wohnung gerade zum ersten Mal. Nach links ist ein kleines Bad mit Wanne und Klo, daneben die Küche. Nach hinten endet der Flur in einem toten Eck, wo jemand eine ganze Menge Gerümpel und Müll hinterlassen hat. Nach rechts führen zwei Türen, die vordere durch ein schmales Zimmer mit Balkontür und einen reichlich nutzloses, fast quadratischen Zwischenzimmerchen von der gefühlten Weitläufigkeit einer Telefonzelle in ein Zimmer mit Fenster, die hintere in den größten der Räume, 2 Fenster zur Straße hin, Altbaudecke mit Stuckresten und einem feuchten Fleck sowie einem Deckenhaken für eine Petroleumlampe.

„Gibt’s hier Strom“, will November wissen. Glinski schnaubt etwas, das ebenso gut ein Ja wie ein Nein gewesen sein kann, also zieht November einen Stromprüfer und nimmt den Sicherungskasten sowie die Steckleisten in Augenschein.

Alex unterdessen steht im Zimmer hinter den beiden Durchgangsräumen und ist ergriffen, obwohl er nicht sagen könnte von was. Etwas in dem Raum fesselt seine Sinne, wie ein fernes Echo, just außerhalb des Hörbereiches.

„Wer hat hier vorher gewohnt?“, ruft er über die Schulter. Glinski schlurft zu ihm, schweigt. Betrachtet die im Vergleich zum Rest der Wohnung noch halbwegs frisch tapezierten Wände und sagt: „Ne Weile her, dass hier jemand wohnte. Steigende Mieten. Gerüchte von Konzernräumungen. All sowat. Zuletzt warn hier ne Familie, aba nur kurz. Dafoa warn det zweeje so wie ihr, zwielischtsche Gestaltn.“ Er gähnt. Hustet. Schluckt. „Nen Gossengirl undn Zwiebelring, janz wer Vornehmes, wie er imma jetan hat.“ Schulterzucken. „Ham fast fünf Jahre hier gehaust, dann Zoff miteinander jekrischt, sie dann ab, er hier alleene, bis er sisch die Bude nisch meah leisten konnte, und dann isser wech, Mietschulden hatta aba da gelassen, wie nett, wa?“ Er streichelt die Wand. „Riesensauerei, das. Escht ma. Die Zwiebis sin die Schlümmpstn, tun imma wer weiß wie, unn hinnerdran verwohnse ihr Nest ärger als wien Schwazwälla.“

November kommt hinzu. Nickt. Strom ist da, der Generator des Hauses läuft auf Par, die Tür ist von früheren Bewohnern ordentlich verstärkt worden, die Nachbarschaft ist für Weddinger Verhältnisse safe, gegenüber liegt ein Krankenhaus, und in den Wohnblocks links und rechts wohnen die Mediziner die jene versorgen die sich die Klinik nicht leisten können. Die Wohnung liegt im Zweiten – hoch genug, dass man nicht einfach rein-, im Notfall aber gut raushopsen kann – es gibt ein Fenster zum Innenhof als Fluchtweg, der Hauszugang ist überwacht, so was wie eine Blocksicherheit gibt es auch, nur ein Kellerabteil gibt es nicht, weil der Keller komplett an „lichtscheues Gesindel“ vermietet wird.

Sieht aus, als würde die Wohnung den Ansprüchen der Runner genügen. Für’s Erste … :::END

Hangout: Judenstraße 14 im Wedding, Kneipe „Zur Assel“

Profession: Hauswart

Kontakt: Alex, Paris, Jill, November

Werte:
Attribute – K 4 | G 3 | R 3 | S 2 | C 2 | I 4 | L 2 | W 3 | ESS 6 | INI 4
Fertigkeiten – Diverse Berufsfertigkeiten (Reparaturen) 3, Gebräuche 1 (Straße +2), Pistolen 3, Wahrnehmung 3, Bewaffneter Kampf 2
Cyber/Bioware – Keine
Bewaffnung: Cavalier Deputy Pistole (Angriff 6, Schaden 5K, PB –1, Modus SM, Rückstoß –, Muni 7(t))
Rüstung – Abgetragene Sicherheitsjacke mit Kevlarflicken (5/3)
Sonstige Ausrüstung – Nach Anlass
Spieltipps – gelangweilt, desinteressiert, tolerant, konzernfeindlich, misstrauisch
Zustandsmonitor – ❏❏❏|❏❏❏|❏❏❏|❏

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